BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL - As One Aflame Laid Bare By Desire


Erstveröffentlichung: CD 1999 / Projekt Records

BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL are active for about 15 years now and they have released a couple of wonderful albums, but unfortunatly never had real commercial success in Europe, even if their compositions are of high quality. Anyway, everybody who ever listened to this ethereal, calm music, must have fallen in love with it at once. I guess, the band can´t hear it anymore, but the music is in fact very comparable to Dead Can Dance in their best moments. Maybe it can also compared with the very calm moments of Enya, or even a combination of both mentioned artists? There is both, classical influences and moments of a certain celtic feeling. This is not music to be listened while cleaning the house on Saturday morning, but something to sit on a rainy Sunday afternoon by candlelight in a melancholic (but not depressive!) mood, drinking a glass of wine. Like all BLACK TAPE FOR A BLUE GIRL releases, the artwork is great and in a perfect world, this band would be real stars. (A.P.)

Webadresse der Band: www.projekt.com

LEN LIGGINS - 1982-1985


Erstveröffentlichung: LP 2019 / Mauerstadtmusik / MM 018

Das Berliner Ein-Mann-Label MAUERSTADTMUSIK ist inzwischen seit 2003 aktiv und hat sich darauf spezialisiert, überwiegend elektronische Kassettenkultur der 80er Jahre aufzuarbeiten und in kleinen, aber liebevoll erstellten Vinyl-Auflagen unter die Sammler zu bringen. Hier und da gab es auch mal Wiederveröffentlichungen auf dem ursprünglichen Magnetband-Format. Dabei gibt es keinerlei stilistische Grenzen, von Minimal-Electro über Soundtrack, Krach, Genialen Dilletanten, Synth-Pop, Avantgarde und Post-Punk bis hin zu Alternative-Rock und einfach nur skurrilen Klängen ist alles mögliche vertreten. Es geht nicht um kommerzielle Aspekte...wer wirklich glaubt, dass man mit Auflagen von maximal ein paar Hundert Exemplaren am Ende was verdient, was den großen ideellen und zeitlichen Einsatz auch nur ansatzweise ausgleich, ist hier eh falsch. Kostendeckung und Idealismus sind die Schlagworte. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, kenne ich fast alle Veröffentlichungen und wurde noch nie enttäuscht, wobei mich persönlich vor allem die 2018 veröffentlichte Live-7“ mit Buch der Belgier De Brassers sehr glücklich gemacht hat.

Bei dem knapp kalkulierten finanziellen (Nicht-) Konzept ist es klar, dass nicht eine Platte nach der anderen rausgebracht werden kann und so sind in rund 16 Jahren 18 Veröffentlichungen erschienen. Die neueste 2019 ist die LP des englischen Musikers LEN LIGGINS, den man am ehesten durch seine Beteiligung an den Bands The Sinister Cleaners und The Ukrainians kennt, der aber seit Anfang der 80er Jahre auch solo aktiv war und neben einem Fanzine auch jede Menge Musik auf Cassetten aufgenommen hat, wobei es kaum stilistische Grenzen gab. Deutlich ist, dass LEN LIGGINS in der frühen New Wave Zeit musikalisch sozialisiert (oder eben gerade NICHT sozialisiert) wurde. So enthält die nun erschiene LP „1982-1985“ - limitiert auf 300 Exemplare in schwarzem Vinyl mit informativem Beiblatt - Aufnahmen aus eben diesem Zeitraum. Zusammengestellt aus Beiträgen zu Tape- und LP-Samplern, Stücken aus einer 1985 erschienenen 7“ (die bei John Peel gespielt wurde und im N.M.E. wohl „Single of the week“ war) und einigen bisher unveröffentlichten Tracks, bekommt man eine Ahnung, was Anfang der 80er Jahre musikalisch in englischen Proberäumen oder gar Wohn- und Schlafzimmern musikalisch möglich war. Als Oberbegriff würde ich es einfach mal New Wave nennen, wobei es unterschiedliche Stücke gibt, die mal experimentell, mal eingängig, mal minimal und vieles mehr sind. Wie viele Musiker damals war LEN LIGGINS sehr umtriebig, neben der eigenen Musik und zahlreichen Bands, machte er wie bereits erwähnt ein Fanzine und betrieb ein kleines Tonstudio.

Beeinflusst scheint die Musik zumindest teilweise von frühen elektronischen Bands aus Sheffield zu sein, von The Human League und Vice Versa bis hin zu Clock DVA, Cabaret Voltaire und anderen Zeitgenossen wie Cultural Amnesia (nicht aus Sheffield). Dabei klingt LEN LIGGINS aber selten genau wie diese Größen, aber der Geist der Musik ist ähnlich, nämlich den grottigen Sound der 70er Jahre zu überwinden und sich selbst keine Grenzen zu setzen. Manches hätte auch sehr gut auf dem frühen Mute-Label erscheinen können...tat es aber nicht und so sind die Aufnahmen bis heute weitgehend der Öffentlichkeit verborgen geblieben. Dass das mit der LP „1982-1985“ nun zumindest ansatzweise geändert wird, ist großartig...auch, wenn es natürlich nur einen sehr sehr kleinen Ausschnitt von LEN LIGGINS´ Wirken vorstellen kann. Kauft die Platte in Massen, damit MAUERSTADTMUSIK bald weitere spannende Pläne verwirklichen kann. (A.P.)

QUIETER THAN SPIDERS - Signs Of Life

Wiederveröffentlichung: DLP 2019 / Anna Logue Records / ANNA057
Erstveröffentlichung: DCD 2019 / Anna Logue Records / ANNA057

QUIETER THAN SPIDERS ist eine chinesische (mit Verbindung nach Großbritannien) Synth-Pop-Band, die 2012 gegründet wurde. Das ist bemerkenswert...nicht, dass es derartige Bands in China gibt, sondern, dass es endlich mal eine auch in unsere Gefilde schafft. Ein Freund hatte mich schon im Januar auf den Song „Hibakusha“ bei YouTube hingewiesen und eine kurze Recherche ergab, dass ein Album bei Anna Logue Records geplant war, das nun endlich im Oktober 2019 als Doppel-LP und Doppel-CD erscheint. Die erste LP/CD enthält insgesamt zehn herrliche Electro-Tracks, die mal schneller Synth-Pop sind, mal leicht melancholische Electro-Pop-Songs. Und obwohl wohl zumindest teilweise oldschooliges Equipment benutzt und bei den Produktionsmitteln auf Minimalismus gesetzt wurde, klingt das Album gar nicht mal so sehr nach 80er Jahre, sondern recht modern und baut auch moderne Sounds ein. Das liegt sicherlich auch an dem hervorragend gemastertem Sound aus dem Hause The Silicon Scientist.

Gerade die poppigeren Songs erinnern hier und da an die letzten drei Alben vom Orchestral Manouevres In The Dark, die auch ihren alten Sound mit modernen Elementen verbunden haben. Das ist besonders bei Songs wie „The Land Of Lost Content“ zu hören, während beispielsweise „Night Drive“ auch deutlich zum Synthwave neigt. Mit „Shanghai Metro“ und „Hibakusha“ sind zwei richtige Hits dabei, die im Internet die Electro-Szene schon aufhorchen ließen und sich unwiderbringlich im Ohr festsetzen. Der Titelsong „The Signs Of Life“ schließlich führt den Hörer fast schon in die 70er Jahre zurück, als wegweisende Musiker wie Mike Oldfield, Jean-Michel Jarre und einige andere wunderbar atmosphärischen Space-Electro in die Hitparaden gebracht haben. Zwischen den einzelnen Tracks sind kurze Interludes, die die experimentellere, aber auch verträumte Seite des Trios zeigen und der Platte einen gewissen Konzeptalbum-Charakter geben.

Dieser wird etwas dadurch relativiert, dass die zweite LP/CD jeweils zwei Remixe von fünf Album-Tracks enthält. Einerseits ist es natürlich schön, dass hier eine Menge Musik fürs Geld geboten wird, andererseits haben solche Remix-Anhängsel immer ein bisschen den Beigeschmack, als könnten die Originalversionen nicht für sich alleine stehen und müssten von mehr oder weniger bekannten Musikern (hier Delayscape, Kevin Komoda, The Silicon Scientist und weitere) „bearbeitet“ werden. Natürlich kommen dabei ein paar wirklich gelungene Versionen raus, gerne auch mal etwas tanzbarer („No Illusion - Quietli Mix“, „Hibakusha - Plant Planet Remix“) als die Vorlage, aber ich ziehe die Originale vor. Zudem sind bei den Remixen auch keine größeren Überraschungen dabei, ein bisschen mutiger hätte es schon sein dürfen. Bei einigen Tracks könnte ich mir zum Beispiel ein paar Shoegaze-Gitarren vorstellen, die für eine ganz eigene Atmosphäre sorgen würden, ähnlich wie bei den wundervollen Lea Porcelain.

Diese Kritik ist sicher nicht ganz fair, weil sie nur meinen eigenen Geschmack widerspiegelt und nicht „sachlich“ ist, und es ist ja auch tatsächlich kein einziger Ausfall dabei, aber für mich ist das eigentliche Album geschlossener und „runder“ ohne die Remixe.

„Signs Of Life“ ist allemal ein wirklich schönes Electro-Album, das sowohl Electro-Pop-Fans, als auch Synthwave-Liebhaber glücklich machen wird. Ein wie gewohnt schönes, qualitativ hochwertiges Artwork und eine Limitierung (Vinyl 350, CD 300 Exemplare) gibt es für die Sammler gleich noch dazu. (A.P.)

SJöBLOM - A Victory Of Love


Erstveröffentlichung: CD-EP 2019 / Reptile Music / Altone Distribution / RM005

Seit bald 15 Jahren tourt die schwedische Band The Exploding Boy unermüdlich durch die Clubs und begeistert mit ihrem Indie-Rock, verfeinert durch so einige Postpunk-Klänge, zunehmend das Publikum. In der Zeit veröffentlichte sie so einige Alben und Singles. Nebenbei bleibt Johan SJÖBLOM, einem der Sänger, noch Zeit, auch solo aufzunehmen. So brachte er neben einigen digitalen Singles 2016 das Album „6“ auf dem Label Manic Depression heraus, dem jetzt auf Reptile Music eine neue EP folgt. Zwar sind unter den sechs Tracks der CD nur zwei neue Songs, die haben es aber in sich. „A Victory Of Love“ ist - man konnte es schon vermuten - eine Coverversion des Alphaville-Songs von 1984. Dieser eröffnete damals das Debütalbum der deutschen Synth-Pop-Legenden und hätte eigentlich selbst das Zeug zu einem Hit gehabt, musste aber hinter „Big In Japan“, „Sounds Like A Melody“ und „Forever Young“ hintanstehen. SJÖBLOM unterzieht dem Ohrwurm einer respektvollen Modernisierung und könnte damit durchaus einen Clubhit landen. Im Gegensatz zum vor allem live ziemlich rockigen Sound von seiner Hauptband, geht es hier weitaus poppiger zu, ohne, dass es gleich zu Synthpop würde, da Gitarren nicht außern vor gelassen werden. Sehr solide, sehr gut produziert und auch etwas wavig, ohne altmodisch zu klingen. Der zweite neue Track „Seconds“ ist ebenfalls Breitwand-Pop, der - wahrscheinlich durch den Klaviersound verbunden mit dem treibenden Rhythmus - ganz entfernt an Coldplay erinnert, aber komischerweise von der Songstruktur auch ein bisschen was vom Gothrock der 90er hat, nur eben ohne die typischen schneidenden Gitarren. Muss man ein paar Mal hören, dann frisst sich „Seconds“ aber tief in die Ohren und bleibt da.

Für die Remixe hat man sich bekannte Musiker zusammengesucht, die fast durchgehend Versionen für die Tanzflächen der Clubs abgeliefert haben. Daniel Kaufeldt (Alien Waveform und vor allem Studiomann für schwedische Kollegen wie Twice A Man oder eben The Exploding Boy) liefert bei „Not A Man For You“ eine Mischung aus typisch schwedischen Future-Pop, wie man ihn seit den 90ern kennt, und ganz leichten Italo-Disco-Anklängen ab. Ash Code machen „The Last Call“ zu einem für sie typischen Track, der treibend und ein bisschen darkwavig aus den Boxen klingt. Die deutschen Gitarren-Waver/Shoegazer Luc Stargazer haben sich „The Girl“ vorgenommen und stechen auf dieser CD heraus, da es musikalisch dunkler und gitarriger wird und nicht nur auf die Tanzbarkeit geschielt wird. Schön eingängiger Darkwave, der mich vom ersten Anhören an überzeugt hat und neben dem Alphaville-Cover mein Favorit auf der EP ist. Schießlich haben sich die seit über 20 Jahren aktiven Belgier Vive La Fête noch „Oh My Heart“ vorgenommen. Die Belgier haben über die Jahre einen ganz eigenen, leicht verschrobenen Stil entwickelt, basierend auf Synthpop, und zeigen das auch hier. Irgendwie könnte das auch der Remix eines Erasure-Songs sein, zumindest der Einsatz des Gesanges erinnert ein bisschen an das englische Duo. Ich bin sicher, dass Johan SJÖBLOM mit dieser EP, die hoffentlich nur Vorbote eines neuen Albums ist, einiges an Aufsehen erregen wird und in den Clubs für Bewegung sorgt. Konzerte sind für 2020 geplant und ich denke, dass da nicht nur Fans seiner Hauptband auftauchen werden. (A.P.)



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