SEASURFER - Under The Milkyway...Who Cares

Wiederveröffentlichung: LP 2017 / Saint Marie Records / SMR 106
Erstveröffentlichung: CD 2017 / Saint Marie Records / SMR 106

Nach langer Wartezeit ist im Frühjahr 2017 endlich das zweite Album der Hamburger Shoegazer - oder Dreampunks, wie sie sich selbst nennen - SEASURFER erschienen. Vorfinanziert durch eine Crowdfunding-Aktion, die den Fans mit einer sehr schönen 12“EP versüßt wurde, konnte die Gruppe um Gitarrist Dirk Knight (Dark Orange, This Virgin Torch, 24 Hours, n.o.v.a. Venus, Löwenritter) ganz in Ruhe an dem Werk arbeiten und es vermutlich völlig nach den eigenen Vorstellungen umsetzen. Beim umtriebigen US-Label Saint Marie Records erscheint das Album standardmäßig als CD. Aber viel schöner ist natürlich die Vinylfassung. Gleiche Musik, jedoch im „wärmeren“ Vinyl-Sound und gestalterisch eine Offenbarung! Zunächst das edle Klappcover aus fester Pappe, auf dem das Covermotiv - das besser für ein Shoegaze-Album nicht passen könnte - viel besser wirkt, als bei der kleinen CD. Das gesamte Cover erinnert stilistisch etwas an das gute alte Lively Art-Label aus Frankreich, wo Bands wie Little Nemo, Collection D´Arnell Andrea oder Rise And Fall Of A Decade erschienen sind. Die Schallplatte selbst ist in pink-marmoriertem Vinyl gespresst worden, was ebenfalls sehr schön aussieht und dem Musikstil angemessen ist. Dazu gibt es zeitgemäß einen Downloadcode und das Ganze ist auf 500 Exemplare limitiert. Leider ist die Platte in Deutschland als Import recht teuer, aber Sammler und Fans kommen nicht dran vorbei. Zumindest kann man sicher sein, eine Veröffentlichung zu erhalten, hinter der Band und Label voll stehen.

Musikalisch bekommt man natürlich das geboten, was man gewohnt ist und erhofft. Diverse Umbesetzungen innerhalb der Gruppe - um es auf den Punkt zu bringen: Dirk Knight ist im Grunde die einzige Konstante bei SEASURFER - sorgen aber dafür, dass sich die Schwerpunkte immer mal wieder etwas verlagern. War das erste Album noch deutlich von Größen wie Slowdive und den unsterblichen Cocteau Twins beeinflusst, kommt auf „Under The Milky Way...Who Cares“ der „Punk“-Einfluss in der Eigenbeschreibung Dreampunk deutlicher zum Vorschein. Fast alle Lieder haben ein für Shoegaze/Dreampop-Verhältnisse hohes Tempo und klingen rauer, als noch zuvor. Man kann es vielleicht zusammenfassen mit „weniger Hall, mehr Verzerrer“. Sängerin Julia Beyer singt dabei auch etwas klarer und weniger ätherisch, als man es im Genre gewohnt ist. Heraus kommt aber am Ende ein weitgehend eigenständiger und eingängiger SEASURFER-Sound mit Wiedererkennungswert. Letzteres liegt vor allem an den schönen Melodien, so bleibt das vorab digital ausgekoppelte „If You Leave“ (keine OMD-Coverversion - obwohl das sicher auch interessant gewesen wäre) schnell im Ohr. „Falling“ scheint ein paar The Cure-Einflüsse zu haben und „Too Late For Goodbyes“ schafft es beinahe die Intensität des Überknallers „Cloudjumping“ vom Debütalbum fortzusetzen. Den ruhigeren Kontrast und Cocteau Twins-Moment bildet das verträumte (und damit passend betitelte) „Day Dream“, das eine starke erste Seite abschließt.

Die B-Seite beginnt mit dem von Gitarren und Bass her an The Jesus And Mary Chain erinnernde „The Roads We Take“ und endet schließlich - ohne die dazwischen nicht erwähnten Titel abwerten zu wollen - mit dem hymnenhaften „Trust The Path Unseen“.

Für meinen Geschmack hätte die Abmischung von „Under The Milky Way...Who Cares“ insgesamt etwas weniger verwaschen, dafür klarer sein dürfen und ein bisschen mehr Druck haben können. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn die Songs sind durchweg schön und man darf sich hoffentlich bald auf Konzerte freuen und in fernerer Zukunft auf ein neues Album, das dann sicher wieder einige Veränderungen und Überraschungen bieten wird. (A.P.)

Webadresse der Band: www.seasurfermusic.com


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