TANZWUT - Schreib es mit Blut


Erstveröffentlichung: CD 2016 / AFM Records

Tanzwut – Schreib es mit Blut
(VÖ: 08.07.2016 AFM Records)


Tanzwut veröffentlichen nur knapp ein Jahr nach „Freitag der 13te“ ihr nunmehr zehntes Studioalbum. Hatten sie 2006 eine längere Pause eingelegt, so wird seit 2011 jedes Jahr ein neues Rockalbum auf den Markt geworfen. Bei diesem enormen Output liegt leider der Verdacht nah, dass die Qualität der Stücke darunter leiden könnte. Ganz von der Hand zu weisen ist dieser Vorwurf auch auf dem jüngsten Werk nicht, denn nicht immer ist textlicher Tiefsinn und instrumentale Vielfältigkeit zu finden auf „Schreib es mit Blut“. Der titelgebende Track „Schreib es mit Blut“ beginnt vielversprechend, denn die Musik treibt mit starken Dudelsäcken nach vorn und der Refrain ist dabei sehr einprägsam. Der Text ist banal- dennoch der Opener ist gelungen. Der zweite Track „Steig ein“ ist als Rocknummer angelegt, während „Bruder Leichtsinn“ dann wieder Tanzwut in ihrer Bestform sind. Das Tempo ist raus genommen worden, was dem Titel sehr gut tut und ein kräftigeres Gewand verleiht. Auch textlich ist er mit zu einem der stärkeren Stücke des Albums zu zählen finde ich. „Chaos“ ist eine elektronische Mittelalterrock-Nummer, mit interessant gestalteten Strophen, aber einem ziemlich einfallslosen Refrain. Überhaupt fällt leider auf, dass sich Tanzwut mit „Schreib es mit Blut“ sehr an textlichen Klischees festhalten und zuweilen abgedroschene Phrasen wiederholen. Dies wird nach einer Weile für den Zuhörer anstrengend, der sich doch etwas mehr Innovation und Ideenreichtum erhofft hatte. Stücke wie „Neue Ufer“, „Bleib bei Mir“ oder „Wer wir sind“ sind sehr belanglos leider und auch musikalisch wenig einfallsreich umgesetzt.
Aufhorchen lassen dann wieder Stücke wie „Reiter ohne Kopf“, denn dieser Song ist zum einen spannend erzählt und zum anderen sehr hymnisch umgesetzt. Der Track „Hahnenkampf“ besitzt einen sehr unterhaltsamen Text und „Geteert und Gefedert“ wird wohl die nächste Mittelalter-Partynummer. Highlight des Albums ist ohne Zweifel die Ballade „Stille Wasser“. Ungewohnt tiefsinnig und voller Romantik besingt Teufel die holde Weiblichkeit. Lohnend ist auch die Version mit Ex Leaves Eyes Sängerin Liv Kristine, welche dem Stück noch einen schönen stimmlichen Schliff verleiht.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass Tanzwut insgesamt eine passable Platte mit oftmals zu platten Texten abgeliefert haben. Die Melodien sind dennoch eingängig gehalten, so dass ihre Fans zum größten Teil zufrieden sein können. Etwas mehr Innovation und Mut die eingeschlagenen Pfade der Hölle auch mal textlich und musikalisch zu verlassen würde frischeren Wind bringen, dann würde man neu überrascht als Hörer und hat nicht das Gefühl von „schon mal anders irgendwie gehört“. (Maximilian Nitzschke)



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