POEMS FOR JAMIRO - Human


Erstveröffentlichung: CD 2018 / Edition Große Schwester-Bosworth Creative / Finetunes / Schwesterherz 04

Oft ist der Begriff „Pop“ heutzutage eher ein Schimpfwort, vor allem seit den 90er Jahren und der furchtbaren Casting-Welle seit den Nullerjahren. Gemeint ist dann meist der aus dem Musikbaukasten stammende Produzenten-Quark, der erst entsteht und dann der passende Interpret dazu gesucht wird, statt, wie es normal wäre, andersrum. Und natürlich gab es auch immer gute Popmusik, nur hat es diese viel zu oft nicht in die breitere Öffentlichkeit geschafft.

POEMS FOR JAMIRO ist ein norddeutsches Frauenduo, das als Singer-Songwriter-Projekt 2014 angefangen hat und nun das zweite Album „Human“ vorlegt. Was die beiden zu Musikerinnen macht (und nicht nur zu Interpretinnen), ist die Tatsache, dass sie ihre Instrumente beherrschen und die Songs selbst schreiben. Und vor allem, dass sie jede Möglichkeit nutzen, ihre Musik auf der Bühne zu präsentieren (zumindest, wenn ich dem Waschzettel glauben darf, wovon ich mal ausgehe). Herausgekommen ist mit „Human“ ein eingängiges, gefälliges - im positiven Sinne - Indie-Pop-Album mit weitgehend elektronischen Einflüssen. Hier und da werden moderne Studioeffekte benutzt, Stimmen verfremdet, zeitgemäße Rhythmen verwendet, ohne sich dem Zeitgeist anzubiedern. Meist ist es mittelschnell („We´ll Be Forgotten“ - Hit des Albums -, „Human“, „Disappear“), selten auch mal dunkel („If Past Is For The Hopeless“) oder tanzbar („Let The T-Rex Sleep“), gelegentlich aber auch ruhig-melancholisch („Soundless“, „Beyond“), bis hin zur großen Klavierballade („The Clown“). Produziert ist das alles zurückhaltend und unaufgeregt und ohne die heute sonst so typische aufdringliche Lautstärke von Chart-Stars wie Lady Gaga, Pink, Miley Cyrus und Konsortinnen. Würde man die Produzenten von Katy Perry - die ja durchaus singen kann und ein bisschen besonders ist - mal etwas bremsen und ein bisschen introvertiertere Songs für sie schreiben, könnte so etwas ähnliches wie POEMS FOR JAMIRO dabei herauskommen.

Tatsächlich liefern die beiden Damen nichts ab, was man nicht so oder ähnlich schon häufig gehört hätte. Sie machen das aber auf sympatische, angenehme und durchweg ohrwurmige Art und Weise, dass man „Human“ einfach mögen muss. Nur fürchte ich, dass für den großen Durchbruch eben das ganze übliche Brimborium fehlt. Hoffentlich lassen sich POEMS FOR JAMIRO nicht einreden, dass sie „daran unbedingt arbeiten müssen“, denn dann würde zumindest ich schnell das Interesse verlieren. Musik für Sonntagnachmittag im besten Sinne. Als Bonustrack gibt es noch die Coverversion eines Backstreet Boys-Songs. (A.P.)



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