PARADOX SEQUENZ - Hart Am Limit


Erstveröffentlichung: MC 2016 / Young & Cold Records / YCRPST1

Nachdem die umtriebigen Leute von Young & Cold Records aus Augsburg bereits Adam Usi und Nacht Analyse in Szenekreisen einen guten Namen verschafft haben, steht bereits das nächste musikalische Projekt aus dem Umfeld der Labelmacher in den Startlöchern. Nach einer selbstproduzierten CD-R und einigen Samplerbeiträgen liegt nun das erste Album von PARADOX SEQUENZ in Form eines Tapes vor, limitiert auf sicherlich schnell vergriffene 100 Exemplare.

Wie nicht anders zu erwarten, geht es auch hier in (Minimal-) Elektronische Dark Wave-Gefilde mit ganz klaren Wurzeln in den 80er Jahren. Früher nannten wir diese Musik ganz einfach New Wave, heutzutage, wo jede neue Band ihr eigenes Sub-Genre erhält, nenne ich das trotzdem einfach nur so, meinetwegen auch Electro-Wave. Anklänge an die Zeit der Neuen Deutschen Welle gibt es zu hören, nicht nur aufgrund der deutschen Texte. Aber klar, es geht natürlich eher in die Welten von Bands wie Grauzone, Zero Zero, X-Agenten, Mittageisen, Zwischenfall, Andre Szigethy, Westdeutsche Christen und ähnliche eigenständige Bands der damaligen Zeit. Verbindungen zu dem, was dann schließlich in die Charts als Neue Deutsche Welle gedrückt wurde, gibt es natürlich nicht. Gleichzeitig finden sich aber auch musikalische Einflüsse aus der Frühzeit von Bands wie Attrition oder Die Form und sogar ein bisschen Spät 70er Space-Electro-Atmosphäre. Auf der anderen Seite hat auch der Dark Wave der frühen 90er Jahre ein paar Spuren hinterlassen. Heraus kommt eine melancholische, aber durchaus eingängige Mischung für Leute, für die in den 80ern alle „Schwarzen“ noch zu einer Szene gehörten und alles nicht so abgegrenzt und zersplittert war, wie heute.

Auch, wenn es bis hierher so klingen mag, dass das Duo PARADOX SEQUENZ altmodisch und rückwärtsgewandt klingt, ist das nicht so. Die Aufnahmen klingen zeitgemäß, sind tanzbar und einige Songs haben richtigen Ohrwurm-Charakter. Der Titelsong „Hart Am Limit“ erinnert beispielsweise von der Machart her stark an „49 Second Romance“ von P1/E und wäre Anfang der 90er Jahre mit Sicherheit ein Tanzflächenfüller in der Bochumer Discothek „Zwischenfall“ gewesen.

Ganz allgemein kann man sagen, dass die A-Seite eher atmosphärisch-wavig erscheint, während die B-Seite der Cassette rhythmischer und hier und da auch ein bisschen experimenteller ist. Ob diese Aufteilung sinnvoll ist oder vielleicht manche Leute dazu verführt, nur jeweils eine Seite anzuhören, je nach persönlicher musikalischer Vorliebe, muss jeder selbst entscheiden. Ich mag ja gerne Alben, die einen Spannungsbogen haben. Das ändert aber natürlich nichts an der wundervollen Musik, die 2017 dann auch endlich auf Vinyl erscheinen soll. Ich habe mir den Kauf jedenfalls fest vorgemerkt. Ach ja, für alle, die das liebenswerte analoge Tape-Format nicht mögen, liegt der Veröffentlichung auch noch ein Downloadcode bei. (A.P.)

Webadresse der Band: paradoxsequenz.bandcamp.com/


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