CAMERON CARPENTER - "All you need is Bach" Live Konzert 05.12.2016, Konzerthaus Berlin


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2016

Cameron Carpenter ist als Pianist und Organist mit Bach aufgewachsen und hat schon sehr frühzeitig das „Wohltemperierte Klavier“ studiert und aufgeführt. Längst aber wird der junge Organist als „Grenzgänger“ geliebt und verehrt, von manchen Puristen jedoch auch mit Misstrauen wahrgenommen. Cameron Carpenter ist einer dieser leidenschaftlichen Musiker, der Neues schafft und mit einer außergewöhnlichen Musikalität gesegnet ist. Bereits jetzt hinterlässt Carpenter mit seinem Pioniergeist Spuren in der neueren Musikgeschichte. 1981 in Pennsylvania (USA) geboren, führte Cameron Carpenter mit elf Jahren erstmals Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ auf und wurde 1992 Mitglied der American Boychoir School. Neben seiner Mentorin Beth Etter zählten John Bertalot sowie James Litton zu seinen Lehrern. An der North Carolina School of the Arts studierte er Komposition und Orgel bei John E. Mitchener – und transkribierte währenddessen über 100 Werke für Orgel. Die ersten Kompositionen entstanden während Carpenters Zeit an der Julliard School New York, deren Student er von 2000 bis 2006 war. Parallel zu seinen Studien erhielt er Klavierunterricht von Miles Fusco. 2011 wurde sein Konzert für Orchester und Orgel „Der Skandal“, ein Auftragswerk der Kölner Philharmonie, von der Deutschen Kammerphilharmonie uraufgeführt. 2012 erhielt er den Leonard Bernstein Award des Schleswig-Holstein Musik Festivals. 2014 wurde für ihn die International Touring Organ (ITO) fertig gestellt, eine digital konzipierte Orgel. In den vergangenen zwei Jahren konnte er die anfängliche Skepsis gegenüber einem digitalen Instrument widerlegen und begeistert Fans und Kritiker gleichermaßen. Das eigens nach seinen Plänen gefertigte Instrument ermöglicht es ihm, an fast jedem denkbaren Ort konzertieren zu können. Am Vorabend des Nikolaustages durfte er das Publikum, im wohl schönsten Konzertsaal Berlins, dem Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Begeisterung versetzen. Die International Touring Organ ist seine digitale Orgel, die die geblasenen oder perkussiven Klänge ausschließlich auf elektronischem Weg erzeugt – dabei allerdings auf gesampelte Orgelklänge ausgewählter Instrumente zurückgreift. Cameron Carpenter hat hierfür sowohl berühmte Domorgeln als auch bekannte Kinoorgeln in sein Konzept einbauen lassen, um nicht allein eine Fülle an „traditionellen“ Klangfarben, sondern auch Effektregister aller Art (Glockenspiel, Schlagzeug, Vogelgeschrei, Wind- und Donnermaschine) einfließen lassen zu können. Mit seinem im Frühjahr 2016 erschienenen Album „All you need is Bach“ im Gepäck hat er ein Programm zusammengestellt, aus den berühmtesten Orgelwerken Johann Sebastian Bachs. Sehr bescheiden und fast ein wenig schüchtern, betrat Cameron Carpenter den Saal und war auch nach wenigen Minuten sofort in seinem Element und holte unglaubliche Klänge aus seinem Instrument hervor. So hörten wir zum Beispiel die Präludien und Fuge in a-Moll und h-Moll, Fantasie und Fuge g-Moll, aber auch einige Werke mit bearbeiteter Hand. Er hat dem Meister auch mit einer Improvisation über die Namensbuchstaben B-A-C-H gehuldigt.

Das faszinierende an Carpenters Darbietung ist, einerseits die Bescheidenheit des Künstlers selbst, welcher zwar optisch zu Exzentrik neigt, aber sehr bodenständig geblieben ist. Ein edler mit Strasssteinen besetzter Anzug, edle glitzernde Schuhe und seine Punkfrisur sind mittlerweile sein Markenzeichen geworden. Zum anderen sieht man die Leidenschaft und die technische Fertigkeit Carpenters, denn wenn Cameron spielt, dann gleitet er mit den Füßen über die Pedale und tanzt die Töne förmlich, während seine Finger in einer unglaublichen Geschwindigkeit die Tasten bedienen. Diese Leidenschaft zu sehen ist etwas besonderes und zeigt, dass Cameron Carpenter mit und in der Musik die er erschafft voller Leidenschaft lebt. Nicht umsonst erhielt er für seine Einspielung „If You Could Read My Mind“ aus dem Jahr 2014 eine ECHO Auszeichnung. Bereits 2008 hatte er für das Album „Revolutionary“ eine Grammy Nominierung erhalten. Als Cameron Carpenter nach zwei Stunden sein Konzertprogramm beendet, donnert frenetischer Applaus los, was dazu führt das uns Cameron unter anderem noch mit einer Umsetzung von Weihnachtsliedern auf seiner ITO beglückt und in den Abend entlässt. In einem Seitenraum des Konzerthauses aber stand er seinen Fans auch im Konzertanschluss noch für Fotos und Autogramme zur Verfügung – ganz Mensch, ganz Künstler. Schlichtweg rund herum ein sehr gelungener Abend in der Vorweihnachtszeit und ein kulturelles Highlight! (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.cameroncarpenter.com


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