TRäNEN DER SEHNSUCHT - The Black Tapes


Erstveröffentlichung: MC 2017 / Young & Cold Records / YCR/TDS01

TRÄNEN DER SEHNSUCHT ist ein Bandname, der direkt aus dem deutschen Dark Wave der 90er Jahre stammen könnte, als Bands und Projekte wie Illuminate, Relatives Menschsein, Misanthrope, Goethes Erben und zahlreiche andere versuchten, düstere, gerne auch mal neoklassische Klänge, mit tiefsinnigen Texten zu verbinden. Einige dabei entstandene Sachen waren tatsächlich interessant, vieles war aber nur unfreiwillig komisch. Wenn aber ein Tape bei dem Label Young & Cold Records erscheint, sollte man, auch wenn man Vorurteile hat, zumindest mal reinhören, denn bisher hat keine Veröffentlichung des Labels enttäuscht und jede hatte ihre interessanten Momente. Und wenn es dann auch noch ein Projekt von Daniel Hallhuber (Der Lustige Kerl, Nacht Analyse und und und) zusammen mit Simon Selfdestruction (dessen zahlreiche Projekte ich bisher noch nicht kenne) ist, wächst die Spannung.

Statt pseudogruftigem Weltschmerz gibt es aber ganz andere Musik zu hören. Die Wurzeln liegen im Industrial und werden in der Selbstbeschreibung als Ritualmusik bezeichnet. Bei dem Begriff fallen mir sofort Sachen wie „How To Destroy Angels“ von Coil oder „Rituale Romanum“ von Cultes Des Goules ein oder manche Sachen wie „Lashtal“ von Current 93, bevor diese die Akustikgitarre entdeckt haben. Ganz so morbid-düster geht es hier aber nicht zu, vielmehr bekommt man auf der A-Seite monotonen, rhythmischen Industrial zu hören, der durchaus auch bei entsprechenden Partys für Bewegung auf der Tanzfläche sorgen könnte. Ein gewisser Maschinenhallen-Sound, verzerrte Stimmen - die wie ein zusätzliches Instrument wirken - und eine düstere Stimmung bauen eine Spannung auf, die hier und da an Psychic TV Mitte der 80er Jahre (vor ihren Pop- und Acid-Stücken) erinnert. Die B-Seite ist eher eine wummernde Klangcollage aus eine tiefgelegenen Tropfsteinhöhle und baut sich ähnlich auf wie Stücke von Einstürzende Neubauten wie „Merle“ oder „Wasserturm“ oder erinnert auch an Nurse With Wound. Es werden aber auch konventionelle Instrumente wie eine Gitarre eingesetzt.

Auf Labels wie Cold Meat Industry, Reue um Reue oder Ant Zen könnte man sich das auch gut vorstellen. Es würde mich nicht wundern, wenn Whitehouse hier eine der Inspirationsquellen waren.Das Artwork setzt den Sound konsequent minimalistisch mit magischer Symbolik fort, so dass der Eindruck eines konzeptionellen Ansatzes entsteht. Das Cover und die Cassette sind ganz in Schwarz gehalten und stecken zusätzlich noch in einer mit Siegelwachs verschlossenen schwarzen Stoffhülle.

Wer den rituellen Soundtrack für irgendwelche schwarzmagischen Beschwörungen im Stile von Radio Werewolf erwartet, könnte enttäuscht sein, wer aber dunkel-monotonen Fabrik-Maschinen Sound mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. Es würde mich nicht wunderns, wenn die 30 Minuten Musik aus weitgehend improvisierten Sessions extrahiert wurden. Der auf 50 Exemplare limitierten Tape-Auflage liegt ein Downloadcode bei. Also: bitte nicht vom meiner Meinung nach unpassenden Bandnamen abschrecken lassen, denn hier wird fast lupenreiner Death Industrial geboten. (A.P.)



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