SIMPLE MINDS - Walk Between Worlds


Erstveröffentlichung: CD 2018 / BMG / 4050538349672

Die Karriere der SIMPLE MINDS ist erstaunlich. Ende der 70er Jahre aus der Punkszene hervorgegangen (als Johnny And The Self Abusers), waren ihre ersten Alben noch sehr eindeutiger New Wave (mit Stücken wie „I Travel“, „The American“, „League Of Nations“...), teilweise richtig experimentell („Real To Real Cacophony“) oder synthpoppig („Life In A Day“), bevor sie mit „New Gold Dream“ ab 1982 den Wechsel in den Mainstream vollzogen und mit „Sparkle In The Rain“ und „Once Upon A Time“ zu einem Stadion-Rock-Phänomen wurden (perfekt dokumentiert auf „Live In The City Of Light“ und dem fast schon legendären Auftritt im Wembley Stadium im Juni 1988 zu Nelson Mandelas 70. Geburtstag). Mit „Street Fighting Years“ folgte 1989 wahrscheinlich der Höhepunkt des Ruhms, doch auch in den Jahren danach legte die Gruppe um Sänger Jim Kerr regelmäßig gute Alben vor, ohne je wirklich weg vom Fenster zu sein. Stadien füllen sie heute nicht mehr, aber größere Arenen bespielen sie immer noch mit Leichtigkeit. Ähnlich wie ihre ewigen Konkurrenten U2 - wobei die beiden Gruppen sich selbst wahrscheinlich gar nicht als Konkurrenten sehen - wurden auch immer gesellschaftliche Botschaften transportiert („Mandela Day“, „Belfast Child“), aber ohne den erhobenen Zeigefinger. Mit „Don't You (Forget About Me)“ haben die SIMPLE MINDS zudem wohl einen der unsterblichen Rock-Klassiker geschaffen (der allerdings bei weitem nicht ihr bester Song ist). Kurz: SIMPLE MINDS waren und sind eine große Band, die dabei immer skandalfrei blieb und sympathisch rüberkommt. Mit Jim Kerr und Charlie Burchill sind zwar nur noch zwei Mitglieder aus der Ursprungsformation dabei und es gab im Laufe der letzten vierzig Jahre so manche Besetzungswechsel, doch der Sound der Band hat sich seit Mitte der 80er Jahre nicht prägnant verändert. Bei dem 2018er Album „Walk Between Worlds“ gibt es dementsprechend auch keine größeren Überraschungen, dafür aber genau das, was die langjährigen Fans erwarten und erhoffen. Lupenreinen, groß produzierten Rock, der schnell im Ohr bleibt und immer mal wieder zurück zu den eigenen Wurzeln geht. Überraschenderweise klingen Songs wie „Utopia“ und „In Dreams“ fast schon nach U2, was aber sicher eher Zufall ist und sicher in erster Linie an der sich im Alter doch leicht verändernden Stimme von Jim Kerr liegt. Die Hymnenhaftigkeit der Songs zeichnete schon immer beide Bands aus, wobei U2 immer die rockigere und experimentierfreudigere Band war, während SIMPLE MINDS eher auch mal soulige Elemente zuließen und -lassen. Herausstechen tut besonders „Barrowland Stars“, in dem die Band wohl ein bisschen ihre eigene Bandgeschichte Revue passieren lässt und das überraschenderweise stark nach David Bowie klingt. Das Lied hat alles, um ein Bandklassiker zu werden und dürfte auch live für eine Menge Emotionen sorgen.Allgemein sind die Texte selbstreflexiv ausgefallen, ein bisschen wie eine Mischung aus Abrechnung und Bestandsaufnahme. Nach Abschied klingt das trotzdem nicht, sollte es dennoch einer sein, so erscheint das Album würdig dafür. Der Titelsong „Walk Between Worlds“ führt zurück in die zweite Hälfte der 80er Jahre, als die Band ihre größten Erfolge feierte, rockig, aber unterlegt mit eingängigen monumentalen Streicherparts. Mir persönlich gefallen aber die eher wavigen, etwas reduzierten Stücke am Anfang des Albums wie „Summer“ und „The Signal And The Noise“ am besten, aber letztlich ist „Walk Between Worlds“ ein durchweg gutes SIMPLE MINDS-Album, mit dem man sicher in erster Linie die alten Fans anspricht. Für heutige Teenanger allerdings dürfte das alles nicht „laut“ und oberflächlich genug klingen, aber das ist wohl ganz normal. Auf jeden Fall gehören SIMPLE MINDS nicht zu den Bands, die sich auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern sie haben immer noch was zu sagen, das nennt man wohl „in Würde altern“. (A.P.)



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