VERSENGOLD - Funkenflug


Erstveröffentlichung: CD 2017 / RCA Deutschland / Sony Music

Versengold – Funkenflug
(VÖ: 04.08.2017 durch RCA Deutschland/ Sony Music)

Mit ihrem unverwechselbaren, temperamentvollen und treibendem Folksound sind die sieben Bremer aus der deutschen Musiklandschaft nicht mehr wegzudenken und haben mit dem neuesten Album „Funkenflug“ ein fantastisches Album veröffentlicht. Das Album ist in die aktuellen deutschen Mediacontrol Charts auf Platz 2 eingestiegen.

Seit die 7-Köpfige Band Versengold 2015 der Einstieg auf Platz 22 der deutschen Albumcharts gelang, hat sich richtig viel getan. Sie gelten zu Recht als einer der heißesten Geheimtipps der deutschen Musikszene. Handgemacht, ehrlich und virtuos an Gitarre, Violine, Nyckelharpa, Bouzouki, Bass & Drums bringen Versengold ihr Publikum zum Singen und Tanzen.
Mit „Funkenflug“ zeigt die Band unverkennbar den Anspruch, sich fest im deutschsprachigen Musikgeschehen zu etablieren. In den Principal Studios wurde in Zusammenarbeit mit Produzent Jörg Umbreit der bewährt erdige, akustische Folksound und die feinsinnigen Texte ergänzt durch hymnische Chöre, treibende Rhythmen und eingängige Refrains. Die erste Single „Haut mir kein Stein“ stimmt erstmals etwas ruhigere Töne an und die sanften Akkorde der ersten Takte lassen bereits erahnen, dass es hier etwas nachdenklicher zugeht. Textdichter Malte Hoyer nimmt sich den Raum für eine persönliche Botschaft an seine Freunde und Fans, in der er seine ganz eigene Vorstellung von Abschied und Trauer nach dem Tod zur Sprache bringt.
Durch das traumatische Erlebnis eines schweren Autounfalls im Jahr 2014 gewinnen die Themen Tod und Vergänglichkeit an Bedeutung, was sich in den aktuellen Songs widerspiegelt.
Der Song „Haut mit kein Stein“ bleibt dennoch ein positives Stück, denn es geht um die Schönheit und einfachen Vorzüge des Lebens: „Also lebt die Zeit die ihr noch habt, ich gönne sie euch allen. Wischt die Tränen weg, und tut mir den Gefallen“. Der zunehmend treibende Rhythmus und die Harmonie in Dur unterstreichen den positiven Gedanken des Textes und steigern sich in ein hymnenartiges Finale.

Experimentierfreude und kreative Offenheit sind die treibenden Faktoren dieses vielschichtigen Albums, das von der nachdenklichen Ballade bis zum Partykracher beim Hörer keine Wünsche offenlässt. Den Opener bildet „Niemals sang- und klanglos“, ein sprichwörtlicher Paukenschlag. Harte, energiegeladene Akustikgitarren geben den Kurs des Songs vor. Das Spiel der sieben Musiker verschmilzt zu einer druckvollen Einheit. Textlich lohnt es sich genauer hinzuhören, denn was wie eine fröhliche Seemannsgeschichte wirkt, stellt sich schnell als Metapher für das musikalische Wirken der Band heraus. Direkt im Anschluss wird mit dem Titelsong des Albums ein erster Kontrast gesetzt: „Funkenflug“ punktet mit Eingängigkeit und positiver Grundstimmung. Der Funke als klassisches Bild für eine Idee, die unter den richtigen Umständen ein großes Feuer entfachen kann. Mit dem gälischen Titel „Samhain“ widmet sich die Band der keltischen Folktradition. An Samhain öffnen sich die Tore zum Jenseits, weshalb sich das Stück düster präsentiert und durch den Einsatz eines Chores für eine beklemmende Stimmung sorgt.
Im Anschluss dann der Titel „Hau mir kein Stein“ über den ich ja bereits gesprochen habe. Diese nachdenkliche Stimmung wird mit „Feuergeist“ aufgenommen und zunächst durch ein ausgedehntes Intro von Gitarrist Daniel Gregory und den Gesang von Malte Hoyer im Duett aufgegriffen. Textlich wird dem Hörer schnell klar, dass die Bedeutung des besungenen Feuergeistes sich nicht nur durch wörtliche Auslegung erfassen lässt. Der Anspruch, Folkmusik als popkulturelles Genre in Deutschland wieder ins Gespräch zu bringen, ermöglicht auch den Einsatz von reinen Instrumentalstücken, die im traditionellen Folk hauptsächlich als Tanzmusik auf gesellschaftlichen Festen Verwendung fanden. Im irisch-keltischen Kulturraum sind „Jigs“ und „Reels“ die populärsten Vertreter. So präsentiert sich „Biikebrennen“, der erste von zwei rein instrumentalen Titeln des Albums, in der Form eines klassischen Reels.
Im siebten Titel „Nebelfee“ dreht sich Alles um die Eigenheiten der Nordseeküste. Die „Nordlichter“ von Versengold bekennen sich auf liebevolle Weise ganz ohne Pathos zu ihrer Herkunft. Eine Liebesballade ist „Nebelfee“ an eine bisweilen recht stürmische Region.
Mit dem Titel „Solange jemand Geige spielt“ offenbart sich eine weitere Liebeserklärung, nämlich die an eine offene und tolerante Gesellschaft. Der Titel spricht alle an, die sich bspw. Aufgrund von Hautfarbe, Religion, körperlichen oder geistigen Handicaps, Geschlecht oder sexueller Orientierung gesellschaftlich benachteiligt und alleingelassen fühlen. Es ist dabei aber nicht bloß die Zustandsbeschreibung eines Menschen, der sich durch Musik und Tanz befreit- sondern durchaus auf die Band selbst bezogen- solange Versengold spielen, sollen Ausgrenzung und Intoleranz keinen Platz haben. Erheblich kraftvoller geht es im neunten Titel zu, der bereits im Instrumentalintro deutlich macht, um welche Insel es in „Verliebt in eine Insel“ geht. Rhythmus, Arrangement und Instrumentierung zeigen deutliche Anleihen aus dem Folk-Punk, während textlich beim Aufzählen der verschiedenen Irland-Klischees ein dezentes Augenzwinkern zu bemerken ist. Die Liebeserklärung der Musiker hat eine humorvolle und durchaus kritische Auseinandersetzung offenbart mit der Wahrnehmung eines Landes, das international vor allem mit fiedelnden Pubgängern und Saufgelagen in Verbindung gebracht wird. Direkt im Anschluss erklingt mit „O Rileys Lichterfest“ das zweite rein instrumentale Musikstück des Albums. Das irische Flair des vorangegangenen Titels wird unmittelbar aufgegriffen und durch eine sprunghaft-heitere, virtuos vorgetragene Geigenmelodie aus der Feder von Geiger Florian Janoske wiedergegeben. Die stehende Akkorde der Begleitinstrumente zu Beginn vermitteln die fröhliche Spannung, kurz bevor man zu einer großen Feier zusammenkommt. Ganz besonders stark kommt die klangliche Vielfalt und Experimentierfreude von Versengold im Titel „Herz durch die Wand“ zum Ausdruck, dessen zentrale Melodie vom Hackbrett, der schwedischen Nyckelharpa und den von Tristan Pargmans gespielten Uilleann Pipes wiedergegeben wird. Textlich ist der Titel die Momentaufnahme des Innenlebens eines Menschen, dem große Veränderungen im eigenen Leben bevorstehen.
Die zweite Ballade „Schnee fällt“ des Albums ist ein feinfühliges Portrait eines einsamen Menschen, der an seine Vergangenheit zurückdenkt. Der Song „Schnee fällt“ greift das Thema Überalterung und damit auch Einsamkeit im Alter auf und erinnert an die Menschen, welche ihr Leben im Alter allein verbringen müssen.
Mit dem vorletzten Titel „Das wär ein Traum“ erklingt ein Song, der mit seinem an Blues anmutenden Geigenthema und der speziellen Message des Textes erneut das große künstlerische Spektrum von Versengold unter Beweis stellt. Besonders interessant ist der Einsatz der Bodhran, einer irischen Rahmentrommel. Abseits ihrer gewohnten Einsatzgebiete als Begleitinstrument sticht sie hier im Duo mit der Geige hervor. Sänger Malte Hoyer nutzt dieses akustische Setting für eine bissige Gesellschaftskritik und prangert egoistisches Handeln an. Durch kurzfristiges, profit- oder machtgetriebenes Denken wird der Blick aufs Ganze verloren.
Das Album schließt mit dem launigen Stück „ In aller Ohr“, das auf feucht-fröhliche Art und Weise den Abschied zelebriert, die Freundschaft besingt und sich dabei nicht allzu ernst nimmt. Der Song geht dabei auf einen besonderen Hintergrund zurück: um sich ganz auf das Songwriting für das neue Album zu konzentrieren, fand sich die Band im Juni 2016 in einem gemieteten Haus in Portugal nahe Lissabon für ein Bandcamp zusammen. Viele Titel des vorliegenden Albums sind das Ergebnis dieses Treffens – jedoch spiegelt ganz besonders „In aller Ohr“ die ausgelassene und unbeschwerte Stimmung wieder, die dort geherrscht hat. Es handelt sich bei dem Abschlusstitel also nicht bloß um ein einfaches Trinklied, sondern um eine kleine Hymne an die Freundschaft, die die Band sowohl untereinander, als auch mit ihren Fans verbindet.

Diese können sich in Bälde auch darauf freuen, denn Versengold kommen auf „Funkenflug“ Tour.
Start ist am 06.10.2017 in Köln in der Essigfabrik, geht über Stuttgart, Erfurt, Hannover, Oldenburg, Hamburg, Wien, München, Aschaffenburg, Pratteln, Osnabrück, Berlin, Dresden, Nürnberg und endet am 18.11. in Karlsruhe. Schnell Tickets sichern, bei dem Albumerfolg dürften die Karten schnell vergriffen sein! (Maximilian Nitzschke)



[ ZURUECK ]