LAFOTE - Fin


Erstveröffentlichung: LP 2018 / Misitunes

Und schon wieder Postpunk, wie anscheinend jede zweite Veröffentlichung derzeit. Das habe ich mir nicht ausgedacht, sondern der Waschzettel selbst spricht von Postpunk. Ich habe ja eine andere Idee davon, was ursprünglich mal Postpunk um 1980 herum war und empfinde das meiste, was heute unter diesem Label erscheint als irgendwas zwischen Indierock und Punk auf der einen oder Darkwave auf der anderen Seite. Aber letztendlich ist die Benennung des Musikstils ja auch egal, wenn nur die Musik gut ist. Und da kann man bei der Hamburger Gruppe LAFOTE nicht meckern, und somit tu ich ihnen mit meinem Gegrummel hier am Anfang sicher unrecht.

LAFOTE gibt es seit 2013/14, aber erst jetzt legen sie, nach einem frühen Demotape, ihr erstes Album mit dem Titel „Fin“ vor. Der Titel ist sicher so gemeint, dass man das Album als Endpunkt der bisherigen Entwicklung verstehen soll und es würde mich nicht verwundern, wenn sich der Stil schon beim nächsten Album merklich verändert. Es ist ja oft so, dass ein Debüt eine Bestandsaufnahme des bisherigen Materials ist und die Band im Kopf eigentlich schon einen Schritt weiter ist. Bei LAFOTE würde ich das sogar begrüßen. Ihre Indierock-Stücke mit deutschen Texten sind solide, eingängig und textlich ganz gute persönliche Beobachtungen der Welt umd einen herum. Aber das alles hat man schon oft gehört in den letzten dreißig Jahren und da der Waschzettel es vormacht, darf ich hier auch die ganzen Bandnamen schreiben, an die LAFOTE erinnert...Die Sterne, Blumfeld, Isolation Berlin, Trümmer, Die Nerven. Die Liste ließe sich mit Gruppen wie Tocotronic bis hin zu den Urvätern dieser Art von Musik Fehlfarben fortsetzen. Dass in der Dankesliste dann Namen wie Kristof Schreuf, Tobias Levin, die Grether-Schwestern oder Pascal Fuhlbrügge auftauchen - wobei ich nicht weiß, ob denen nur aufgrund des musikalischen Einflusses gedankt wird, oder wirklich eine Verbindung besteht -, ist kaum überraschend und man kommt nicht umhin, den Begriff „Hamburger Schule“ in die Runde zu werfen.Das ist an sich nichts schlimmes, ist doch unter diesem häufig ungeliebten Label eine Menge guter Musik, vor allem in den 90er Jahren, erschienen. Doch der Eigenständigkeit von LAFOTE ist das nicht unbedingt zuträglich. Insofern darf man gespannt erwarten, was das nächste Album bringt.

Von der im Info erwähnten „Wut“ verspüre ich relativ wenig, weder musikalisch, noch textlich. Die Musik ist für meinen Geschmack zu „nett“ produziert, da fehlen Ecken und Kanten, da fehlt die nötige Rauheit, die Bands wie Tocotronic (in ihrer Anfangszeit) oder Cpt. Kirk &. oder Kolossale Jugend ausgezeichnet haben. Die Inhalte sind hingegen eher resigniert und introvertiert und erzählen zwar von „Aufbruch“ und „so nicht weitermachen wollen“, zünden dann aber die Lunte nicht an, die sie legen.

„Fin“ ist sicher nicht schlechter, als viele andere Alben dieses Stils und ich tue LAFOTE bestimmt ein bisschen unrecht, weil sie live bestimmt weitaus mehr Energie rüberbringen, aber für mich klingt das alles zu sehr nach „schon 100x gehört“ - nicht unbedingt besser, aber eben auch nicht schlechter“. Vielleicht bin ich auch einfach nur schon zu lange dabei und für ein jüngeres Publikum ist das alles total innovativ. Bei mir ist es einfach sehr gefällige Musik zum nebenbei hören, aber will eine Band dieses Urteil wirklich lesen? Ich werde sicher mal eine Gelegenheit nutzen, mir LAFOTE auf der Bühne anzusehen, vielleicht erreichen sie mich dann. (A.P.)



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