ADAM USI - Faces


Erstveröffentlichung: MC 2017 / Young & Cold Records / YUR/AU04

ADAM USI aus der Nähe von Fürstenfeldbruck zwischen Augsburg und München hat sich in kurzer Zeit mit einigen schönen Veröffentlichungen und gezielten Auftritten einen guten Namen unter Fans von minimalistischem New Wave gemacht. Die Wurzeln liegen natürlich tief in den 80ern, die der Musiker gar nicht selbst erlebt hat. Trotzdem ist der Sound annähernd identisch mit dem aus dem goldenen Jahrzehnt des New Wave, was vermutlich daran liegt, dass hauptsächlich originales Equipment aus der Zeit verwendet wird.

Das neue Tape „Faces“ ist ein erster Appetithappen auf das zweite, für 2018 geplante, Album und soll die Wartezeit für die gerade erst gewonnenen Fans überbrücken. Natürlich war kein grundsätzlicher Stilwechsel zu erwarten, aber trotzdem gibt es eine gewisse Weiterentwicklung zu hören. Die beiden Songs sind schön aufeinander abgestimmt, was der Cassette einen leichten Konzept-Charakter verleiht, auch, weil, ähnlich wie schon bei „Reumah“ mit der „Todesfuge“ wieder Textfragmente rezitiert werden, diesmal gleich bei beiden Tracks. Alles wirkt etwas weniger leicht, sondern dunkler - verzweifelter? - und komplexer. Flächige Keyboard-Sounds, reduzierte Rhythmen und der eigenwillig-eingängige Gesang von ADAM USI schaffen Atmosphäre. „Faces“ klingt fast so, als würde Marc Almond einen Twice A Man-Song singen, eingängig aber doch voller Dramatik.

Die B-Seite „Efterkaere*Efterleve“ kommt noch ein bisschen dunkler daher und erinnert entfernt an die Musik von Mark Lane, auch hier wird es dramatisch. Auch Gedanken an die frühen Werke von Silke Bischoff kommen auf - ich schreibe dies noch unter dem Eindruck des Todes von Felix Flaucher vor einigen Tagen, was die stilistische Ähnlichkeit für einen zusätzlichen Kloß im Hals sorgen lässt.

Die Cassette ist im gleichen Stil gestaltet wie „Reumah“ im vorigen Jahr, was dem ganzen Kontinuität verleiht und wiederum auf 66 Exemplare limitiert. Zusätzlich liegt ein individuelles „Instax Mini“-Sofortbild bei und natürlich ein Downloadcode für die digitale Version.

Ich mag die Idee, ein neues Album mit einheitlich gestalteten Tape-Singles vorzubereiten - eine weitere Parallele zum ersten Silke Bischoff-Album - und hoffe, das dieser Weg beibehalten wird. Denn mal ganz offen gesagt: ADAM USI macht keine Musik für CD-Veröffentlichungen. Sicher kann man später mal die dann vergriffenen Tapes als CD wiederveröffentlichen, bis dahin sollte aber der jetzt eingeschlagene Weg beibehalten werden, finde ich. Zugreifen, da schöne Wave-Musik und ein zukünftiges Sammlerstück. (A.P.)



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