TECHNIQUES BERLIN - Breathing


Erstveröffentlichung: Doppel-LP 2018 / Nadanna / NADA 6

Endlich geht es auf dem Nadanna-Label - eine Zusammenarbeit von Anna Logue Records und Electro Aggression Records - mit einer neuen Veröffentlichung weiter, und zwar mit der lange angekündigten Doppel-LP von TECHNIQUES BERLIN.

TECHNIQUES BERLIN ist ein kanadisches Electro-Duo - inzwischen Trio -, das schon Mitte der 80er Jahre gegründet wurde, es damals aber nur auf Tapeveröffentlichungen und einige Auftritte gebracht hat. Später wurden einige Aufnahmen noch auf CD-R wiederveröffentlicht. Irgendwann orientierten die Musiker sich zu härteren Klängen hin und hatten mehr Erfolg mit Bang Electronica (erinnert sich noch jemand an das grandiose Stück „Aktivierung!“?) und Digital Poodle. Erst 2012 brachte das griechische Fabrika Records-Label eine Best Of-LP von TECHNIQUES BERLIN heraus, die inzwischen schwer gesucht ist und die Musiker wohl animierte, die Band wieder aufleben zu lassen.

Nun liegt ein komplett neues Album vor, genaugenommen gleich eine Doppel-LP, die jeden Liebhaber von Electro Wave im Stile der 80er Jahre mehr als begeistern dürfte. War man bisher auf Nadanna Klänge gewohnt, die sich am Italo Disco-Sound orientierten, so wird es diesmal eher synthpoppig, doch die Grenzen sind da ja durchaus fließend.

Kanada war in den 80ern was elektronische Musik angeht eher ein wenig unterschätzt, hat aber doch jede Menge gute und erfolgreiche Bands hervorgebracht. Auf der härteren Seite Skinny Puppy, frühe Psyche und Front Line Assembly (und zahllose Nebenprojekte), im kommerziellen Bereich Men Without Hats, Images In Vogue und Trans X und im wavigen Sektor Rational Youth oder The Spoons. TECHNIQUES BERLIN haben sich genau in diesem Umfeld bewegt, wobei der wavige Einfluss im Vordergrund stand. Daran hat sich auf dem neuen Album wenig geändert.

Zu hören gibt es auf vier Schallplatten-Seiten schön eingängigen Electro Wave, mal nahe am Synth Pop, mal durchaus chartstauglich-tanzbar und hin und wieder auch mal minimalistisch. Unter Minimal-Fans dürfte dann auch besonders „Cold War“ für Freude sorgen, nicht zufällig mit Rational Youths Tracy Howe als Gast. „Sudden Guilt“ hingegen ist ein Song, der zumindest gesanglich ein bisschen die Schwere mancher Depeche Mode-Songs widerspiegelt, zumindest würde man so was von den Engländern gerne mal wieder hören. Irgendwo zwischen Psyche und Trans X lässt sich „Deep End“ einsortieren, das auf den Tanzflächen der schwarzen Clubs für Bewegung sorgen könnte. Direkt aus den frühen 80ern könnte „Driving Force“ mit seinen verspielten Electro-Klängen stammen und „Watching You“ hätte so auch auf dem ersten Depeche Mode-Album sein können. „Serendipity“ hingegen hätte um 1982 herum durchaus ein Charthit werden können.

Man merkt schon, wenn man hier innovativen Electro-Sound erwartet, ist man an der falschen Adresse. Alles klingt wohlig vertraut, ständig denkt man, dass man das schon mal irgendwo gehört hat, ohne darauf zu kommen wo, weil es eben doch Lieder von TECHNIQUES BERLIN sind. Man sollte schon ein Faible für diesen Stil haben, sonst könnte einem das Doppelalbum vielleicht ein bisschen lang vorkommen. Wenn man allerdings mit dem Synth Pop/Electro Wave der 80er aufgewachsen ist, wird man sich fragen, warum man diese Platten damals nicht entdeckt hat - weil sie von heute sind, obwohl das hin und wieder schwer zu glauben ist.

Die Doppel-LP kommt in einem edlen Klappcover mit UV-Lack-Druck und bedruckten Innenhüllen. Das Ganze ist auf 361 Exemplare limitiert. Wie gewohnt also eine schicke Aufmachung und gleich mal zu Jahresbeginn eine echte Knaller-Veröffentlichung. (A.P.)



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