SJöBLOM - A Victory Of Love


Erstveröffentlichung: CD-EP 2019 / Reptile Music / Altone Distribution / RM005

Seit bald 15 Jahren tourt die schwedische Band The Exploding Boy unermüdlich durch die Clubs und begeistert mit ihrem Indie-Rock, verfeinert durch so einige Postpunk-Klänge, zunehmend das Publikum. In der Zeit veröffentlichte sie so einige Alben und Singles. Nebenbei bleibt Johan SJÖBLOM, einem der Sänger, noch Zeit, auch solo aufzunehmen. So brachte er neben einigen digitalen Singles 2016 das Album „6“ auf dem Label Manic Depression heraus, dem jetzt auf Reptile Music eine neue EP folgt. Zwar sind unter den sechs Tracks der CD nur zwei neue Songs, die haben es aber in sich. „A Victory Of Love“ ist - man konnte es schon vermuten - eine Coverversion des Alphaville-Songs von 1984. Dieser eröffnete damals das Debütalbum der deutschen Synth-Pop-Legenden und hätte eigentlich selbst das Zeug zu einem Hit gehabt, musste aber hinter „Big In Japan“, „Sounds Like A Melody“ und „Forever Young“ hintanstehen. SJÖBLOM unterzieht dem Ohrwurm einer respektvollen Modernisierung und könnte damit durchaus einen Clubhit landen. Im Gegensatz zum vor allem live ziemlich rockigen Sound von seiner Hauptband, geht es hier weitaus poppiger zu, ohne, dass es gleich zu Synthpop würde, da Gitarren nicht außern vor gelassen werden. Sehr solide, sehr gut produziert und auch etwas wavig, ohne altmodisch zu klingen. Der zweite neue Track „Seconds“ ist ebenfalls Breitwand-Pop, der - wahrscheinlich durch den Klaviersound verbunden mit dem treibenden Rhythmus - ganz entfernt an Coldplay erinnert, aber komischerweise von der Songstruktur auch ein bisschen was vom Gothrock der 90er hat, nur eben ohne die typischen schneidenden Gitarren. Muss man ein paar Mal hören, dann frisst sich „Seconds“ aber tief in die Ohren und bleibt da.

Für die Remixe hat man sich bekannte Musiker zusammengesucht, die fast durchgehend Versionen für die Tanzflächen der Clubs abgeliefert haben. Daniel Kaufeldt (Alien Waveform und vor allem Studiomann für schwedische Kollegen wie Twice A Man oder eben The Exploding Boy) liefert bei „Not A Man For You“ eine Mischung aus typisch schwedischen Future-Pop, wie man ihn seit den 90ern kennt, und ganz leichten Italo-Disco-Anklängen ab. Ash Code machen „The Last Call“ zu einem für sie typischen Track, der treibend und ein bisschen darkwavig aus den Boxen klingt. Die deutschen Gitarren-Waver/Shoegazer Luc Stargazer haben sich „The Girl“ vorgenommen und stechen auf dieser CD heraus, da es musikalisch dunkler und gitarriger wird und nicht nur auf die Tanzbarkeit geschielt wird. Schön eingängiger Darkwave, der mich vom ersten Anhören an überzeugt hat und neben dem Alphaville-Cover mein Favorit auf der EP ist. Schießlich haben sich die seit über 20 Jahren aktiven Belgier Vive La Fête noch „Oh My Heart“ vorgenommen. Die Belgier haben über die Jahre einen ganz eigenen, leicht verschrobenen Stil entwickelt, basierend auf Synthpop, und zeigen das auch hier. Irgendwie könnte das auch der Remix eines Erasure-Songs sein, zumindest der Einsatz des Gesanges erinnert ein bisschen an das englische Duo. Ich bin sicher, dass Johan SJÖBLOM mit dieser EP, die hoffentlich nur Vorbote eines neuen Albums ist, einiges an Aufsehen erregen wird und in den Clubs für Bewegung sorgt. Konzerte sind für 2020 geplant und ich denke, dass da nicht nur Fans seiner Hauptband auftauchen werden. (A.P.)



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