ELEGANT DIVIDE - Life On TV


Erstveröffentlichung: LP 2017 / Nadanna / NADA 4

Mit dem Label Nadanna haben sich Marc von Anna Logue Records und Nader von Electro Aggresion Records den Wunsch erfüllt, aktuelle Gruppen zu veröffentlichen, die sich zeitgemäß dem Electro-Pop mit Italo Disco-Anklängen widmen. Da dieses Genre zwar immer noch beliebt ist, aber dennoch nicht unbedingt gigantische Verkaufszahlen verspricht, ist es sicher sinnvoll, sich das Risiko zu teilen, neue Bands zu veröffentlichen. Da die Zahl passender Bands auch überschaubar ist, haut man eher wenige, aber dafür liebevoll aufbereitete Veröffentlichungen raus und hat damit ein gutes Konzept gefunden, denn bisher hat keine Nadanna-Veröffentlichung enttäuscht.

Für ELEGANT DIVIDE ist „Life On TV“ die erste Veröffentlichung und doch ist zumindest der männliche Teil des Duos aus England Peter Oldroyd kein unbekannter, hat er doch bereits in den 80er Jahren mit seiner Band Camera Obscura (eine von mehreren dieses Namens) elektronischen Pop gemacht, was Anna Logue Records mit mehreren der frühen Labelveröffentlichungen gut dokumentiert hat. Nun hat sich Peter Oldroyd mit der klassisch ausgebildeten Sängerin Samantha Gare zusammengetan und die 80er Jahre wieder aufleben lassen.

„Life On TV“ ist überwiegend mit klassischen, analogem Equipment entstanden, liefert aber dennoch einen fetten, modernen Sound ab. Dabei werden Anklänge an zahlreiche Stars der damaligen Musikwelt offenbar, von Trans X über Italo Disco-Stars wie Max Him oder P. Lion bis hin zu - ach, es sind zu viele, die einem in den Sinn kommen. Vielleicht irgendwo zwischen Bobby O.-, Stock/Aitken/Waterman- und Girogio Moroder-Produktion, zumindest was Eingängigkeit und Sound angeht.

Der Opener „Paranoia“ klingt, als würde Martika („Toy Soldier“) oder Meri D. Marshall („We Stand Alone“) bei einem gemeinsamen Projekt von Gary Numan und Ultravox singen. Gleich ein Hit zu Beginn, so muss es sein. „Excess“ bewegt sich irgendwo zwischen Laserdance und Hypnosis, wiederum mit dem prägnanten Gesang von Samantha Gare. Diese Art von Gesang gab es in den 80ern häufig, heute ist der Stil aber eher selten zu hören und so kommt ein schönes Nostalgiegefühl auf.

Der Titeltrack „Life On TV“ ist etwas dunkler mit leichten Soundtrack-Momenten und seltsamerweise könnte ich mir gut vorstellen, dass Marc Almond ihn auch interpretieren könnte. Ein Duett mit ihm wäre bestimmt klasse...vielleicht einfach mal unverbindlich anfragen? Könnte ein Hit werden. „Ceremony“ danach kommt fast schon ein bisschen seicht daher, was aber vielleicht auch einfach an den drei starken Openern liegt. „Butterfly“ ist leicht waviger Pop mit ein paar Italo Disco-Sounds. Ganz klassisch ist das Ausblenden des Stücks am Ende, so was gibt es heute kaum noch.

„Fantasy“ hat ein paar moderner klingende und leicht experimentelle Sounds, während der Gesang ein bisschen an einen Rocksong denken lässt. Klingt eher nach amerikanischen 80s und früher MTV-Zeit, als nach Europa.. In die selbe Kerbe schlägt „Famous“, so dass der Start der B-Seite etwas durchwachsen ausfällt, beziehungsweise einfach nicht so sehr zündet, wie der beginn der A-Seite.

An den Hi-NRG-Disco-Sound von damaligen Stars wie Hazell Dean schließt „Always A Price To Pay“ an. Wäre damals vermutlich ein Clubhit geworden. Heutzutage ist der Rhythmus dafür nicht „stumpf“ genug. Musikalische Abwechslung bringt „Happiness“, gleichzeitig wahrscheinlich auch der Song, der heutigen Charthits am nächsten kommt und das poppigste Stück auf dem Album. Für meinen Geschmack allerdings auch der uninteressanteste Track.

Versöhnlich endet das Album dann aber wieder mit „Mirror“, einem Song, der sich auch gut im Soundtrack eines der zahlreichen John Hughes-Filme der Mitt-80er wie „Ferris Macht Blau“ oder „L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn“ gemacht hätte. Tanzbar und melodiös und, würde ELEGANT DIVIDE live auftreten, sicher ein Abräumer bei Konzerten.

Zur Rezension lag leider noch nicht die Vinyl-Veröffentlichung vor, sondern vorab ein digitaler Download, zum Artwork kann ich also noch nicht viel sagen. Sicher kann man aber davon ausgehen, dass wie gewohnt viel Augenmerk auf ein wertiges Äußeres gelegt wurde. Schlicht-schönes Coverdesign, Innencover und Textbeilage, das Ganze limitiert auf gut 300 Exemplare. Würde man nicht wissen, dass ELEGANT DIVIDE ein aktuelles Projekt ist, würde man die Platte für ein bisher unentdecktes Werk aus den 80ern halten. Sehr schöne Mischung aus 80er Jahre (Synth-) Pop und Italo Disco. (A.P.)



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