BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL - Tarnished


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Projekt Records

It has been some time since the last album of BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL and so it is great, that a MCD breaks the silence until a new album will be out later in 2004. Do I have to mention, that I really, really love this band for many years? They are one of the most outstanding Dark Wave/Heavenly Voices acts from the US of A ever and this actual MCD is something very special.

Beside the usual, beautiful artwork, it is a wonderful surprise, that this release is mostly a collaboration of BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL and the great band Audra. Audra´s singer Bret Helm sings on two tracks of the CD and his brother Bart plays the guitar in one song.

The title track „Tarnished (Single Mix)“ is suprisingly really dark and close to Gothic (-Rock). It is nice, to see (better: hear), that BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL don´t deny their roots, even, if they changed their style through the years. „Tarnished“ is a great song, which surely will also be a great one live on stage.

„Remnants Of A Deeper Purity (2004)“ is a re-recording by the Helm´s of this song from the 1996 album of the same name with Bret´s vocals again. It is mostly an acoustic version of the track and gets a darker atmosphere again, because of the singing. Great to hear, how a song can develop from some kind of a (Neo-) Folk-Song to an acoustic Wave-Ballad.

Finally you find „Damn Swan!“ on this short CD, a more typical BLACK TAPE-Song with fairy-like female vocals .

„Tarnished“ really makes me curious, if the whole album will be „back to the roots“ or if it is an unususal song on the forthcoming album „Halo Star“. Until the release, „Tarnished“ is a „must have“ for both, BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL- and Audra-Fans. Real beauty in darkness! (A.P.)

DEAD LEAF ECHO - Beyond Desire


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Reptile Music/Moon Sounds / Altone Distribution

Es ist inzwischen schon fast eine Binsenwahrheit...Postpunk und Shoegaze sind wieder „in“. Es gibt in Deutschland, Europa und eigentlich weltweit jede Menge neue , junge Bands, deren Mitglieder in der Regel ihre musikalischen Vorbilder nur von Platten und CDs (oder mal mehr, mal weniger guten Reunion-Touren) kennen. Das ist aber natürlich nichts, was es zu kritisieren gäbe, so lange die Musik, die dabei herauskommt, gut ist. Zudem sind die jungen Leute heutzutage musikalisch meist viel weniger festgelegt, als wir alten Säcke es in den 80ern waren und so finden sich auch immer wieder ungewohnte Einflüsse und moderne Sounds in den Stücken wieder, was für eine lebendige Musikszene wichtig ist.

DEAD LEAF ECHO aus New York ist dabei aber keine ganz neue Band, sondern hat seit 2006 bereits mehrere Alben und zahlreiche Singles veröffentlicht, so dass man schon von einer soliden Erfahrung sprechen kann. Den ganz großen Szene-Durchbruch hat die Gruppe noch nicht geschafft, doch mit dem nunmehr dritten Album „Beyond. Desire“ sollte der Vierer einiges an Aufmerksamkeit erregen können, nicht nur, weil diese Art von Musik eben gerade wieder ziemlich angesagt ist, sondern auch, weil das Album richtig gut ist. Dabei verheimlicht die Gruppe gar nicht die Einflüsse, die bei den „großen“ Shoegaze-Bands einerseits (deren Namen mit“S“ und „M“ beginnen) liegen und andererseits ganz offen beim 4AD-Label der End-80er-/Anfang-90er-Jahre. Der Waschzettel nennt dann auch direkt die Cocteau Twins und Lush und liegt damit natürlich richtig. Wobei der Sound doch eher andie 90er Jahre-Bands wie eben Lush, Belly, Pale Saints, Breeders und so weiter angelehnt ist, also durchaus auch eine indiepoppige Note hat. Den Zauber der Cocteau Twins kann man auch schlicht und einfach nicht kopieren. Auch Fans von A R Kane oder des Projekt Records-Label der damaligen Zeit dürfen das eine oder andere Ohr riskieren. Dass man für das Cover dann auch noch den ehemaligen 23envelope-Mitarbeiters Tim O´Donnell engagiert und dieser den Stil der alten 4 AD-Zeit perfekt getroffen hat, steigert den Nostalgie-Faktor nur noch wohliger.

Schleppende Rhythmen, sich selbst im Delay überspielende Gitarrenwände, verhallter Gesang und Twin Peaks-artige Bassmotive sind so typisch für diese Art von Musik, dass man es eigentlich als bloße Kopie abtun müsste, doch DEAD LEAF ECHO fesseln mit ihrer Musik, gerade auch, weil sie authentisch klingen und nicht vorgeben, was anderes, als eine Shoegaze-Band im besten Sinne zu sein. Dass der Produzent Guy Fixsen in der Vergangenheit mit Größen wie Slowdive und My Bloody Valentine gearbeitet hat, muss man kaum besonders betonen.

„Beyond.Desire“ reiht sich ohne Makel in die Reihe so mancher Klassiker der frühen 90er Jahre ein. Dass die Band live wohl deutlich rauer rüberkommt - was grundsätzlich schon mal positiv ist - deutet der letzte Song „It´s Starting To Happen“ an, der entfernt an Esben And The Witch erinnert. Ich werde auf jeden Fall die nächste Gelegenheit nutzen, mit DEAD LEAF ECHO live anzusehen. (A.P.)

NUAGE & DAS BASSORCHESTER - Es Lohnt


Erstveröffentlichung: CD 2018 / This Charming Man Records / Cargo Records / TCM098

Ich muss zugeben, dass eine Band namens NUAGE & DAS BASSORCHESTERvermutlich komplett an mir vorbeigegangen wäre, wenn er mir nicht im Zusammenhang mit der wundervollen Bielefelder Gruppe ROSI über den Weg gelaufen wäre. Beide Bands haben 2018 zusammen ein Konzert gespielt und so blieb der Bandname dann doch hängen und als ich die Gelegenheit hatte, das neue, insgesamt zweite, Album „Es Lohnt“ zu bekommen, habe ich zugegriffen. Nun ist der Albumname „natürlich“ eine Steilvorlage für Musikkritiker, ihre Rezension damit abzuschließen...gutes Marketing. Im Waschzettel wird der Stil der Band einfach als Post-Punk beschrieben, was einerseits natürlich passend zum derartigen Revival/Trend passt, zum anderen aber auch korrekt ist. Tatsächlich wird hier aber nicht der von Bands wie Lebanon Hanover oder Ash Code praktizierte Sound gespielt, der eher an den Dark Wave der 90er Jahre erinnert, sondern eine deutlich rohere Form, die auch eine Menge Indie-Rock-Einflüsse verarbeitet. Hier ein bisschen frühe Abwärts oder Fehlfarben, dort Anklänge an neuere Bands wie 1000 Robota, Love A oder sogar entfernt Turbostaat. Das oft hektische Schlagzeug erinnert zudem an Größen von Wipers bis Bloc Party. Dazu deutsche Texte, die persönlich, aber unpeinlich sind. Klar, der raue Sound ist tief in den 80ern verwurzelt, die die Bandmitglieder des Trios aber kaum bewusst selbst miterlebt haben dürften. Trotzdem klingt das recht authentisch Das zeigt wieder einmal, wie groß der musikalische Einfluss dieses oft belächelten Jahrzehnts bis heute ist. Live dürfte die raue Energie der Songs noch einmal eine Steigerung erfahren. Mit unter 40 Minuten Spielzeit kommt „Es Lohnt“ in klassischer Album-Länge ziemlich auf den Punkt und enthält keinerlei unnötiges Füllmaterial, wie so viele andere Alben von Bands, die meinen „Masse“ bieten zu müssen. Kurz und prägnant ist immer noch am besten, dann lieber das Album gleich ein paar mal hintereinander hören. Ich hoffe sehr, NUAGE & DAS BASORCHESTER bald mal live auf der Bühne sehen zu können, dürfte sehr spannend und intensiv sein. (A.P.)

POEMS FOR JAMIRO - Human


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Edition Große Schwester-Bosworth Creative / Finetunes / Schwesterherz 04

Oft ist der Begriff „Pop“ heutzutage eher ein Schimpfwort, vor allem seit den 90er Jahren und der furchtbaren Casting-Welle seit den Nullerjahren. Gemeint ist dann meist der aus dem Musikbaukasten stammende Produzenten-Quark, der erst entsteht und dann der passende Interpret dazu gesucht wird, statt, wie es normal wäre, andersrum. Und natürlich gab es auch immer gute Popmusik, nur hat es diese viel zu oft nicht in die breitere Öffentlichkeit geschafft.

POEMS FOR JAMIRO ist ein norddeutsches Frauenduo, das als Singer-Songwriter-Projekt 2014 angefangen hat und nun das zweite Album „Human“ vorlegt. Was die beiden zu Musikerinnen macht (und nicht nur zu Interpretinnen), ist die Tatsache, dass sie ihre Instrumente beherrschen und die Songs selbst schreiben. Und vor allem, dass sie jede Möglichkeit nutzen, ihre Musik auf der Bühne zu präsentieren (zumindest, wenn ich dem Waschzettel glauben darf, wovon ich mal ausgehe). Herausgekommen ist mit „Human“ ein eingängiges, gefälliges - im positiven Sinne - Indie-Pop-Album mit weitgehend elektronischen Einflüssen. Hier und da werden moderne Studioeffekte benutzt, Stimmen verfremdet, zeitgemäße Rhythmen verwendet, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Meist ist es mittelschnell („We´ll Be Forgotten“ - Hit des Albums -, „Human“, „Disappear“), selten auch mal dunkel („If Past Is For The Hopeless“) oder tanzbar („Let The T-Rex Sleep“), gelegentlich aber auch ruhig-melancholisch („Soundless“, „Beyond“), bis hin zur großen Klavierballade („The Clown“). Produziert ist das alles zurückhaltend und unaufgeregt und ohne die heute sonst so typische aufdringliche Lautstärke von Chart-Stars wie Lady Gaga, Pink, Miley Cyrus und Konsortinnen. Würde man die Produzenten von Katy Perry - die ja durchaus singen kann und ein bisschen besonders ist - mal etwas bremsen und ein bisschen introvertiertere Songs für sie schreiben, könnte so etwas ähnliches wie POEMS FOR JAMIRO dabei herauskommen.

Tatsächlich liefern die beiden Damen nichts ab, was man nicht so oder ähnlich schon häufig gehört hätte. Sie machen das aber auf sympatische, angenehme und durchweg ohrwurmige Art und Weise, dass man „Human“ einfach mögen muss. Nur fürchte ich, dass für den großen Durchbruch eben das ganze übliche Brimborium fehlt. Hoffentlich lassen sich POEMS FOR JAMIRO nicht einreden, dass sie „daran unbedingt arbeiten müssen“, denn dann würde zumindest ich schnell das Interesse verlieren. Musik für Sonntagnachmittag im besten Sinne. Als Bonustrack gibt es noch die Coverversion eines Backstreet Boys-Songs. (A.P.)

SIMPLE MINDS - Walk Between Worlds


Erstveröffentlichung: CD 2018 / BMG / 4050538349672

Die Karriere der SIMPLE MINDS ist erstaunlich. Ende der 70er Jahre aus der Punkszene hervorgegangen (als Johnny And The Self Abusers), waren ihre ersten Alben noch sehr eindeutiger New Wave (mit Stücken wie „I Travel“, „The American“, „League Of Nations“...), teilweise richtig experimentell („Real To Real Cacophony“) oder synthpoppig („Life In A Day“), bevor sie mit „New Gold Dream“ ab 1982 den Wechsel in den Mainstream vollzogen und mit „Sparkle In The Rain“ und „Once Upon A Time“ zu einem Stadion-Rock-Phänomen wurden (perfekt dokumentiert auf „Live In The City Of Light“ und dem fast schon legendären Auftritt im Wembley Stadium im Juni 1988 zu Nelson Mandelas 70. Geburtstag). Mit „Street Fighting Years“ folgte 1989 wahrscheinlich der Höhepunkt des Ruhms, doch auch in den Jahren danach legte die Gruppe um Sänger Jim Kerr regelmäßig gute Alben vor, ohne je wirklich weg vom Fenster zu sein. Stadien füllen sie heute nicht mehr, aber größere Arenen bespielen sie immer noch mit Leichtigkeit. Ähnlich wie ihre ewigen Konkurrenten U2 - wobei die beiden Gruppen sich selbst wahrscheinlich gar nicht als Konkurrenten sehen - wurden auch immer gesellschaftliche Botschaften transportiert („Mandela Day“, „Belfast Child“), aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Mit „Don't You (Forget About Me)“ haben die SIMPLE MINDS zudem wohl einen der unsterblichen Rock-Klassiker geschaffen (der allerdings bei weitem nicht ihr bester Song ist). Kurz: SIMPLE MINDS waren und sind eine große Band, die dabei immer skandalfrei blieb und sympathisch rüberkommt. Mit Jim Kerr und Charlie Burchill sind zwar nur noch zwei Mitglieder aus der Ursprungsformation dabei und es gab im Laufe der letzten vierzig Jahre so manche Besetzungswechsel, doch der Sound der Band hat sich seit Mitte der 80er Jahre nicht prägnant verändert. Bei dem 2018er Album „Walk Between Worlds“ gibt es dementsprechend auch keine größeren Überraschungen, dafür aber genau das, was die langjährigen Fans erwarten und erhoffen. Lupenreinen, groß produzierten Rock, der schnell im Ohr bleibt und immer mal wieder zurück zu den eigenen Wurzeln geht. Überraschenderweise klingen Songs wie „Utopia“ und „In Dreams“ fast schon nach U2, was aber sicher eher Zufall ist und sicher in erster Linie an der sich im Alter doch leicht verändernden Stimme von Jim Kerr liegt. Die Hymnenhaftigkeit der Songs zeichnete schon immer beide Bands aus, wobei U2 immer die rockigere und experimentierfreudigere Band war, während SIMPLE MINDS eher auch mal soulige Elemente zuließen und -lassen. Herausstechen tut besonders „Barrowland Stars“, in dem die Band wohl ein bisschen ihre eigene Bandgeschichte Revue passieren lässt und das überraschenderweise stark nach David Bowie klingt. Das Lied hat alles, um ein Bandklassiker zu werden und dürfte auch live für eine Menge Emotionen sorgen.Allgemein sind die Texte selbstreflexiv ausgefallen, ein bisschen wie eine Mischung aus Abrechnung und Bestandsaufnahme. Nach Abschied klingt das trotzdem nicht, sollte es dennoch einer sein, so erscheint das Album würdig dafür. Der Titelsong „Walk Between Worlds“ führt zurück in die zweite Hälfte der 80er Jahre, als die Band ihre größten Erfolge feierte, rockig, aber unterlegt mit eingängigen monumentalen Streicherparts. Mir persönlich gefallen aber die eher wavigen, etwas reduzierten Stücke am Anfang des Albums wie „Summer“ und „The Signal And The Noise“ am besten, aber letztlich ist „Walk Between Worlds“ ein durchweg gutes SIMPLE MINDS-Album, mit dem man sicher in erster Linie die alten Fans anspricht. Für heutige Teenanger allerdings dürfte das alles nicht „laut“ und oberflächlich genug klingen, aber das ist wohl ganz normal. Auf jeden Fall gehören SIMPLE MINDS nicht zu den Bands, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern sie haben immer noch was zu sagen, das nennt man wohl „in Würde altern“. (A.P.)

SCHILLER - Morgenstund


Erstveröffentlichung: CD, LP, Digital 2019 / RCA Deutschland / Sony Music Germany

20 Jahre Schiller - Magische Momente mit neuem Album MORGENSTUND und Arena-Tour 2019

(VÖ: 22.03.2019 RCA Deutschland/Sony Music Germany)

Der Elektronik-Künstler Nr. 1 in Deutschland blickt blickt zurück auf epische Live- Konzerte, mehrfache Gold- und Platin-Awads sowie ganze fünf Nummer 1-Alben seit 2001. Bekannt für seinen preisgekrönten Surround-Sound sowie atemberaubenden Visuals ist er in 20 Jahren bahnbrechende Kollaborationen mit den verschiedensten Künstlern eingegangen: Von Mike Oldfield, Unheilig, Ben Becker, Thomas D. über Anna Maria Mühe, Xavier Naidoo, Lang Lang, Anna Netrebko bis hin zu Klaus Schulze, Sarah Brightman oder auch Sharon Stone. Sie alle hat er in seine elektronischen Klangwelten mitgenommen. "Schiller ist ein bisschen wie ein lebendiger Organismus und unterliegt einer permanenten Transformation (...) eine ewige Soundmetamorphose", erklärt Christopher von Deylen.

Dass Schillers Musik auch international Wellen schlägt, zeigt schon die Tatsache, dass er als erster westlicher Künstler überhaupt im Iran spielte, genauer gesagt in Teheran. "Zu spüren, dass Musik, die einem irgendwann passiert ist, den Weg von selbst in eine völlig andere Region der Welt findet, was man eigentlich gar nicht beabsichtigt hat, was aber wirklich nur aufgrund der Kraft der Musik geschieht – das ist eine Magie, die man gar nicht in Worte fassen kann", so von Deylen.

Der Einfluss dieser Erfahrung wird sich auch auf dem neuen Album wiederfinden. Darüber hinaus plant der Künstler 2019 ein weiteres Konzert in Teheran sowie eine Europa Tour von Budapest bis Moskau. Ganz getreu seinem Motto: Die Reise geht weiter.

Schiller hat kein Basislager. Keinen festen Wohnsitz. Früher war seine Wahlheimat Berlin: "Berlin wird immer Berlin bleiben. Mit allen Dingen, die dazu gehören. Und gleichzeitig ist Berlin immer neu und immer anders." über sein Leben aus dem Koffer und der Einstellung, dass Heimat immer da ist, wo er sich gerade aufhält sagt von Deylen: "Der Blick richtet sofort wieder nach vorne. Ich versuche immer wieder neue Aspekte des Lebens kennenzulernen und loszulassen."

"Morgenstund" erscheint am 22.03.19 und wird in folgenden Konfigurationen erhältlich sein: Als Ultra Deluxe Edition, Super Deluxe Edition, Doppel-Heavyweight-Vinyl und natürlich Digital. Das Album ist hier vorbestellbar: https://Schiller.lnk.to/Morgenstund (mni)

Webadresse der Band: https://Schiller.lnk.to/Morgenstund

ANDREA BOCELLI - Si


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Sugar / Decca

(VÖ: 26.Oktober 2018 Sugar/Decca)
Andrea Bocelli ist der gefragteste Sänger Italiens, hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten und mehr als 80 Millionen Alben verkauft. Kein anderer Tenor kommt an diese Zahlen ran und keiner versprüht für mich persönlich mehr Schmelz als Andrea Bocelli. Mit seinem Hit „Time to say Goodbye“ hat er sich 1996 direkt in die Herzen der Menschen gesungen und eine Erfolgsgeschichte hingelegt die es so kein weiteres Mal gibt. Er sang vor Päpsten, Präsidenten und zuletzt vor der englischen Queen auf deren 90. Geburtstag.

Sein neuester Paukenschlag heißt „Si“, sein 16. Studioalbum, für das er nach 14 Jahren erstmals wieder eigene Stücke geschrieben hat. Sie handeln von seiner Familie, von seiner Spiritualität, von seiner Liebe und von der Hoffnung.

Musikalisch beweist Andrea Bocelli in seinen Liedern mit Hilfe des legendären Produzenten Bob Ezrin, der schon Pink Floyd oder Lou Reed unterstützt hat, seine Passion für Crossover. Bei der Pianoballade “Ali Di Liberta” erschafft er mit seiner hinreißenden Stimme Wunder. Das epische “Amo Soltanto Te” realisierte er gemeinsam mit Ed Sheeran. Dieser steuert eine englische Passage bei, während Andrea Bocelli seinen Part auf Italienisch singt. Mit Dua Lipa holte er für “If Only” einen weiteren Popstar ins Boot. Die beiden tauchen ganz tief in Wehmut ein und treffen den Hörer mit ihrem Duett mitten ins Herz. “Un Anima” verzaubert mit seinem nostalgischen Charme. “Gloria The Gift Of Life” verströmt eine sakrale Aura – besonders wenn ein Chor Andrea Bocelli verstärkt. “I Am Here” entspinnt ein ebenso melancholisches wie sehnsüchtiges Flair. Für “Vertigo” trägt Raphael Gualazzi am Klavier ein paar Akkorde bei. Streicher und Bläser wetteifern beim opulenten “Vivo” mit Andrea Bocellis Gesang. “Dormi Dormi” kommt als anrührendes Schlaflied daher. “We Will Meet Once Again” präsentiert sich als Gipfeltreffen der Crossover-Giganten. Da gesellt sich Josh Groban zu Andrea Bocelli. Bei “Fall On Me” wiederum bleibt alles in der Familie. Zum ersten Mal hat sich der Italiener für einen Song mit seinem 20-jährigen Sohn Matteo zusammengetan. Mit Erfolg: Die ergreifende Nummer untermalt den Abspann des Disney-Films “Der Nussknacker und die vier Reiche”, der am 1. November mit einer hochkarätigen Besetzung von Keira Knightley über Helen Mirren bis zu Morgan Freeman ins Kino kommt.

Doch das ist nicht der einzige Höhepunkt. Als krönenden Abschluss gibt es zwei Sänger, die perfekt miteinander harmonieren: Andrea Bocelli und die russische Sopranistin Aida Garifullina. Bei “Ave Maria Pietas” stehen Stimme und Stimmung eindeutig im Rampenlicht. Schöner hätte dieses Album nicht enden können, das nicht umsonst “Si” heißt. “Wir leben in einer Zeit, in der wir zu oft nein sagen”, grübelt Andrea Bocelli. Dabei gibt es auf dieser Welt auch so viele erfreuliche Dinge: den ersten Kuss, sich einfach gut zu fühlen, mit jemandem einer Meinung zu sein. All das verdient ein eindeutiges Ja, findet Andrea Bocelli: “Ja ist ein so mächtiges menschliches Wort. Es drückt positive Emotionen aus.”

Dieses Album steckt so voller gelebter, gefühlter und besungener Liebe und zeigt einen Sänger, der einfach nur verzaubert. Man schließt die Augen und ist unweigerlich gefangen in der Wärme von Andrea Bocellis Stimme. Ich habe mich bereits vor Jahren im Duett mit Zucchero in diese Stimme verliebt und schwelge auch nach all den Jahren noch immer! Hut ab vor dieser Leistung und Glückwunsch zu diesem gelungenen Werk! (mni)

EHRLICH BROTHERS - Faszination


Erstveröffentlichung: Konzert/Auftritt 2019

(05.01.2019 Mercedes Benz Arena Berlin)

Alleine 10 Trucks sind nötig, um die Showrequisiten und aufwändigen Kulissen der Bühne für die Show des Magierduos „Ehrlich Brothers“ zu transportieren. Ja Magie ist groß und aufwendig! Alleine die Crew hinter der scheinbar so mühelosen Show der Illusionen besteht aus 70 Mann, welche jeden Abend 30 Kilometer Kabel verlegt und über 500 Spezialeffekte zündet.

Was Andreas und Chris Ehrlich in Ihrer Show präsentieren, fasziniert und lässt den Mund offen stehen. Gleich zu Beginn der Show wird Chris von seinem Bruder Andreas mittels Helium zum Fliegen gebracht. Ihn Schrumpfen und wieder Groß machen kann er natürlich auch. Die Illusion ist perfekt und stimmt ein, auf einen Abend der laut ist, der hammermässig wird und unheimlich lustig.

Chris und Andreas frotzeln ordentlich, mal ist es Bruderliebe, mal Konkurrenzkampf zwischen den beiden. In jedem Falle ist es superlustig dabei zuzusehen und zum Mitwisser oder Mittäter zu werden. Das Publikum wird eh sehr stark einbezogen, denn immer wieder werden „Freiwillige“ in die Show mit einbezogen. Es verschwinden Leute von der Bühne und tauchen am anderen Ende der Halle wieder auf. Auch Kinder dürfen bei der Show mitmachen. Die Brothers haben sichtlich Spaß mit den Kids auf der Bühne und zaubern glitzernde Augen in die Kindergesichter.

Ebenso herzlich sind die leisen Momente der Show, etwa wenn Sie ihrem Vater danken. Dieser hat die Jungs an die Zauberei herangeführt und begeistert. Leider verstarb er und kann an dem Erfolg seiner Jungs nicht mehr teilhaben. Ihm zu Ehren gibt es den Klassiker der Ehrlich Brothers, an dem der Vater bis zuletzt mitgearbeitet, aber nie live erlebt hat. Andreas endsteigt aus einem überdimensionalen Tablet und Chris fährt aus dem Bildschirm des Tablets samt Motorrad heraus. Man fragt sich unweigerlich, wie geht das denn nur?

Wahnsinn ist auch der „Entfesslungstrick“ von Andreas Ehrlich. Innerhalb von nur 15 Sekunden muss er sich aus Ketten und Fesseln befreien sonst wird er zweigeteilt und Chris bekäme zwei Halbbrüder. Dieser Trick geht sowas von schief, denn Andreas schafft es nicht rechtzeitig und wird zersägt. Doch er ist scheinbar quicklebendig nur halt beinlos. Diese fahren lieber auf einem Hoverboard über die Bühne. Das Publikum kringelt sich vor Lachen und fragt sich, wo sind denn nur die echten Beine des Magiers. Die Erklärung, nun schlicht und ergreifend: Magie! Die Beine werden von Chris einfach wieder angetackert und schon kann Andreas wieder laufen.

Das Kinderspielzeug auch ganz groß werden kann, beweist der nächste Trick. Ein ferngesteuertes Auto wird mit einem großen Tuch abgedeckt und Schwupps wird daraus ein 2000 PS starker 8 Tonnen schwerer Monstertruck. Wo kommt der so plötzlich nur her? Es erklärt sich nicht. Krass!

Das Publikum wird in den knapp 2h verzaubert, eingelullt und zum Bestandteil einer magischen Welt gemacht. Kaum einer macht das mittlerweile auf so liebevolle, charmante und sympathische Art wie die beiden Ehrlichs. Die Show ist modern, ist frech und sexy zugleich. Die Mischung aus lauten, spektakulären Wow Effekten und sanften leisen Illusionen klappt perfekt. Man fragt sich zwar, wie geht das denn alles, aber eigentlich will man es nicht wirklich wissen. Die Illusionen sind zu perfekt, und dieses kindliche Staunen macht den Reiz aus.

Am 15.06.2019 wollen Sie im Düsseldorfer Esprit Stadion einen neuen Weltrekord aufstellen und gehen 2020 mit komplett neuer Show auf Tour. Eines wurde bereits verraten: Es gibt einen schwebenden Lamborghini! Wir sind gespannt! (mni)

HERBERT GRöNEMEYER - Tumult


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Vertigo / Universal

Die Zeiten in denen wir gerade leben sind unruhig und machen nervös. Schlagworte wie Klimawandel, Rechtsruck, Fake News oder Werteverfall kursieren als Begriffe und wirkliche Hoffnungsschimmer gibt es leider nur sehr wenige. Herbert Grönemeyers Album „Tumult“ bildet für mich solch einen Schimmer der Hoffnung, nämlich darauf, das der Mund aufgemacht wird und die Zeichen der Zeit benannt werden. Zugleich aber auch Stellung bezogen wird.

Das Album soll Musik im Zeichen der Zeit sein, ein hoch politisches Werk, welches die Lage beschreibt in der wir leben. Wer wenn nicht Herbert Grönemeyer könnte die Stimmung in Deutschland besser vertonen? Schließlich gelang ihm das mit seinen Vorgängeralben auch schon sehr gekonnt. Mit dem ihm typischen Pathos formuliert Grönemeyer Zeilen wie etwa „Keinen Millimeter nach rechts / Verständnis ist nie schlecht / Aber kein Millimeter nach rechts / Es ist ein Geistesgefecht“ in „Fall der Fälle“. Und weiter: „Es wird laut gedacht / Alles ist erlaubt / Es lallt und hallt von überall“. In „Taufrisch“ wiederum heißt es „Wir laufen uns hinterher / Denken nicht mehr quer. / Wer drückt den Pausenknopf?“. Es sind Haltungen und Reaktionen auf Hate Speeches und auf die Facebook „Daumen rauf, Daumen runter“ Mentalität und das gesellschaftliche Antwortsyndrom. An anderer Stelle schwört Grönemeyer die Gemeinschaft ein: „Bist du da, wenn zuviel Gestern droht / Wenn wir verrohen, weil alte Geister kreisen“ (in „Bist du da“).

Musikalisch zeigt Herbie Mut zur großen Geste. Es werden Chöre eingesetzt, Orchester ist nach langer Pause wieder zu hören und in den Musikstilen springt er munter umher. Der Opener des Albums „Sekundenglück“ startet sehr ruhig und ist moderner Popsound. Die Botschaft positiv, der Sound groovt und man singt unweigerlich den Refrain mit. Der zweite Song „Taufrisch“ besitzt dann einen karibischen Rhythmus und geht ins Blut. Melancholische Töne verströmt „Mein Lebensstrahlen“ und ist eine gefühlvolle Ballade typisch im Grönemeyerstil. Als Hymne für Toleranz ist der Song „Doppelherz/ Iki Gönlüm“ zu verstehen, welcher Elemente türkischer Musik integriert. Herbie singt unter anderem in türkischer Sprache und appelliert an die Toleranz zweier Kulturen.

Das Stück „Warum“ ist im Anschluss warmherziger Gospelsound, wohingegen mit „Leichtsinn und Liebe“ R and B Sound aus den Boxen dröhnt. Der Song „Held“ ist moderner Mambo, während der Song „Wartezimmer der Welt“ die obligatorische Piano-Ballade ist. Herbert Grönemeyer und seine Band wechseln scheinbar mühelos mit jedem Song ihre Erscheinung. Das ist kurzweilig und hält die Spannung hoch. Inhaltlich bezieht Herbie Stellung gegen rechts, gegen Intoleranz, gegen Fake-News, gegen die Angst in den Köpfen und die gefühlte Ohnmacht. Das schöne dabei ist, Grönemeyer ist kein Musiker der dies in einer Hau-Drauf Holzhammer Art tut, sondern mit Feingeist und zum Teil steckt der Fingerzeig an den Hörer zwischen den Zeilen. Grönemeyer regt zum Nachdenken an, zur Reflexion und zu Mut sich dem Zeitgeist zu widersetzen.

„Tumult“ bildet eine Mischung ab aus mobilisierendem Politik-Pop, und intimen Liebesliedern. Ja, es ist eben ein typisches Grönemeyer-Album geworden, aber der Hörer spürt eine deutliche Leistungssteigerung etwa gegenüber „Schiffsverkehr“ oder auch „Dauernd Jetzt“.

Die Stücke sind sehr fein auskomponiert, geschmackvoll produziert und gut eingespielt. Vielleicht hätte etwas mehr Wut noch gut getan, aber im Grunde ist das nur eine Anmerkung zu einem gelungenen Album. Für mich nämlich hat Grönemeyer ordentlich „Tumult“ gemacht und es mal wieder gut geschafft, den Zeitgeist musikalisch eingefangen.

Vielleicht waren seine Worte der Warnung und des Protestes nie wichtiger als jetzt! mni

SONORUS 7 - Acid Pops


Erstveröffentlichung: CD 2019 / Danse Macabre Records

Sonorus 7 sind die Leipziger Sängerinnen Liss Eulenherz (Project Snowflake) und Clodi Korzin (Mental Defect) sowie der Keyboarder Daniel Korzin (Mental Defect). Gegründet hat sich die junge Formation im Januar 2017 und bewegt sich seither stilistisch zwischen tanzbarem Future bzw. Electro Pop.

Geprägt von ihrer langjährigen Freundschaft fanden sich die beiden Powerfrauen für ein gemeinsames Projekt zusammen. Im gemeinsamen Schreibprozess entwickelten Sie ihren eigenen dynamischen Sound. Zwei starke Stimmen ergänzen sich perfekt und verleihen den Songs einen markanten Touch. Diesen konnte man bereits im ersten Lebenszeichen der Band, dem Musikvideo „Wasteland“, feststellen. Dieses wurde in Eigenregie gedreht und im Juli 2017 veröffentlicht. Bereits im Dezember 2017 qualifizierten sie sich für die Teilnahme am „Sonic Seducer Battle oft he Bands“ und gewannen diesen im März 2018 nach erfolgreicher Publikums- und Jurywertung. Mit dem Debütalbum konnten Sie nun Ihren Stil einem breiteren Publikum zugänglich machen und Ihren Bekanntheitsgrad ausbauen. mni



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