SCOOTER - Live Hamburg Barclaycard Arena 05.03.2016


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2016

Scooter spielen in Hamburg und alle sind sie gekommen – aus Aurich und Umgebung. Und auch viele aus Pinneberg.

Was soll man schon groß schreiben, wenn man exakt das geboten bekommt, was man erwartet? Vollgas, gute Lichtshow, viel Feuer, Tänzer und musikalisch, wie Sven Regener das in „Magical Mystery“ so schön ausdrückt, Gummistiefeltechno. Durchgehend Bumm-Bumm-Bumm, durchgehend Wicked-Rufe seitens Herrn Baxters und ohne Unterlass Döp-Döp-Döp-Dödödöpdöpdöp-Gesang seitens des Publikums. Letzteres schon vor der Halle vor dem Einlass, während des kompletten Konzertes bei jedem Instrumentalteil (wo es jederzeit perfekt passt), als Ersatz für Zugabe-Rufe und später noch vor der Halle beim Nachhausegehen. Diese Melodie und dieser „Text“ haben sich für immer in mein Hirn gebrannt, vermutlich wird das noch meinen Urenkeln geläufig sein, da sich Döp-Döp-Döp ungewollt in meiner DNA verfangen hat und so noch an Generationen nach mir weitergegeben wird.

Wie gesagt, die Erwartungen wurden in jeder Hinsicht erfüllt, was sowohl gut als auch schlecht ist. Dass man SCOOTER nicht ernst nehmen kann, ist vielen sicherlich klar. Man ist sich seiner Partytauglichkeit sehr wohl bewusst, auf der anderen Seite habe ich das Trio aber auch immer als eine Art Satire gesehen, eine Art Dada-Projekt, das sich aufgemacht hat, die Musikwelt zu verarschen. So in etwa wie wenn man einen Affen ein Bild malen lässt und dieses dann erfolgreich im Louvre aushängt. Auf der Ebene funktioniert SCOOTER ganz hervorragend, und die Konsequenz, mit der das Ganze seit 1994 durchgezogen wird, ist bewundernswert.

Dass sich Shouter H.P. Baxter in letzter Zeit als lüsterner Tattergreis bei DSDS outet und sich, wie viele alte Männer, ein Mädchen ins Haus holt, das mehrere Jahrzehnte jünger als er selbst ist, trübt die Techno-Parodie SCOOTER ein wenig, aber ist letztlich egal, denn es passt auch irgendwie zum Gesamtbild.

Einzig überrascht wurde ich vom sehr hohen Alter des Publikums. Ich dachte, ich sei mit knapp unter 50 einer der Ältesten, doch die Spanne ging bestimmt noch 10 Jahre höher und das Durchschnittsalter lag bestimmt so bei 40.

Sehr traurig war allerdings der Vor-DJ, vermutlich Micar (Name aus meiner freien Erinnerung, ich fühle mich auch nicht dazu bewogen, das nachzurecherchieren). Ich werde dieses DJ-tum wohl niemals kapieren. Der Typ hat mit Sicherheit nicht viel gemixt an seinem Pult, 90% kam vermutlich fertig aus dem Computer. Am allerschlimmsten aber waren die „Seid ihr gut drauf, Leute“-Schreie, die schon in den 70er Jahren zum Kotzen anregten. Bestimmt viermal „Seid ihr bereit für das große Finale?“ und „Die Jungs von Scooter sind schon heiß auf euch“ und andere so ausgelutschte, dämliche, unoriginelle und einfach lahme Stimmungsschreie, das war eher traurig. Das hatte noch nicht einmal Hamburger-Dom-Niveau. Sich dann aber noch mit Döp-Döp-Döp beim Publikum anzubiedern, war auch eher armselig.

Wie peinlich, ich war bei Scooter. Aber es hat Spaß gemacht. Doch es war für mich auf alle Fälle eine „Once-in-a-lifetime-Experience“, das muss man sich wirklich kein zweites Mal im Leben geben. Das kann ich getrost für immer von meiner Liste streichen. (H.H.)



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