RUPRECHT - Anders Art


Erstveröffentlichung: CD-R 2017 / Sub.ver.siv / neo01

Philipp Münch ist seit über 25 Jahren aus der deutschen Electro-, Minimal- und Industrialszene nicht wegzudenken. Neben seinen bekanntesten Projekten Synapscape, The Rorschach Garden und Ars Moriendi hat er im Laufe der Jahre alleine oder mit verschiedenen Mitstreitern zahllose Veröffentlichungen auf ebenso zahllosen Labels und in allen möglichen Formaten veröffentlicht. Eins dieser Projekte war Rasputeen, eine Band, die mit einer spaßigen Show vor allem live wahnsinnigen Spaß gemacht hat, man erinnere sich nur an das irre Cover von „Das Lied Von Manuel“ oder von der Bühne aus servierte Leberwurst-Schnittchen. Die Mischung aus EBM und Minimal-Electro war recht eigenständig, die Band selber wurde aber irgendwann wohl zu Grabe getragen.

Als Quasi-Nachfolge-Projekt hat Münch aber inzwischen RUPRECHT ins Leben gerufen, von dem mit „Anders Art“ nun eine erste Veröffentlichung vorliegt. Ob die so geplant war oder einfach aus der Tatsache entstand, dass Philipp extrem günstige CD-Rohlinge gekauft hat, werden später die Biographen klären müssen. Zumindest aber wurde extra hierfür Philipps altes CD-R-Label Sub.ver.siv reanimiert und in klassischer Do-it-yourself-Manier eine 50er Auflage CD-Rs mit jeweils individuell gestaltetem Cover hergestellt und im Eigenvertrieb in kürzester Zeit unter die Fans gebracht. Das erinnert an scheinbar selige Tape-Zeiten - was aber heute gerne etwas nostalgisch verklärt erscheint, denn das Schnippeln der Cover, das Kopieren der Tapes und das Vertreiben der Veröffentlichungen, die eigentlich kaum jemand haben wollte (Auflagen über 100 Exemplare waren die totale Ausnahme, auch bei bekannteren Labels) war sehr nervig!

Musikalisch gibt es auf „Anders Art“ im Grunde wenig Überraschendes, wenn man die Arbeit des Musikers über die Jahre verfolgt hat. Elektronische Klänge, die sich irgendwo zwischen Industrial und rhythmischen Klängen bewegen, von Track zu Track auch immer mit weiteren Einflüssen von Minimal über Ambient und Breakbeat bis Wave. Vielleicht irgendwo zwischen The Klinik und Notstandskomitee, aber im Grunde gar nicht einem durchgehenden Stil zuzuordnen. Vermutlich einfach aus Spaß an der Sache ohne stilistische Zwänge über einen längeren Zeitraum entstanden.

Mal düster, mal tanzbar und in „Ego“ irgendwie sogar ein bisschen wie eine elektronische Variante der Einstürzenden Neubauten oder in „Die Welle“ wie moderne Kraftwerk. Selbst die überwiegend deutschsprachigen Texte sind hier nicht Konzept, werden die doch auch ein paarmal von der englischen Sprache durchbrochen. Bei soviel Freigeist überrascht es nicht, dass auch eine Coverversion eines ikonischen Electro-Stückes dabei ist, dass man eigentlich nicht covern sollte, nämlich The Normals „T.V.O.D.“. Aber Philipp Münch darf das mit RUPRECHT machen, weil er vermutlich die Musik auf „Anders Art“ im Grunde erstmal für sich selbst aufgenommen hat und hier ein angenehmer Anarchismus herrscht.

Und weil hier Vielfältigkeit herrscht, taucht mit „Omnibus“ auch noch ein DAF-artiges Stück auf, das bei größerer Verbreitung ganz sicher schnell die elektronischen Tanzflächen in Bewegung versetzen würde.

Ich finde dieser Veröffentlichung extrem erfrischend, weil sie offenhörlich ohne Zwänge entstanden ist und trotzdem - oder gerade deswegen - tolle elektronische Musik liefert. Wird sicherlich mal ein gesuchtes Sammlerstück aufgrund der Mini-Auflage, dürfte nur schwer irgendwo aufzutreiben sein, da sich wohl keiner der 50 Erstkäufer so einfach davon trennen wird. (A.P.)



[ ZURUECK ]