SUGALO - Sonne, Mond, Tausend Sterne


Erstveröffentlichung: LP 2019 / WSDP / WSDP 96

Zu Hoch-Zeiten der Neuen Deutschen Welle 1980-1982 fingen unzählige junge Leute an (und später auch viele Altrocker, als es losging, dass man damit auch Geld verdienen konnte), mit einfachsten Mitteln, Musik zu machen, aufgrund der fehlenden Infrastruktur häufig auf Kassetten, die oft nur im engsten Freundeskreis verteilt wurden und von denen der absolut überwiegende Teil unrettbar verloren sein dürfte, manches hat aber irgendwie die Zeiten überdauert und wird von akribisch recherchierenden Freaks (im positiven Sinne) seit Anfang der 2000er Jahre in Form von Wiederveröffentlichungen und Diskografien aufgearbeitet. Besonders hervorgetan hat sich hier Franck Punk mit seinem Label WSDP. Mein erster Kontakt mit ihm war 2002 der Zeitpunkt, als - damals noch unter dem Namen Was Soll Das Platten - die Single von Z.S.K.A. erschien. Kurz danach brachte Franck „Was Sonst“ des süddeutschen Trios SUGALO heraus und bis heute ist die Single eine meiner liebsten Veröffentlichungen im doch inzwischen sehr umfangreichen und mit zahllosen Hits gespickten Programm von WSDP. So schließt sich im Grunde im Jahr 2019 ein bisschen der Kreis, wenn nun noch eine LP der Gruppe von SUsi, GAbi und LOthar erscheint, womit das überschaubare Werk der Gruppe aufgearbeitet worden sein dürfte.

Um 1982/83 herum brauchte das Trio in Eigenregie eine Kassette und auf dem Münchener Label Schrott eine 7“ raus(wo auch Meisterwerke wie der „8-EP Sampler“ oder die „Veitstanz“-Single von Der Künftige Musikant erschienen sind). Außer einigen Tracks auf obskuren Tape-Samplern dürfte es nicht mehr geben und ich bin sicher, Franck hat das sehr genau mit Lothar abgeklärt.

Musikalisch liefert SUGALO genau das ab, was man von derartigen Gruppen aus der Zeit erwartet: Lo-Fi-Kinderzimmer-Pop im besten Sinne, aufgenommen mit minimalem Equipment, Gitarre, Drumcomputer und (damals verhältnismäßig billige) Synthies. Melodien, Texte und die Art des Gesangs erinnern stark an Die Doraus Und Die Marinas, was die zwei Damen und der Herr wahrscheinlich schon gar nicht mehr hören und lesen mögen, aber man kommt an dem Vergleich nicht vorbei. Dabei ist das alles bei SUGALO aber noch minimalistischer aufgenommen und produziert, dabei aber mit einem unvergleichlichen Gespür für absolute Ohrwurmmelodien. Die Texte sind durchaus durchdacht und meist zwar witzig, aber nicht albern. Im Grunde wird hier der perfekte Übergang von der frühen Underground-Neuen-Deutschen-Welle zur kommerziell augeschlachteten NDW präsentiert und wenn zufällig ein Mensch bei einer großen Plattenfirma das Tape oder die Single in die Finger bekommen hätten, wären SUGALO mit großer Wahrscheinlichkeit gesignt worden und hätten vielleicht sogar einen kleinen Hit landen können. Wahrscheinlich ist es gut, dass es so nicht gekommen ist, sonst hätten wir heute nicht diese feine LP, die natürlich wieder in liebevoller Gestaltung und Minimalauflage unter die sammelwütigen Liebhaber geschmissen wird.

Wenn ich es richtig nachvollziehen kann, enthält die LP bis auf drei Tracks (darunter zwei nur auf Kassetten-Samplern erschienene Stücke und das Stück „Der Brief“ von der 1983er Single) das Gesamtwerk von SUGALO, also auch noch mal die Songs von der ersten Single auf Was Soll Das Platten, die mit ihrer 100er Auflage längst ein gesuchtes Sammlerstück ist. Auf „Sonne, Mond, Tausend Sterne“ gibt es 14mal feinsten Minimal-Synth-Pop aus den Tiefen deutscher Kinderzimmer der frühen 80er Jahre - so meine romantische Vorstellung über die Entstehung der Lieder. Manche heutige Musiker versuchen, diese Art von Sound heutzutage zu reproduzieren, was aber authentisch gar nicht möglich ist, denn dazu gehört eben mehr, als nur altes Equipment. Ein wirklich herrlich-sympathisches Zeitdokument, für das ich Franck mit seinem Label WSDP wirklich von Herzen dankbar bin. Der Band bin ich alleine für Textzeilen wie „Urlaub ist, wenn Dir jemand Deine Uhr klaut“ oder „Von der Jugend bis zum Alter, ist der Staat nur Dein Verwalter“ dankbar...fassen diese doch irgendwie die unbeschwerte Herangehensweise der damaligen Zeit gut zusammen.

Dieser Rezension lag eine Testpressung des Albums vor, deswegen kann es sein, wie bei WSDP nicht ungewöhnlich, dass das nicht das Artwork der endgültigen Auflage ist. Außerdem gibt es dann bestimmt ein Beiblatt oder ähnliches, das hoffentlich ein bisschen was zur Bandgeschichte und vielleicht etwas Bildmaterial enthält. (A.P.)



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