KONTRAST - Kontrast


Erstveröffentlichung: LP 2017 / WSDP / WSDP 80

KONTRAST ist kaum ein besonders innovativer Bandname. Schon gar nicht für eine Punkband. Das war es schon Anfang der 80er Jahre nicht und so verwundert es nicht, dass sich beispielsweise in der Discogs-Datenbank zahlreiche Bands dieses Namens aus aller Herren Länder und unterschiedlichen Musikstilen finden. Alle wollten halt ein „Kontrast“ zur athergebrachten Musik der Eltern sein. Natürlich sagt das noch nichts über die Qualität der Musik aus und so ist den bei Discogs als KONTRAST (20) geführten jungen (jedenfalls Anfang der 80er ) Leuten aus Mönchengladbach kein Vorwurf zu machen, denn überhaupt den Arsch hochzukriegen und eine Band zu gründen war mehr, als die meisten anderen Jugendlichen damals wie heute überhaupt hinbekommen.

WSDP hat KONTRAST auf alten Tapes aufgestöbert und offenbar die Musiker ausfindig gemacht. Eine offizielle Veröffentlichung auf Platte hat es damals wohl nicht gegeben - mit der gleichnamigen Schlager-NDW-Band und deren Single von 1982 haben die Gladbacher sicher nichts zu tun - und so wurden wohl nur ein paar Tapes im Freundeskreis und vielleicht auf Konzerten verbreitet. Schade, hätten KONTRAST damals eine Single gemacht, so wäre das ganz sicher heute ein Sammlerstück.

Musikalisch wird früher, schrammeliger Punk geboten, der zeitgemäß schon eine ganze Menge New Wave-Anklänge dabei hatte, aber noch rotziger als Fehlfarben oder andere Zeitgenossen daher kommt. Eher hätten KONTRAST aufs No Fun-Label gepasst, irgendwo zwischen Hans-A-Plast, Bärchen und Die Milchbubis und - wenn man etwas weiter denkt - A5. Das liegt natürlich vor allem auch daran, dass hier eine junge Dame singt. Der Einfluss von Hans-A-Plast auf die frühe deutsche Punkszene kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden! Aufgrund des Gesangs könnte man vielleicht auch noch Bluttat als grobe Richtung nennen, obwohl die musikalisch schon deutlich mehr in die Hardcore-Punk-Richtung gingen, die sich damals gerade durchsetzte und deren Vorgängerband Pissrinne ja vor einiger Zeit gerade bei Teenage Rebel Records posthum gewürdigt wurde..

Und: Möchengladbach, Punk, Anfang der 80er? Da klingelt es natürlich sofort ganz laut, denn da begann auch Deutschlands vielleicht einflussreichste und wichtigste Punkband ihr ganz eigenes Leben...EA80. Ist es Zufall, dass das Coverdesign durchaus an die frühen Platten dieser Helden erinnert? Kein Wunder, wurde es doch offenbar von Junge gestaltet. Die Mischung aus Punk und Wave lässt Gedanken aufkommen, ob Herr Kirchner nicht damals auch irgendwie bei KONTRAST vor oder hinter den Kulissen seine Finger im Spiel hatte, zumal sich zwei Musiker der Band offenbar hinter Pseudonymen verbergen.

Ist alles Spekulation und letztlich auch völlig egal. KONTRAST wissen zu begeistern, klingen rau und authentisch. Auf der A-Seite mit Studioaufnahmeng, von denen vor allem „Der Wecker“ mit Drumcomputer hervorsticht und leichte Joy Division-/frühe The Cure-Einflüsse vermuten lässt. Auch die folgenden Songs haben immer wieder etwas dunklere Momente. Die B-Seite präsentiert rohere Demoaufnahmen.

Wie üblich ist diese Platte bei WSDP limitiert, diesmal auf 140 Exemplare in drei leicht unterschiedlichen Covervarianten mit Beiblatt und war blitzschnell ausverkauft (nehme ich mal stark an). Also schnell zugreifen, wenn Interesse an einer weiteren gelungenen deutschen Punk-Geschichtsstunde besteht. (A.P.)



[ ZURUECK ]