LEONARD COHEN - Tod mit 82 Jahren


Erstveröffentlichung: Sonstiges 2016

Leonard Cohen verstarb mit 82 Jahren

Auf seinem letzten Album hat Leonard Cohen es offenbar schon gewusst, dass er sich von der Bühne für immer verabschieden würde. Er sang "Lord I am ready" und hat das gesamte Album
"You want it darker" als ein Vermächtnis angelegt. In diesem Sommer schrieb er seiner alten Muse Marianne Ihlen ("So Long, Marianne") eine E-Mail, welche ihr noch auf dem Sterbebett vorgelesen wurde. Auch hier zeigt sich der Dichter Leonard Cohen wieder, denn er schreibt poetisch: "Nun ist es schon soweit, dass unsere Körper auseinanderfallen. Und ich denke, ich werde dir bald folgen. Wisse, dass ich so dicht hinter dir bin, dass du meine Hand berühren kannst, wenn du deine Hand ausstreckst."
Seit den Sechzigerjahren verband man musikalisch mit Leonard Cohen immer literarisch wertvolle und melancholische Folksongs. Das brachte ihn auf eine Stufe mit zwei weiteren jüdischen Musikern, nämlich Bob Dylan und Paul Simons. Seine jüdischen Wurzeln reichen tief, denn seine Familie war bereits 1860 aus Litauen nach Montreal emigriert. Seine Mutter Masha war die Tochter eines berühmten Rabbis und führte ihren Sohn schon sehr früh an Klavier und Klarinette heran. Es ist das Vermögen des früh verstorbenen Vaters Nathan, welches Leonard Cohen von allen finanziellen Nöten weitestgehend entbindet. Mit 13 Jahren kennt er die Gedichte von Federico Garcia Lorca auswendig und spielt, offenbar um Mädchen zu beeindrucken, Gitarre. Mit seinen ersten gefeierten Gedichtsbänden ("Let us Compare Mythologies 1956") war er noch recht jung, um als Poet zu gelten, aber auf Künstlerpartys schlug er ein paar Akkorde zu seinen Gedichten und machte sich bereits einen Namen. Die Folksängerin Judy Collins interpretierte bald darauf Cohens Text "Suzanne". Sie war es auch, die Cohen am 30.04.1966 zu seinem ersten Auftritt auf die Bühne schieben musste. Es war ein Konzert gegen den Vietnamkrieg. Die Musik von Cohen passte zu der Hippie-Bewegung, der Typ dazu im Anzug allerdings nicht. Cohen sagt dazu in späteren Jahren gegenüber seiner Biografin Sylvie Simmons: "Darling, ich bin in einem Anzug geboren."
Nach dem ersten Konzert führt Cohen ein recht flamboyantes Leben, kauft ein Haus auf der griechischen Insel Hydra, lernt seine Muse Marianne dort kennen, veröffentlicht weiter Platten und hat Affären mit Janis Joplin ("Chelsea Hotel Number 2") und Joni Mitchell.
Sieben Jahre nachdem er gegen den Vietnamkrieg auf der Bühne stand, zieht es Cohen selbst an die Front. Cohen gibt den ambulanten Truppenbetreuer und gibt bis zu acht Konzerte täglich. Er wollte als Jude den Juden helfen meinte er dazu. Künstlerisch findet er in den Siebzigerjahren keinen rechten Platz für sich und pendelt zwischen den beiden Polen jener Zeit, dem radikal Ausufernden und dem radikal Reduzierten. Leonard Cohen wählt für sich den Mittelweg und gerät zuletzt noch an die Produzentenlegende Phil Spector. Dieser ruiniert ihm mit Bläsern und Chören das Album "Death of A Ladies Man". Das Ergebnis dieser Zeit ist, dass Cohen säuft, Kette raucht, Whisky vernichtet, Opium raucht, Mandrax nimmt und Amphetamine schnupft. Ihn hat der Drogenstrudel gepackt und man befürchtete, da käme nichts mehr von ihm. Erst 1984 meldet sich Cohen mit "Various Positions" zurück. Die Plattenfirma veröffentlichte das Album nicht einmal in den USA, hatte den Glauben an den abgehalfterten Melancholiker verloren. Tatsächlich ist Cohen in einer musikalischen Zeit angekommen, in der ein Leonard Cohen alles andere als cool ist. Aber Cohen rappelte sich und passte seinen Sound behutsam den Achtzigerjahren an. Mit Songs wie "Hallelujah" oder "First we take Manhattan" erlebt er seinen zweiten Frühling und bleibt sich inhaltlich selber treu. Mit gewohnter Grabesstimme singt Cohen von Lust, von Liebe und von Tod.
Nachdem ihm 1992 mit "The Future" ein Werk von prophetischer Düsternis gelingt und auch die Kritiker wieder hinhören, verschwindet er plötzlich ins Kloster. Als einfacher Mönch verbringt er die folgenden Jahre in einem buddhistischen Kloster in der Nähe von Los Angeles. Er entzieht sich der Welt, in der seine Emotionalität und Kunst immer dringlicher gebraucht wird. Das Ende der Klosterzeit kommt abrupt, als Cohen 2004 erkennen muss, dass seine Managerin ihn betrogen hat. Sein Bankrott kümmert ihn wenig, Steuernachforderungen hingegen bedrohen ihn existenziell.
Zunächst gibt er nur ein paar Konzerte und wird von seiner eigenen Popularität völlig überrascht. Er ist wieder zurück und kann sich gewissermassen einem dritten Frühling – seinem Spätwerk- widmen. Auch im hohen Alter ist er dabei ganz der alte Gentleman im dunklen Anzug und mit der Eleganz des Alters. Am 07.November 2016 nun verstarb Leonard Cohen und läßt eine trauernde Fangemeinde zurück. Er hatte auf der Pressekonferenz zur Veröffentlichung von "You want it Darker", seinem letzten Album, einen schönen Satz gesagt: "Da habe ich wohl übertrieben. Ich neigte schon immer zu Selbstinszenierung. Meine Absicht ist es, ewig zu leben."
Auch wenn dieser Wunsch seit dem 07.November 2016 nicht mehr erfüllbar ist, so zumindest wird Leonard Cohens Geist und Seele durch seine vielen Songs in uns weiter verankert sein.

(Maximilian Nitzschke-Stockmann)

Quellen: Wikipedia, Musiklexicon Legends of Music (Maximilian Nitzschke)



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