DEAD LEAF ECHO - Beyond Desire


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Reptile Music/Moon Sounds / Altone Distribution

Es ist inzwischen schon fast eine Binsenwahrheit...Postpunk und Shoegaze sind wieder „in“. Es gibt in Deutschland, Europa und eigentlich weltweit jede Menge neue , junge Bands, deren Mitglieder in der Regel ihre musikalischen Vorbilder nur von Platten und CDs (oder mal mehr, mal weniger guten Reunion-Touren) kennen. Das ist aber natürlich nichts, was es zu kritisieren gäbe, so lange die Musik, die dabei herauskommt, gut ist. Zudem sind die jungen Leute heutzutage musikalisch meist viel weniger festgelegt, als wir alten Säcke es in den 80ern waren und so finden sich auch immer wieder ungewohnte Einflüsse und moderne Sounds in den Stücken wieder, was für eine lebendige Musikszene wichtig ist.

DEAD LEAF ECHO aus New York ist dabei aber keine ganz neue Band, sondern hat seit 2006 bereits mehrere Alben und zahlreiche Singles veröffentlicht, so dass man schon von einer soliden Erfahrung sprechen kann. Den ganz großen Szene-Durchbruch hat die Gruppe noch nicht geschafft, doch mit dem nunmehr dritten Album „Beyond. Desire“ sollte der Vierer einiges an Aufmerksamkeit erregen können, nicht nur, weil diese Art von Musik eben gerade wieder ziemlich angesagt ist, sondern auch, weil das Album richtig gut ist. Dabei verheimlicht die Gruppe gar nicht die Einflüsse, die bei den „großen“ Shoegaze-Bands einerseits (deren Namen mit“S“ und „M“ beginnen) liegen und andererseits ganz offen beim 4AD-Label der End-80er-/Anfang-90er-Jahre. Der Waschzettel nennt dann auch direkt die Cocteau Twins und Lush und liegt damit natürlich richtig. Wobei der Sound doch eher andie 90er Jahre-Bands wie eben Lush, Belly, Pale Saints, Breeders und so weiter angelehnt ist, also durchaus auch eine indiepoppige Note hat. Den Zauber der Cocteau Twins kann man auch schlicht und einfach nicht kopieren. Auch Fans von A R Kane oder des Projekt Records-Label der damaligen Zeit dürfen das eine oder andere Ohr riskieren. Dass man für das Cover dann auch noch den ehemaligen 23envelope-Mitarbeiters Tim O´Donnell engagiert und dieser den Stil der alten 4 AD-Zeit perfekt getroffen hat, steigert den Nostalgie-Faktor nur noch wohliger.

Schleppende Rhythmen, sich selbst im Delay überspielende Gitarrenwände, verhallter Gesang und Twin Peaks-artige Bassmotive sind so typisch für diese Art von Musik, dass man es eigentlich als bloße Kopie abtun müsste, doch DEAD LEAF ECHO fesseln mit ihrer Musik, gerade auch, weil sie authentisch klingen und nicht vorgeben, was anderes, als eine Shoegaze-Band im besten Sinne zu sein. Dass der Produzent Guy Fixsen in der Vergangenheit mit Größen wie Slowdive und My Bloody Valentine gearbeitet hat, muss man kaum besonders betonen.

„Beyond.Desire“ reiht sich ohne Makel in die Reihe so mancher Klassiker der frühen 90er Jahre ein. Dass die Band live wohl deutlich rauer rüberkommt - was grundsätzlich schon mal positiv ist - deutet der letzte Song „It´s Starting To Happen“ an, der entfernt an Esben And The Witch erinnert. Ich werde auf jeden Fall die nächste Gelegenheit nutzen, mit DEAD LEAF ECHO live anzusehen. (A.P.)



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