BLACK ICE - Black Ice


Erstveröffentlichung: CD-EP 2002 / Eigenproduktion

BLACK ICE is a side project of Stevenson Sedgwick and Sköt B. of The Phantom Limbs and female singer Miss Kel, but the music is totally different to the punky Death-Rock of The Phantom Limbs. It is more kind of a Neoclassical-Neofolky-Dark-Wave or something like that, really difficult to describe. Somewhere between Skin/Swans, Sixth Comm/Mother Destruction, Siouxsie And The Banshees, Gitane Demone, Faith And The Muse and it definetly has a certain Gothic-Feeling. The band uses a lot of samples, archaic rhythms and has a very arty feeling. The voice of Miss Kel is very intensive and captivating and I wonder, if this wouldn´t be a fascinating live experience. The self-produced 4-Song CDR-EP can be ordered on the above mentioned website, so there is nothing more to say, than: get something very spezial here! If you like bands, whose name describe perfectly their music, you are right here! An interview with the bandmembers will follow soon! (A.P.)

Webadresse der Band: www.thephantomlimbs.com/blackice

ELANE - Arcane 2


Erstveröffentlichung: CD 2017 / Al!ve

Elane – Arcane 2
(VÖ: 07.04.2017 Al!VE)


Die Musik auf Arcane 2 ist inspiriert von den Geschichten des deutschen Bestsellerautors Kai Meyer, der nach Buchreport als „Deutschlands Aushängeschild für fantastische Abenteuerliteratur“ gilt. 14 völlig neue Songs, welche so abwechslungsreich und unterschiedlich sie auch sind, alle einem roten Faden folgen. Eingängige Melodien und eine Storyline, die mit dem Pop-Appeal von Joran Elanes zauberhafter Stimme erzählt werden. Mal folkig-akustisch instrumentiert, mal rockig, fast schon progressiv. Dann wieder wechselt die Stimmung und wird weltmusikalisch-orientalisch oder schlichtweg verführerisch sexy. Elane grooven auf diesem Album so sehr wie nie zuvor und sorgen für Bewegung.

Die Verbindung von Kai Meyer und Elane begann 2006 als sich die Band aus dem Sauerland und er persönlich auf einem Konzert kennen gelernt haben. Die gemeinsame Reise gipfelte 2011 in einem ersten Arcane-Album, welches Musik- und Roman-Fans gleichermaßen begeistert. Kai Meyer ist für Keyboarder und Komponist Nico Steckelberg einer der kreativsten Köpfe der deutschsprachigen Phantastik. Jedes Kapitel in seinen Romanen böte ausreichend Stoff für einen eigenen Song.
Sängerin und Songwriterin Joran Elane erinnert sich gern an die kreative Vorgehensweise und beschreibt, dass man in die Geschichten von Kai Meyer eintaucht und in die Rollen der Protagonisten versinkt. Gleichzeitig bleibe man sich selber treu, lässt eigene Emotionen sprechen und erzeugt damit Musik aus der Elane Seele.
Arcane 2 ist geheimnisvoll und phantastisch geworden, feiert zum einen Literatur und zum anderen die Macht der Vorstellungskraft. Es beginnt damit, dass Kai Meyers Phantasie die Geschichten erdacht hat, dann Leser und Künstler berührt hat, und nun ein neues Kunstwerk hat entstehen lassen von einer Band, die damit ihr fünftes Vollzeitalbum erschaffen hat.

Bereits 2001 im Sauerland gegründet, ist es die charakteristische Melange aus organischen und elektronischen Klängen, welche zum Markenzeichen von Elane wurden. Mit der fantastischen Stimme von Frontfrau Joran Elane, akustischen und elektronischen Gitarren, Violine, Viola, Cello, Percussion und bombastischen Orchesterarrangements erschaffen Elane einen unverwechselbaren Sound mit großem Wiedererkennungswert. Ihre Musik ist nicht nur clubtauglich, sondern ist ebenso gefragt bei Rollenspiel-Fans oder als Soundtrack für Film- und Audioproduktionen.
Elane zählen für mich bereits seit Jahren zu den Bands, welche das Fantasygenre auf musikalische Weise maßgeblich mitgestaltet haben, ohne dabei in Kitsch oder Unglaubwürdigkeit abzudriften. Stets sich selbst und Ihrer Leidenschaft zur Musik treu, ist Ihnen mit „Arcane 2“ erneut ein erstklassiges Werk gelungen.


(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: ww.elane-music.com

MAT REETZ - 962


Erstveröffentlichung: CD 2017 / Tumbleweed / Broken Silence

Mat Reetz – 962
(VÖ: 21.04.2017 Tumbleweed/Broken Silence)


Wer die deutsche Musiklandschaft aufmerksam verfolgt, dem ist Mat Reetz schon einmal begegnet. Er ist der Mann, der bei den deutschen Alternative-Veteranen „Blackmail“ den frei gewordenen Posten des Frontmanns übernahm und seither mit ihnen zwei weitere Alben veröffentlichte.
Die letzten Jahre war er mit Blackmail fast konstant am Limit, Tonstudio, Tour und nicht zuletzt musste er sich als Frontmann auch erst beweisen. Zeit für Ruhe war wenig gegeben.

Wie formuliert man nun Ruhe in die Musik hinein? Wie stellt man sie so dar, dass sie sich auf den Hörer unmittelbar überträgt? Mit diesen Fragen hat sich Mat Reetz im vergangenen Jahr ausgiebig beschäftigt. Es war der Wunsch, ganz tief und sehr bewusst ans Singen heranzugehen ohne dabei am Limit zu sein. Gesucht wurde eine signifikante, möglichst eigene Klangfärbung, die er mit Hilfe von elektronischen Sounds perfektionieren kann.

Gut ein halbes Dutzend Mal reiste Mat daher in den letzten 18 Monaten für intensive Studiosessions nach Österreich und arbeitete an seinem Soloalbum. Entstanden ist etwas, das in jedem Ton erkennen lässt, dass es Mat Reetz direkt aus seinem Herzen holt. Die Texte der Platte sind höchst persönlich geworden und bleiben offen für Interpretationen beim Hörer. Im Mittelpunkt steht der Gesang um den Mat Reetz seine Arrangements gebaut hat, wohl dosiert und selten überladen.

(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.matreetz.com

SAINT ASTRAY - Abyss - Ein Tanz am Rande des Abgrunds


Erstveröffentlichung: CD 2017 / Edelstahl Records

Saint Astray – Abyss
(VÖ: 31.03.2017 Edelstahl Records)

Mit ihrem zweiten Studio Album „Abyss- Ein Tanz am Rande des Abgrunds“ verharren Saint Astray nicht am Rande des Abgrunds, sondern erheben sich bereits im Titelsong mit düsterer Melodik aus der finsteren Untiefe. Dark Melodic Metal, Ausdrucksstarker Gesang, eingängige Keys und harte Gitarren-Riffs prägen den einzigartigen Stil und unterstreichen den besonderen Charakter dieses facettenreichen Werkes.

Ein Gesicht ziert das Cover, der Spiegel einer von düsteren Gedanken gepeinigten Seele, versinkt in der Tiefe. Das Albumcover weist den Weg in das Konzeptalbum, hinein in das Ewige Eis, und dieses bricht unter jenen, welche den falschen Pfad eingeschlagen haben. So fällt auch die ebenso schöne wie hinterhältige Lucicry in die Grube, welche sie einem Freund gegraben hat. Anstatt friedlich im Sarg zu ruhen, lädt das Opfer seine Mörderin zu einem unfreiwilligen und schaurigen letzten Tanz auf dem mit Kerzen verzierten Grab, welches nun einen anderen Namen trägt.
Hin- und hergerissen zwischen Gut und Böse- ein Schicksal, das die Menschen erbarmungslos ereilt und das sich wie ein roter Faden durch das Album zieht. Abyss widmet sich jenen, die zerbrechen und der Verführung der dunklen Seite nicht widerstehen.

Ein Mensch steht am Abgrund, lässt alle Masken fallen und zeigt sein wahres Gesicht. So endet auch die Geschichte im letzten Akt des Albums. Hier schließt sich der Teufelskreis und die 27 Jahre der Maskerade, Aufstieg und Fall, beginnen von vorn.
Mit dunklen, melodischen Klängen ziehen Saint Astray in ihren Bann und beeindrucken mit düsteren Texten über menschliche Untiefen und Abgründe der dunklen Szene.

(Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: www.saintastray.de

KRäLFE - Konserve

2017 / Tumbleweed / Broken Silence

Krälfe – Konserve
(VÖ: 05.05.2017 Tumbleweed/Broken Silence)

Der Name dieser Band ist gewöhnungsbedürftig und bezeichnet ein Duo, welches sich dem Minimal Noise Rock verschrieben hat. 2012 in Hamburg als rein instrumentales Bass und Drum Duo gegründet sind sie seit 2013 in Berlin ansässig. 2014 wurde das erste Krälfe Album „s/t“ analog aufgenommen und gemischt im Funkhaus Berlin. Dabei standen der kraftvolle Sound der Instrumente als wichtigster Teil von Krälfe im Vordergrund, dieser sollte auf Tonträger festgehalten werden.

Zwei Jahre später erscheint nun „Konserve“ und wurde erneut analog aufgenommen. Das Konzept jedoch ist diesmal ein anderes, den im Mittelpunkt steht nicht der Live Charakter von Krälfe, sondern die Möglichkeit der Konserve andere Zutaten hinzuzufügen. So wurden diesmal neben den bisher nur aus Schlagzeug und Bass bestehenden Krälfe Songs auch eine Anzahl von Stücken eingespielt, die Gesang von Cläre Caspar und Gitarren beinhalten. Diese Bemühungen klingen entrückt und schläfern als „Intro“ mit fast 6 Minuten Länge extrem ein. Etwas später auf dem Album in Songs mit Titeln wie „SWKD“ oder „CDC2“ versucht sich Krälfe stilistisch an Post-Punk anzunähern. Diese Stücke rücken sie in die Nähe von britischen Ikonen wie Siouxie und The Slits. (Maximilian Nitzschke)

Webadresse der Band: kraelfe.bandcamp.com

OBERER TOTPUNKT - Neurosen blühen


Erstveröffentlichung: CD 2017 / Danse Macabre

Oberer Totpunkt – Neurosen blühen
(VÖ: 28.04.2017 Danse Macabre)

Auch auf ihrem neuen Album „Neurosen blühen“ steht für die Elektro Formation „Oberer Totpunkt“ das gesprochene Wort im Vordergrund. Die fünfzehn Stücke folgen dem Stil der Formation und lassen sich am ehesten in den Bereich Dark Poetry Beats einordnen. Inhaltlich sind es erneut Hammerschläge gegen die empfindsame Seele des Hörers. Pumpende Beats und aggressive Bässe treffen auf apokalyptische Lyrics. Diese drehen sich diesmal um Angststörungen, ADHS, Borderline, Burnout und Depressionen. Die Strukturen des psychischen Eisberges der Menschheit liegen weit unter der Wasseroberfläche und zeigen für die Band, wie sehr Neurosen am blühen sind. Gesang kann man diese Herangehensweise an die Texte nicht nennen, denn vielmehr hört der Hörer einer Gedichtlesung zu, denn jedes Wort wird bedrohlich erhöht. Durch die musikalische Untermalung wird das nach einer Weile auch auf diesem Album sehr unangenehm mit der Zeit, gerade auch weil die Texte keine Gnade zulassen und eine sehr beklemmende Stimmung erzeugen. Streckenweise öden mich auch auf diesem Album die Texte an, da diese mit einer Bedeutungsdramatik aufgeladen sind, die etwas albern wird. Zugegebenermaßen ist das Album insgesamt zwar tanzbarer gehalten in der Umsetzung als noch „Desiderat“, dennoch überzeugt es mich auch diesmal nicht vollends.

(Maximilian Nitzschke)

SEASURFER - Under The Milkyway...Who Cares

Wiederveröffentlichung: LP 2017 / Saint Marie Records / SMR 106
Erstveröffentlichung: CD 2017 / Saint Marie Records / SMR 106

Nach langer Wartezeit ist im Frühjahr 2017 endlich das zweite Album der Hamburger Shoegazer - oder Dreampunks, wie sie sich selbst nennen - SEASURFER erschienen. Vorfinanziert durch eine Crowdfunding-Aktion, die den Fans mit einer sehr schönen 12“EP versüßt wurde, konnte die Gruppe um Gitarrist Dirk Knight (Dark Orange, This Virgin Torch, 24 Hours, n.o.v.a. Venus, Löwenritter) ganz in Ruhe an dem Werk arbeiten und es vermutlich völlig nach den eigenen Vorstellungen umsetzen. Beim umtriebigen US-Label Saint Marie Records erscheint das Album standardmäßig als CD. Aber viel schöner ist natürlich die Vinylfassung. Gleiche Musik, jedoch im „wärmeren“ Vinyl-Sound und gestalterisch eine Offenbarung! Zunächst das edle Klappcover aus fester Pappe, auf dem das Covermotiv - das besser für ein Shoegaze-Album nicht passen könnte - viel besser wirkt, als bei der kleinen CD. Das gesamte Cover erinnert stilistisch etwas an das gute alte Lively Art-Label aus Frankreich, wo Bands wie Little Nemo, Collection D´Arnell Andrea oder Rise And Fall Of A Decade erschienen sind. Die Schallplatte selbst ist in pink-marmoriertem Vinyl gespresst worden, was ebenfalls sehr schön aussieht und dem Musikstil angemessen ist. Dazu gibt es zeitgemäß einen Downloadcode und das Ganze ist auf 500 Exemplare limitiert. Leider ist die Platte in Deutschland als Import recht teuer, aber Sammler und Fans kommen nicht dran vorbei. Zumindest kann man sicher sein, eine Veröffentlichung zu erhalten, hinter der Band und Label voll stehen.

Musikalisch bekommt man natürlich das geboten, was man gewohnt ist und erhofft. Diverse Umbesetzungen innerhalb der Gruppe - um es auf den Punkt zu bringen: Dirk Knight ist im Grunde die einzige Konstante bei SEASURFER - sorgen aber dafür, dass sich die Schwerpunkte immer mal wieder etwas verlagern. War das erste Album noch deutlich von Größen wie Slowdive und den unsterblichen Cocteau Twins beeinflusst, kommt auf „Under The Milky Way...Who Cares“ der „Punk“-Einfluss in der Eigenbeschreibung Dreampunk deutlicher zum Vorschein. Fast alle Lieder haben ein für Shoegaze/Dreampop-Verhältnisse hohes Tempo und klingen rauer, als noch zuvor. Man kann es vielleicht zusammenfassen mit „weniger Hall, mehr Verzerrer“. Sängerin Julia Beyer singt dabei auch etwas klarer und weniger ätherisch, als man es im Genre gewohnt ist. Heraus kommt aber am Ende ein weitgehend eigenständiger und eingängiger SEASURFER-Sound mit Wiedererkennungswert. Letzteres liegt vor allem an den schönen Melodien, so bleibt das vorab digital ausgekoppelte „If You Leave“ (keine OMD-Coverversion - obwohl das sicher auch interessant gewesen wäre) schnell im Ohr. „Falling“ scheint ein paar The Cure-Einflüsse zu haben und „Too Late For Goodbyes“ schafft es beinahe die Intensität des Überknallers „Cloudjumping“ vom Debütalbum fortzusetzen. Den ruhigeren Kontrast und Cocteau Twins-Moment bildet das verträumte (und damit passend betitelte) „Day Dream“, das eine starke erste Seite abschließt.

Die B-Seite beginnt mit dem von Gitarren und Bass her an The Jesus And Mary Chain erinnernde „The Roads We Take“ und endet schließlich - ohne die dazwischen nicht erwähnten Titel abwerten zu wollen - mit dem hymnenhaften „Trust The Path Unseen“.

Für meinen Geschmack hätte die Abmischung von „Under The Milky Way...Who Cares“ insgesamt etwas weniger verwaschen, dafür klarer sein dürfen und ein bisschen mehr Druck haben können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Songs sind durchweg schön und man darf sich hoffentlich bald auf Konzerte freuen und in fernerer Zukunft auf ein neues Album, das dann sicher wieder einige Veränderungen und Überraschungen bieten wird. (A.P.)

Webadresse der Band: www.seasurfermusic.com

KONTRAST - Kontrast


Erstveröffentlichung: LP 2017 / WSDP / WSDP 80

KONTRAST ist kaum ein besonders innovativer Bandname. Schon gar nicht für eine Punkband. Das war es schon Anfang der 80er Jahre nicht und so verwundert es nicht, dass sich beispielsweise in der Discogs-Datenbank zahlreiche Bands dieses Namens aus aller Herren Länder und unterschiedlichen Musikstilen finden. Alle wollten halt ein „Kontrast“ zur athergebrachten Musik der Eltern sein. Natürlich sagt das noch nichts über die Qualität der Musik aus und so ist den bei Discogs als KONTRAST (20) geführten jungen (jedenfalls Anfang der 80er ) Leuten aus Mönchengladbach kein Vorwurf zu machen, denn überhaupt den Arsch hochzukriegen und eine Band zu gründen war mehr, als die meisten anderen Jugendlichen damals wie heute überhaupt hinbekommen.

WSDP hat KONTRAST auf alten Tapes aufgestöbert und offenbar die Musiker ausfindig gemacht. Eine offizielle Veröffentlichung auf Platte hat es damals wohl nicht gegeben - mit der gleichnamigen Schlager-NDW-Band und deren Single von 1982 haben die Gladbacher sicher nichts zu tun - und so wurden wohl nur ein paar Tapes im Freundeskreis und vielleicht auf Konzerten verbreitet. Schade, hätten KONTRAST damals eine Single gemacht, so wäre das ganz sicher heute ein Sammlerstück.

Musikalisch wird früher, schrammeliger Punk geboten, der zeitgemäß schon eine ganze Menge New Wave-Anklänge dabei hatte, aber noch rotziger als Fehlfarben oder andere Zeitgenossen daher kommt. Eher hätten KONTRAST aufs No Fun-Label gepasst, irgendwo zwischen Hans-A-Plast, Bärchen und Die Milchbubis und - wenn man etwas weiter denkt - A5. Das liegt natürlich vor allem auch daran, dass hier eine junge Dame singt. Der Einfluss von Hans-A-Plast auf die frühe deutsche Punkszene kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden! Aufgrund des Gesangs könnte man vielleicht auch noch Bluttat als grobe Richtung nennen, obwohl die musikalisch schon deutlich mehr in die Hardcore-Punk-Richtung gingen, die sich damals gerade durchsetzte und deren Vorgängerband Pissrinne ja vor einiger Zeit gerade bei Teenage Rebel Records posthum gewürdigt wurde..

Und: Möchengladbach, Punk, Anfang der 80er? Da klingelt es natürlich sofort ganz laut, denn da begann auch Deutschlands vielleicht einflussreichste und wichtigste Punkband ihr ganz eigenes Leben...EA80. Ist es Zufall, dass das Coverdesign durchaus an die frühen Platten dieser Helden erinnert? Kein Wunder, wurde es doch offenbar von Junge gestaltet. Die Mischung aus Punk und Wave lässt Gedanken aufkommen, ob Herr Kirchner nicht damals auch irgendwie bei KONTRAST vor oder hinter den Kulissen seine Finger im Spiel hatte, zumal sich zwei Musiker der Band offenbar hinter Pseudonymen verbergen.

Ist alles Spekulation und letztlich auch völlig egal. KONTRAST wissen zu begeistern, klingen rau und authentisch. Auf der A-Seite mit Studioaufnahmeng, von denen vor allem „Der Wecker“ mit Drumcomputer hervorsticht und leichte Joy Division-/frühe The Cure-Einflüsse vermuten lässt. Auch die folgenden Songs haben immer wieder etwas dunklere Momente. Die B-Seite präsentiert rohere Demoaufnahmen.

Wie üblich ist diese Platte bei WSDP limitiert, diesmal auf 140 Exemplare in drei leicht unterschiedlichen Covervarianten mit Beiblatt und war blitzschnell ausverkauft (nehme ich mal stark an). Also schnell zugreifen, wenn Interesse an einer weiteren gelungenen deutschen Punk-Geschichtsstunde besteht. (A.P.)

KRAFTWERK - 3-D Der Katalog


Erstveröffentlichung: DVD-Audio 2016 / Warner Music / Parlaphone

Kraftwerk „3-D Der Katalog“
(VÖ: 26.05.2017 Blue Ray/DVD, Vinyl & Download
Warner Music/Parlophone)


3-D Der Katalog ist eine umfassende Werkschau der kompletten KRAFTWERK Meisterwerke und erschien am 26.Mai 2017 bei Warner Music. Nur eine Woche später platziert sich die auf Blue-Ray, DVD, Vinyl, CD und als Download verfügbare Produktreihe in den Top 5 der offiziellen deutschen Charts auf Platz 4. Die Urväter der elektronischen Musik gehen buchstäblich durch die Decke.

Kraftwerk beweisen mit Ihrer Werkschau, dass sie musikalisch stilprägend waren und noch sind, sowie durch spektakuläre 3-D Effekte ihren Sound in die Neuzeit transportieren konnten. Kraftwerk, das sind auch immerhin fast fünf Jahrzehnte Musikgeschichte. In den Düsseldorfer Kling Klang Studios entwickelten die Urväter von Electro, Hip Hop, Synthie-Pop, Minimal und nicht zuletzt Techno 1970 ihren unverwechselbaren Soundtrack des digitalen Zeitalters.
Für mich war und ist Kraftwerk immer als ein Gesamtkunstwerk zu betrachten gewesen, denn die Musik ist ohne die opulenten Videos nur bedingt so wirkungsvoll.

Die 8 Videomitschnitte der Blue Ray/DVD starten mit dem 15 Minuten umfassenden Stück „Autobahn“. Der Anlasser eines Autos startet durch und ein großes Autobahnicon lässt den Betrachter der DVD eintauchen in die Bildsprache der vier Kraftwerkler. Musikalisch dominieren Synthie-Pop Klänge, verfremdete Stimmen und poppige Bässe, lediglich der Text „Wir fahrn, fahrn fahrn auf der Autobahn“ wird gesungen, ansonsten sind die Sänger eigentlich vielmehr Bestandteil der Inszenierung. Roboterhaft agieren sie hinter ihren Keyboards, während hinter Ihnen im Film die Autos monoton ihre Autobahnstrecke entlangfahren. Kraftwerk erschaffen Ihre eigenen Bilder und springen dabei durch ganz verschiedene Kunstgattungen.
Mit „Radio-Aktivität“ beweisen Kraftwerk wie zeitgemäß Sie eigentlich sind. Namen wie Sellafield, Tschernobyl, werden mit jüngeren Nuklear Unfällen verwoben und aktuell gehalten. Monoton, dröhnend, technoid ist die musikalische Umsetzung, die visuelle dagegen mischt Icons mit bewegten Bildern und Neonschrift. Ich fühle mich sehr an die Hochzeit des Techno erinnert, wenngleich hier mehr Pop drinsteckt. Optisch haben Kraftwerk jedes Ihrer 8 Stücke zu einem visuellen Erlebnis gemacht, saugen den Zuschauer hinein in eine, Ihre eigene Klangwelt aus elektronischem Sound. Mal opulent in der Bildsprache wie in „Achterbahn“ oder „Tour de France“ und mal eher minimalistisch fokussiert wie in „Radio-Aktivität“.

3-D Der Katalog umfasst dabei Aufnahmen der Live Auftritte aus dem Museum oft Modern Art New York, der Kunstsammlung Düsseldorf, der Tate Modern in London, dem Akasaka Blitz in Tokio, dem Opera House in Sydney, der Walt Disney Concert Hall in Los Angeles, dem Burgtheater in Wien, der Fondation Louis Vuitton Paris, der Neuen Nationalgalerie Berlin , dem Paradiso Amsterdam, dem Konzerthaus Kopenhagen, der Norske Opera in Oslo und dem Museo Guggenheim in Bilbao aus den Jahren 2012 bis 2016. Außerdem Neu-Aufnahmen der acht klassischen Kraftwerk-Alben in chronologischer Reihenfolge. Eine umfassendere Werkschau als diese Zusammenstellung gibt es im Bereich der frühen elektronischen Musik schlichtweg nicht, obendrein keine, mit so hohem künstlerischen Anspruch auch visuell. Der Kauf lohnt!

(Maximilian Nitzschke)

THE KELLY FAMILY - We Got Love


Erstveröffentlichung: CD 2017 / Airforce1

The Kelly Family – We Got Love
(VÖ: 24.03.2017 Airforce1)


Kaum eine musikalische Familie hat in den 1990er Jahren für mehr Furore gesorgt, als die Kelly Family. Entweder man hasste Sie oder aber man liebte sie, so etwas dazwischen gab es einfach nicht. Ich muss gestehen, dass ich die Kellys mit ihrem englischen Doppeldeckerbus bis zu Ihrem Durchbruch mit „Over The Hump“ 1994 sehr suspekt fand und ihre Musik zu schmalzig. Hin und wieder stand der Bus in der Fußgängerzone und entlud eine etwas an Hippies erinnernde Musikerschaft. Ungeachtet des Aussehens, erahnte man bereits während der Gratiskonzerte, dass hier jeder Kelly eine gewaltige Stimmfarbe besitzt und Potenzial hat. Die „Bravo“ entdeckte damals journalistisch das Potenzial der Kelly Family und machte Sie und ihre Musik bekannt.
Man kam an Angelo oder Paddy Kelly gar nicht mehr vorbei, lange lockige Haare wurden in, jeder Teenie wollte entweder im Doppeldecker, auf einem Hausboot oder in einem Schloss wohnen – eben wie die Kellys. Kometenhaft der Aufstieg, 1994 erreichte das Album „Over The Hump“ ganze 2,5 Millionen Verkäufe, das bedeutete 4 Mal Platin in diesem Zuge. Die Single „An Angel“ hielt sich wochenlang in den Charts, ein Preis überholte den anderen und Stadien waren brechend voll. Bis 2006 wurde die Kelly Family mit 48 Gold- und Platin Schallplatten ausgezeichnet und hat über 20 Millionen Tonträger verkauft.
Nachdem 2002 der Familienvater stirbt, tritt die Band nicht mehr in der ursprünglichen Besetzung auf, sondern widmen sich Angelo Kelly, Maite Kelly und John Kelly mit seiner Frau Maite Itoiz verstärkt eigenen Projekten.

Maite Kelly etwa gewann die RTL Tanzshow „Lets Dance“ und singt inzwischen deutschen Schlager, Paddy Kelly singt inzwischen auch alleine, und Joey Kelly ist bei jedem sportlichen Wettkampf dabei, nicht zuletzt als Stefan Raab noch in der TV Landschaft verankert war.

Um so mehr überraschte mich die Nachricht eines Comebacks, einer Reunion, die nicht nur das Album „We Got Love“ zum Ergebnis hat, sondern auch drei große Konzerte in Dortmund im Mai umfasste und für 2018 eine Tour ankündigt. Maite und Paddy sind bei der Wiederzusammenfindung leider nicht dabei bisher, dafür aber Joey Kelly und natürlich Angelo Kelly. Der kleine Junge mit den Engelslocken ist heute mit 35 fünffacher Vater. Den Song „An Angel“ singt er zusammen mit seiner Tochter Emma Kelly, welche die hohen Töne mühelos hinbekommt. Der Papa erreicht die hohen Töne nach seinem Stimmbruch leider nicht mehr, dafür hat er eine erwachsene kraftvolle Stimme erhalten.
Die wichtigsten Songs Ihrer Bandgeschichte wie „I cant Help Myself“ oder „Fell in Love with an Alien“ wurden neu aufgenommen und schaffen eine wohlige Vertrautheit. Man erinnert sich unweigerlich, oder genießt die Emotionalität. Ja, in der Tat, heute mit dem Abstand von etlichen Jahren klingen die Songs erwachsener für mich und kraftvoller. Ich schätze das liegt sehr daran, dass alle Stimmen gereift sind und eine musikalische Weiterentwicklung stattgefunden hat.Vielleicht liegt es aber auch ein Stück weit daran, dass sich die Band anders präsentieren muss, denn der musikalische Zeitgeist hat sich verändert und sich nur auf dem großen Namen auszuruhen in der Hoffnung an die alten Erfolge anknüpfen zu können, wäre vermessen. Angelo Kelly singt nicht mehr wie mit 12 Jahren, hat die Lockenpracht und den Kindheitsbonus verloren, also gilt es stimmlich zu punkten. Das spürt der Hörer nicht zuletzt in fünf neuen Liedern wie dem Titelsong „We got Love“. Der unverkennbare Kelly Sound aus Folk und Pop ist da, aber temporeicher und moderner.

Den Kellys ist mit „We got Love“ auch in der Tat gelungen stimmlich zu punkten. Ein Wohlfühlalbum wurde geschaffen mit einer ausgewogenen Mischung aus Folk-Nostalgie und Moderne. Alte Fans werden überrascht sein und Menschen die bisher mit der Kelly Family nichts anfangen konnten, sollten mal reinhören. Es lohnt sich schlichtweg! (Maximilian Nitzschke)

NINE CIRCLES - Falling/Preconception


Erstveröffentlichung: 7 Inch 2017 / EE Tapes / EV14

Lange war diese neue Single von NINE CIRCLES bei EE Tapes in Belgien schon angekündigt. Sie wurde sogar noch von einer selbstveröffentlichten Platte überholt. Die lange Wartezeit stört aber nicht, wenn dabei am Ende ein durchweg schönes Produkt herauskommt, wie es hier der Fall ist. Nach einem gesundheitlich sehr schweren Jahr 2016 für Sängerin Lidia hat EE Tapes beschlossen, die Einnahmen von dieser Platte ihr zukommen zu lassen, damit die Kosten für ihre Genesung etwas abgemildert werden - wie zuvor schon eine kleine Crowdfunding Aktion im letzten Jahr. Gute Sache und da zahlt man gerne auch etwas mehr, als eine Single normalerweise kosten würde.

Die Gestaltung des Covers ist gewohnt schlicht, wie schön. Ganz so, wie man es von Lidia und Musiker Per-Anders gewohnt ist. Genauso verhält es sich mit der Musik. Wavige Electro-Klänge, kühl und vielleicht etws weniger minimal als sonst, eher cold-wavig angehauchter Synth-Pop. Melancholisch, aber nicht düster, getragen von Lidias Stimme, die eine sehr eigene Mischung aus kühl und warm bietet - klingt komisch? Ich kann es aber nicht anders beschreiben. Ganz klar tief in den 80ern verwurzelt, Namen wie Trisomie 21, Twilight Ritual oder Twice A Man kommen einem da schnell in den Sinn. Oder, um mal eine neuere Band zu nennen, Soma Sema, was durch den weiblichen Gesang der Sache auch noch näher kommt.

Beide Songs, „Falling“ und „Preconception“, haben gleich hohe Qualität, der zweitgenannte ist vielleicht etwas mehr für die Tanzflächen auf den einschlägigen Partys geeignet. Textlich sind beide Lieder eher düster gehalten, wobei Lidia in „Falling“ ganz offensichtlich ihr gesundheitlich schweres Jahr thematisiert - was auch das Covermotiv widerspiegelt.

Sicher keine leichte Kost, aber typischer NINE CIRCLES-Stoff mit zwei sehr guten Songs. Und dass Lidia überhaupt wieder in der Lage ist, eine Platte aufzunehmen, ist schon mal ein tolles Zeichen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.eetapes.be


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