VIRGIN TEARS - The Beauty Of Broken People


Erstveröffentlichung: Digital 2019 / Reptile Music / Altone / RMD010

Und wieder ein neues Mann-Frau-Duo, dass sich dem angesagten Thema Coldwave/Postpunk verschrieben hat, diesmal aus Hamburg. VIRGIN TEARS gibt es erst gut ein Jahr und legen mit „The Beauty Of Broken People“ auf Reptile Music ihre erste digitale EP vor. Wie die meisten Bands dieses Revivals verbinden sie 90er Jahre Darkwave mit einigen 80er Jahre-Anklängen und tanzbaren Rhythmen, was inzwischen zu richtig erfolgreichen Gruppen wie Lebanon Hanover und anderen geführt hat. Mit dem ursprünglichen Postpunk-Stil um 1980 herum hat das nicht mehr allzu viel zu tun, aber wenn dabei gute Musik rauskommt, kann man über Begrifflichkeiten hinwegsehen.

VIRGIN TEARS wollen mit ihren vier Songs in dieses Feld vorstoßen und planen inzwischen wohl auch ein Livekonzept - heutzutage unverzichtbar für neue Bands, denn von Plattenverkäufen und Downloads kann wohl kaum noch eine existieren. Dabei erfindet das Duo um Sängerin/Gitarristin Linda Lace und Anthony Forest (Electronics und Bass) den Stil natürlich nicht neu, hat aber die Lektionen gut verinnerlicht und ein solides, eingängiges Debüt vorgelegt, das auf jeden Fall das Potenzial hat, in die Playlists einiger Szene-DJs und Clubs Einzug zu halten. Der Opener „Silver Death Rope“ ist dafür ein gutes Beispiel und man kann sich eine Livepräsentation mit ordentlich Nebeleinsatz und flackerndem Licht gut vorstellen.

Alle Stücke haben reduzierte, straighte Drums, was eine passende Monotonie verspricht, dazu wummernder Bass und schöne Gitarren, die hier und da an die Musik, die in den 80ern auf Labels wie 4AD oder Projekt Records erschienen ist oder auch von Mephisto Walz in den 90er gespielt wurde, erinnern. Der Gesang geht ein bisschen in die Richtung von Brit-Goth Bands der späten 80er und frühen 90er Jahre wie All About Eve, Inkubus Sukkubus oder Die Laughing. Das ganze ist recht „trocken“ produziert. Hier könnte man gut noch mal nachlegen und einen außenstehenden Remixer ranlassen, der den Songs beim remastern etwas mehr „Wumms“ verleiht und hier und da etwas mehr Effekte auf die einzelnen Instrumente und den Gesang legt. Dann könnten sich Songs wie „The Beauty Of Broken People“ zu kleinen Hits entwickeln. Ohrwurmqualitäten sind jedenfalls vorhanden.

Ich möchte das unbedingt als konstruktive Kritik verstanden wissen, denn die Lieder an sich gefallen mir gut und ich denke, mit etwas mehr Mut zu einer fetteren Produktion und baldmöglichsten Liveauftritten könnten sich VIRGIN TEARS schnell einen guten Namen machen. Irgendwo zwischen Lebanon Hanover, Bragolin, Twin Tribes, Creux Lies und ähnlichen Bands sollten VIRGIN TEARS ihren Platz und ihr Publikum finden.

Diese EP würde ich mal als erstes Statement ansehen, produktionstechnisch vielleicht noch mit ein bisschen Demo-Charakter. Mein Vorschlag wäre, die vier Songs mit vielleicht zwei weiteren Tracks remastern zu lassen und eine Vinyl-Mini-LP daraus zu machen und dann möglichst schnell und viel live zu spielen. Dann kann man von VIRGIN TEARS noch so einiges erwarten, vermute ich mal. (A.P.)

Webadresse der Band: www.virgintears.de


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