SPORTSGROUP - Bei Anruf Mord


Erstveröffentlichung: LP 2016 / WSDP / WSDP 86

Es ist ja schon fast gute Tradition, dass ich bei den meisten neuen Veröffentlichungen auf Franck Punks WSDP-Label erstmal schreibe, dass ich von der jeweiligen Band noch nie was gehört habe, was kein Wunder ist, da die meisten Gruppen in den frühen 80er Jahren nur Tapes in verschwindend geringer Auflage veröffentlicht und höchstens lokal ein paar Konzerte gespielt haben. Das sagt aber natürlich nichts über die Qualität der Musik (wohl aber oft der Tonqualität) aus und so gab es bisher eigentlich keine WSDP-Platte, die mir gar nicht gefallen hätte.

Nach einigen eher minimal-elektronischen Ausflügen in letzter Zeit erscheint nun die LP der südhessischen SPORTSGROUP, die wohl so etwa von 1981 bis 1984 ein paar Tapes rausgebracht und diverse Konzerte gespielt haben, teilweise mit später sehr bekannten Bands wie Die Toten Hosen und Die Mimmi’s.

In der damaligen Zeit war die erste England-beeinflusste Punkwelle längst vorbei und parallel zur Neuen Deutschen Welle und ihrer Kommerzialisierung entwickelte sich im tiefen deutschen Musikuntergrund das, was heute allgemein als Deutsch-Punk bekannt ist. Oftmals schrammeliger Punk-Rock mit deutlichen US-Hardcore-Einflüssen und vor allem deutschen Texten, die zentral die Themen Saufen und Scheißstaat transportierten. Die großen Bands waren Slime, Canal Terror, Daily Terror, Razzia, Normahl, Chaos Z, Toxoplasma und ein paar andere. Im meist lokalen Untergrund gab es dann aber eben auch noch jede Menge Bands, die einfach aus Bock zusammen Musik machten und vermutlich gar nicht das Ziel hatten, große Erfolge zu feiern.

So eine Band waren, so weit ich es beurteilen kann, SPORTSGROUP. Einfach ein paar Konzerte für Freunde spielen, was erleben und Spaß haben. Was die Gruppe vielleicht ein wenig von anderen abhob war, dass die musikalischen Fähigkeiten etwas weiter entwickelt waren und mit Elviz aus Bensheim ein recht prägnanter Sänger am Mikro stand.

Musikalisch gibt es eben für damalige Zeiten typischen Deutsch-Punk, der mal sehr nach Daily Terror klingt (Bap-Coverversion „Verdammt Lang Haar“), mal ein paar Oi-Einflüsse bietet („Fernsehen Mit Mir“) oder auch mal gar nicht so weit von den frühen Toten Hosen entfernt ist. Zum Ende der Bandgeschichte hin hört man die Weiterentwicklung der Gruppe in Songs wie dem Razzia-artigen „Fremde Erde“ – auch zu erkennen am sehr guten Foto auf dem Cover, bei dem sich offenbar vorher jemand Gedanken gemacht hat. Alles nichts Neues und nicht unbedingt spektakulär, aber authentisch und mit schön rotziger Energie, die der Gruppe, vermutlich aufgrund guter Szene-Vernetzung, auch überregionale Auftritte bescherte. Auch in vermutlich winzigen Fanzines tauchte die SPORTSGROUP auf, einige Artikel wurden im beiliegenden 8seitigen Booklet abgedruckt. Erwähnenswert ist natürlich auch noch das Nena-Cover „Wachturm“.

Wie gewohnt also eine solide – im besten Sinne – WSDP-Veröffentlichung in der üblichen 100er Auflage. Auch, wenn die Käuferschaft für solch obskure Veröffentlichungen sicher überschaubar ist, sollte man bei Interesse schnell zugreifen. (A.P.)



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