CARSTEN VOLLMER / SPHERICAL DISRUPTED - CSCP / Recluse


Erstveröffentlichung: 12 Inch EP 2017 / Krater Recordings / KR12-001

Neues aus dem Hause Krater Recordings - leider ein Label, das bisher komplett an mir vorbeigegangen ist. Und dass mich diese Platte am Ende doch noch erreicht hat, war lange Zeit nicht absehbar, schaffte der vertrauensvoll beauftragte Paketdienst - benannt nach einem Götterboten - es doch tagelang nicht, das Paket aus Essen heraus zu bekommen und auf den Weg nach Hamburg zu bringen. Ich hatte schon vermutet, dass Essen ein ähnliches Schicksal wie Bielefeld getroffen hätte. Zuguterletzt trudelte das Paket dann aber doch noch bei mir ein, beklebt mit einem lapidaren Entschuldigungsaufkleber, dass es „fehlgeleitet“ worden sei. Ende gut, alles gut? Binsenweisheit.

Wäre aber auch schade, wenn ich diese Split-EP von CARSTEN VOLLMER und SPHERICAL DISRUPTED nicht zu Ohren bekommen hätte, denn sie weist einige Besonderheiten auf.

Musikalisch gibt es - nun ja - Geräuschmusik zu hören, Avantgarde, Industrial, Noise, Ambient, Drone, Klangcollagen, ach, ich weiß nicht, wie man es nennen soll. Wer die Musiker kennt, weiß, was ihn erwartet. CARSTEN VOLLMER liefert mit „CSCP“ rhythmische Klänge ab, die vermutlich durch zahlreiche Effektgeräte gejagt wurden und so zerhäckselt, zerstückelt, gesplattert wurden. Hätte man das in den 80er Jahren von Esplendor Geometrico remixen lassen, wäre das heute ein Power-Electronic-Klassiker. Was in dem Track steckt, zeigt dann auch der „Chtonic Mix“ von SPHERICAL DISRUPTED, der eher dronig-ambient daherkommt. Jetzt wäre ein „endgültiger Mix“ aus diesen beiden Versionen interessant.

Dieser ambiente Ansatz zeichnet auch das eigene Stück von „SPHERICAL DISRUPTED „Recluse“ aus. Düstere, soundtrackartige Klangwelten, die etwas an die „Hellraiser“-Stücke von Coil erinnern. Hätte auch gut in einen Derek Jarman-Film gepasst. Und auch dieser Track wurde als „Sigetik Mix“ remixt, diesmal natürlich von CARSTEN VOLLMER, und zu einem Fabrikhallen-Stück verwandelt, das entfernt an ganz frühe Einstürzende Neubauten erinnert. Auch hier wäre eine Kombination aus beiden Versionen bestimmt spannend. Vielleicht eine Idee für eine Nachfolgesingle - ähnlich wie das „unsichtbare“ Album von Die Tödliche Doris.

Bis hierhin eine sicher spannende, aber nicht unbedingt ungewöhnliche oder überraschende Industrial-Platte. Etwas wirklich besonderes wird sie erst durch die gesamte Aufmachung. Die Limitierung auf 100 Exemplare (plus einige Promoexemplare) ist in diesem Bereich noch nicht so ungewöhnlich. Das schlicht gestaltete Siebdruck-Cover sieht aber schon mal wirklich schick aus (das Foto gibt leider nicht die genaue Farbe wieder). Das gedruckte 8“x8“-Beiblatt ist ebenso schlicht gehalten und enthält neben den notwendigen Informationen zu der Musik auch die Handnummerierung. Und zum Glück den Hinweis, dass die Musik auf 33/13 Umdrehungen abgespielt werden soll, denn das ist beim Anhören nicht sofort erkennbar. Auch auf 45er Tempo würden die Stücke funktionieren.

Die Platte selbst ist einseitig bespielt. Die zweite Seite ist blank schwarz. Sicher wäre es schön gewesen, da noch etwas eingravieren zu lassen, aber das ist bei einer 100er Auflage vermutlich finanziell kaum machbar, ohne, dass der Verkaufspreis utopisch wird. Wirklich außergewöhnlich ist aber, dass von den vier Stücken jedes seine eigene Rille hat, und zwar nicht parallel (wie beispielsweise bei der Rescue 1-Maxi „Movie Viewers“), sondern hintereinander. Man hat sozusagen vier einzelne Singles auf einer 12“-Seite. Etwas ähnliches kenne ich nur von der 1992 erschienenen The Eternal Afflict Mini-LP „(Luminographic) Agony“, die vom Label damals als „MP“ (= Medium Player - also zwischen EP und LP) beworben wurde. Hat sich nicht durchgesetzt und wird es jetzt sicher auch nicht. Ein Beinahe-Alleinstellungsmerkmal ist es aber allemal.

Keine Frage, diese Scheibe ist sicher eine Sache für Industrial/Noise/Ambient-Sammler, aber die dürfen sich auf jeden Fall über eine mit viel Enthusiasmus gemachte Schallplatte freuen. (A.P.)

Webadresse der Band: krater.audiophob.de/


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