SEASURFER - Live In The Headlights


Erstveröffentlichung: CD-R 2015 / Saint Marie Records / SMR084

Wenn eine Band aus Mitgliedern von Bands wie Dark Orange, Chandeen, Girls Under Glass, The Convent und anderen besteht, ihre Musik Dream Punk nennt und als eine Inspiration sicherlich Slowdive nennen würde, muss es sich um um was Großes aus dem Bereich Shoegaze/Dream Pop handeln. Und mit dem ersten Album „Dive In“ konnten SEASURFER schon eine Menge Eindruck machen. Um das zweite Album zu produzieren startete die Band eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne, bei der unter anderem die limitierte „Headlights“ 12“EP entstand und eine professionell gefertigte CD-R, die Aufnahmen der ersten Konzerte der Band im Jahr 2015 enthält und auf 100 Exemplare limitiert ist

Diese „Live In The Headlights“ betitelte Scheibe dürfte recht bald ein Sammlerstück sein, vor allem, wenn die Gruppe mit dem zweiten Album hoffentlich richtig durchstartet.

Schön, dass es ein Tondokument der allerersten Auftritte gibt, denn aufgrund von Besetzungswechseln wird es die Gruppe wohl in dieser Form nie wieder geben. Dass alle Bandmitglieder seit nahezu 30 Jahren in verschiedenen Bands gespielt und dabei auch jede Menge Liveerfahrung gesammelt haben, sorgt dafür, dass hier trotz der mächtigen Instrumentierung, die der Shoegaze-Sound nun mal mit sich bringt, kein Soundmatsch entstanden ist. Die Leute wissen halt, wie es geht. Natürlich darf man bei so einer kleinen Bands, die in teilweise winzigen Läden aufgetreten ist, keine Pink Floyd-artige Liveproduktion erwarten. Stattdessen ist alles rauer, als bei den Studioaufnahmen, was aber die bandeigene Stilbeschreibung Dream Punk etwas nachvollziehbarer macht.

Mit ordentlich Druck und grandiosem Wall Of Sound werden hier Stücke des Debütalbums und der „Headlights EP“ geboten, die zwischen einschmeichelnd-melancholisch im Stile der späten Cocteau Twins und treibend-wavig zwischen And Also The Trees und (ja, schon wieder) Slowdive wechseln und dabei schön herbstliche Stimmung verbreiten, ohne ins weinerlich-düstere abzugleiten. Mit „Cloudjumping“ ist ein echter Monstersong dabei, der, wäre er in den 80ern so veröffentlicht worden, heute als Klassiker gelten würde. Ich finde fast, dass der Song in der Liveversion noch hinzugewinnt.

Technisch gesehen ist es etwas schade, dass zwischen den einzelnen Livetracks stets eine kurze Pause ist, so dass die Liveatmosphäre immer kurz unterbrochen wird. Das hätte man sicher anders lösen können.

Alles in allem sicherlich eine Veröffentlichung, die hauptsächlich für Fans Sinn ergibt – denen aber garantiert ein seliges Lächeln ins Gesicht zaubert. Einsteiger in die wunderbare Klangwelt von SEASURFER sollten aber erstmal zum Album und der EP greifen, um den ganzen Zauber der Gruppe zu hören. Diese Live-CD-R werden sie wohl sowieso kaum noch irgendwo finden.

Neben den Liveaufnahmen enthält die CD-R zusätzlich auch noch die Tracks der „Headlights“-12“-EP und kommt in einem schlicht gestalteten Digi-Folder (oder wie die Aufklapphüllen komplett aus Pappe auch immer heißen mögen). (A.P.)



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