QUIETER THAN SPIDERS - Signs Of Life

Wiederveröffentlichung: DLP 2019 / Anna Logue Records / ANNA057
Erstveröffentlichung: DCD 2019 / Anna Logue Records / ANNA057

QUIETER THAN SPIDERS ist eine chinesische (mit Verbindung nach Großbritannien) Synth-Pop-Band, die 2012 gegründet wurde. Das ist bemerkenswert...nicht, dass es derartige Bands in China gibt, sondern, dass es endlich mal eine auch in unsere Gefilde schafft. Ein Freund hatte mich schon im Januar auf den Song „Hibakusha“ bei YouTube hingewiesen und eine kurze Recherche ergab, dass ein Album bei Anna Logue Records geplant war, das nun endlich im Oktober 2019 als Doppel-LP und Doppel-CD erscheint. Die erste LP/CD enthält insgesamt zehn herrliche Electro-Tracks, die mal schneller Synth-Pop sind, mal leicht melancholische Electro-Pop-Songs. Und obwohl wohl zumindest teilweise oldschooliges Equipment benutzt und bei den Produktionsmitteln auf Minimalismus gesetzt wurde, klingt das Album gar nicht mal so sehr nach 80er Jahre, sondern recht modern und baut auch moderne Sounds ein. Das liegt sicherlich auch an dem hervorragend gemastertem Sound aus dem Hause The Silicon Scientist.

Gerade die poppigeren Songs erinnern hier und da an die letzten drei Alben vom Orchestral Manouevres In The Dark, die auch ihren alten Sound mit modernen Elementen verbunden haben. Das ist besonders bei Songs wie „The Land Of Lost Content“ zu hören, während beispielsweise „Night Drive“ auch deutlich zum Synthwave neigt. Mit „Shanghai Metro“ und „Hibakusha“ sind zwei richtige Hits dabei, die im Internet die Electro-Szene schon aufhorchen ließen und sich unwiderbringlich im Ohr festsetzen. Der Titelsong „The Signs Of Life“ schließlich führt den Hörer fast schon in die 70er Jahre zurück, als wegweisende Musiker wie Mike Oldfield, Jean-Michel Jarre und einige andere wunderbar atmosphärischen Space-Electro in die Hitparaden gebracht haben. Zwischen den einzelnen Tracks sind kurze Interludes, die die experimentellere, aber auch verträumte Seite des Trios zeigen und der Platte einen gewissen Konzeptalbum-Charakter geben.

Dieser wird etwas dadurch relativiert, dass die zweite LP/CD jeweils zwei Remixe von fünf Album-Tracks enthält. Einerseits ist es natürlich schön, dass hier eine Menge Musik fürs Geld geboten wird, andererseits haben solche Remix-Anhängsel immer ein bisschen den Beigeschmack, als könnten die Originalversionen nicht für sich alleine stehen und müssten von mehr oder weniger bekannten Musikern (hier Delayscape, Kevin Komoda, The Silicon Scientist und weitere) „bearbeitet“ werden. Natürlich kommen dabei ein paar wirklich gelungene Versionen raus, gerne auch mal etwas tanzbarer („No Illusion - Quietli Mix“, „Hibakusha - Plant Planet Remix“) als die Vorlage, aber ich ziehe die Originale vor. Zudem sind bei den Remixen auch keine größeren Überraschungen dabei, ein bisschen mutiger hätte es schon sein dürfen. Bei einigen Tracks könnte ich mir zum Beispiel ein paar Shoegaze-Gitarren vorstellen, die für eine ganz eigene Atmosphäre sorgen würden, ähnlich wie bei den wundervollen Lea Porcelain.

Diese Kritik ist sicher nicht ganz fair, weil sie nur meinen eigenen Geschmack widerspiegelt und nicht „sachlich“ ist, und es ist ja auch tatsächlich kein einziger Ausfall dabei, aber für mich ist das eigentliche Album geschlossener und „runder“ ohne die Remixe.

„Signs Of Life“ ist allemal ein wirklich schönes Electro-Album, das sowohl Electro-Pop-Fans, als auch Synthwave-Liebhaber glücklich machen wird. Ein wie gewohnt schönes, qualitativ hochwertiges Artwork und eine Limitierung (Vinyl 350, CD 300 Exemplare) gibt es für die Sammler gleich noch dazu. (A.P.)



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