RUE OBERKAMPF - Waveclash

Wiederveröffentlichung: Mini-CD 2018 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB028
Erstveröffentlichung: Mini-LP 2018 / No Emb Blanc / Genetic Music / NEB028

RUE OBERKAMPF haben nichts mit der fast gleichnamigen französischen, Post Punk Band Oberkampf aus der ersten Hälfte der 80er Jahre zu tun, die nebenbei bemerkt auch absolut hörenswert ist. Ob die Namensgebung von dem süddeutschen Trio RUE OBERKAMPF Zufall oder eine Art Tribut ist, weiß ich nicht, es ist aber letztlich auch egal. Musikalisch geht es aber weitaus elektronischer bei RUE OBERKAMPF zu. Warum sich gleich mehrere Bands nach einem deutschen Industriellen aus dem 18. Jahrhundert benennen (beziehungsweise hier nach einer nach ihm benamten Pariser Straße), entzieht sich meiner Kenntnis, vielleicht ist es einfach der ungewöhnliche Klang des Namens.

RUE OBERKAMPF legen mit „Waveclash“ nach drei selbst verbreiteten digitalen Singles ihren ersten „richtigen“ Tonträger bei No EmbBlanc/Genetic Music vor und wie wie man es von dem Label gewohnt ist, wird ein spannendes elektronisches Werk abgeliefert. Die Gruppe sieht sich selbst durch französischen Cold Wave und tanzbaren Electro-Sound der 80er inspiriert und passt damit ziemlich perfekt auf das Label No Emb Blanc. Das hat durchaus was von der guten alten Cold Wave-Atmosphäre, orientiert sich sonst aber eher an den Tanzflächen der Clubs, irgendwo zwischen Minimal Electro, Synth Pop, New Romantic und gemäßigtem EBM.

Auf der MiniCD/12“ sind auch Neuaufnahmen der drei vorher bereits online veröffentlichten Stücke, dazu drei neue Stücke, die den bisherigen Stil ohne Bruch fortführen. Da ist der Titel „Waveclash“ doch perfekt gewählt, denn tatsächlich könnte man den Stil als Mischung aus New Wave und Electroclash (ja ja, auch so ein neuer Name für Musik, die es eigentlich schon vorher gab) beschreiben, oder halt einfach Electro Wave im Stile der 80er mit der Produktionsqualität der heutigen Zeit. „Congélation“ ist ein ponzieller Tanzflächenfüller, der, wäre er in den 80ern erschienen, heute eine megagesuchte und teure Rarität wäre. In die gleiche Richtung geht „Agitation“. „Le Soir Bleu“ und „Sourires“ sind im Gegensatz dazu eher atmosphärisch. Für „Le Train“ hat RUE OBERKAMPF sich am Stück „Melting Away“ von Absolute Body Control orientiert, da ist es doch passend, dass Eric Van Wonterghem die Aufnahmen gemastert hat.

Der weibliche Gesang auf Französisch gibt dem Sound, der natürlich im Grunde nicht neu ist, etwas sehr eigenes und man könnte, wenn man krampfhaft vergleichen will, RUE OBERKAMPF vielleicht irgendwo zwischen der frühen Mylene Farmer, Invisible Limits und der 80er Jahre Band Ruth aus Frankreich einsortieren. Entfernt erinnert es auch an die eingängigeren, tanzbaren Tracks von Kirlian Camera. Textliche Inspiration liefern unter anderem einige französische Autoren aus der Zeit um die vorletzte Jahrhundertwende wie Jules Verne.

Das schlicht-schön gestaltete Artwork rundet diese Veröffentlichung gelungen ab, wobei es bei der Vinyl-Ausgabe im großen Format (dort auch mit Text-Beiblatt) natürlich noch besser wirkt, als bei der DigiPak-CD. Wäre interessant, wie die Liveumsetzung funktioniert, in den Clubs dürften DJs, die nicht nur den alten Kram abspulen, hier schnell ein paar neue Hits zur Verfügung haben. (A.P.)



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