KLEZ.E - Desintegration


Erstveröffentlichung: LP 2017 / Staatsakt / Universal / 4260437152024 AKT 787

Die Berliner Band KLEZ.E - keine Ahnung, warum es zu dieser Schreibweise kam und wie das korrekt ausgesprochen wird - gibt es bereits seit Anfang des Jahrtausend, bis vor kurzem ist die Gruppe aber komplett an mir vorbeigegangen. Bis ich hier und da gelesen habe, dass ihr Anfang 2017 veröffentlichtes Album „Desintegration“ nicht nur vom Titel her sehr an eines der Meisterwerke von The Cure erinnert, sondern auch musikalisch deutlich daran angelehnt ist. Gruppen, die wie The Cure klingen, gab es in den letzten 30 Jahren zahlreiche, warum also nun KLEZ.E mehr Aufmerksamkeit widmen, als anderen Epigonen? Ganz einfach, weil dies ein ganz offensichtliches und gewolltes Tribut an das 1989er Album „Disintegration“ der Engländer ist und die Berliner gar nicht versuchen, diese Verbindung kleinzureden. Was ihr Album aber besonders macht ist, dass durchgehend deutschsprachige Texte verwendet werden, die zwar keine Übersetzungen von Robert Smiths Worten sind, aber doch irgendwie so erscheinen, fast schon lyrisch in Verbindung mit dem melancholischen Post Punk-Sound.

Wie es sich für das Konzept von „Desintegration“ gehört, ist die Weltsicht in den Texten tiefschwarz und hoffnungslos, hin und wieder zeitkritisch. Die ganze Atmosphäre ist kühl und in Moll gehalten und man kommt kaum umhin, zu sagen, dass dies im Grunde das The Cure-Album ist, auf das die Fans seit „Disintegration“ von Robert Smith erwarten. KLEZ.E hatten offenbar das Warten satt und haben es einfach selbst aufgenommen und damit einigen Erfolg gehabt. Auch live hat das Trio das Konzept sehr überzeugend auf die Bühne gebracht, nachzuhören auf dem Live-Doppelalbum „November“.

Man muss aber trotzdem klarstellen, dass „Desintegration“ nicht das große Vorbild erreicht. Zum einen, weil es hier und da doch etwas mehr nach The Essence klingt, die ja seit 35 Jahren erfolgreich auf den Spuren von The Cure wandeln und dabei ihren ganz eigenen Zauber geschaffen haben, und zum anderen, weil das Bass-Spiel von Simon Gallup eben doch noch eine Spur prägnanter ist. Und natürlich erreicht Sänger Tobias Siebert nicht die ganz eigene Welt von Robert Smith und klingt hier und da doch etwas zu weinerlich. Robert Smith kann man eben nicht einfach kopieren und das weiß auch Siebert. So lehnt er sich zwar an Smiths Stil an, bringt aber doch genug Eigenheit hinein, dass es nicht peinlich wird.

Trotz aller offensichtlichen Verbindungen zu The Cure habe ich eigentlich nirgendwo gelesen oder gehört, dass jemand die Platte peinlich finden würde. Das mag daran liegen, dass KLEZ.E hier nicht versuchen, etwas schon dagewesenes als eigenständig zu verkaufen, sondern „Desintegration“ als respektvolle Hommage an The Cure verstehen. Und da kann man ihnen nun wirklich nicht böse sein, sondern muss anerkennen, dass es ihnen gut gelungen ist. Man muss diese Platte einfach mögen auch - und gerade - als The Cure-Fan. (A.P.)



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