AGE ETERNAL - Be The Enemy


Erstveröffentlichung: LP 2020 / Nefeli / NFE-1

Als ich vor mehr als zwei Jahren AGE ETERNAL aus Hannover live im Vorprogramm von Drab Majesty in Hamburg sah und nach dem Konzert die damals erhältlichen Tonträger kaufte, war ich schnell verzaubert. Ätherische, schwebende Ambient-Klänge irgendwo zwischen - so schrieb ich es auch zur damaligen Platten „Wash Away“ - „Victorialand“ von den Cocteau Twins und der Dunkelheit von Danielle Dax. Leider hatte ich bis jetzt keine weitere Gelegenheit, AGE ETERNAL noch einmal live zu erleben - dabei hätte Lissa Benno so gut als Support beim Auftritt von Box And The Twins im Dezember 2019 im Molotow gepasst. So blieben mir nur die Platte und das Tape in ruhigen Stunden zu Hause.

Anfang 2020 ist nun endlich das neue Album von AGE ETERNAL auf dem eigenen Nefeli-Label erschienen. Die Platte, in schön kräftig-blauem Vinyl mit handgemachtem Artwork gibt außer den Songtiteln keine weiteren Informationen preis, so dass AGE ETERNAL weiterhin ein bisschen geheimnisvoll bleibt. Die sieben Stücke bleiben stilistisch wie gehabt irgendwo zwischen Ambient, Darkwave und Ethereal und bieten so eine recht eigene Mischung, bei der die Stimme eher wie ein weiteres Instrument eingesetzt wird und weniger für „normalen“ Gesang. Dennoch habe ich den subjektiven Eindruck, dass die einzelnen Lieder etwas greifbarer geworden sind, vielleicht etwas ausgereifter und weniger improvisiert als zuvor. Das geht natürlich wieder in die Richtung, die die Cocteau Twins mit „Victorialand“ perfektioniert haben - ich weiß, dass ich mich wiederhole - oder bei ihrer Zusammenarbeit mit dem Ambient-Musiker Harold Budd auf „The Moon And The Melodies“. Natürlich hat das vor allem auch mit der immer wieder eingesetzten“typischen“ Robin-Guthrie-Gitarre zu tun, besonderns beim Stück „Knowing You Is Easy“. „Oldgame“ wiederum ist schon nahe an gängigen Songstrukturen orientiert und wäre vermutlich der Kandidat für eine „Single“. Vielleicht mal einen schönen Remix mit Shoegaze-Gitarren anfertigen, dann könnte man damit sicher auch Slowdive-Fans ansprechen. Merkwürdigerweise könnte ich mir für den letzten Song „4444“ einen Remix von Clan Of Xymox vorstellen. Für „Gone Insane“ wurde ein schön atmosphärisches Video produziert, musikalisch meine ich ein paar Einflüsse von „Massive Attack“ herauszuhören, ohne, dass es jetzt richtig in die Trip Hop-Richtung gehen würde.

Wären die Aufnahmen um 1987 herum entstanden, hätte Ivo Watts_Russell sie mit großer Sicherheit auf seinem 4AD-Label veröffentlicht. Immer wieder muss ich bei der Platte auch an die Isländer Sigur Ros denken und mit fällt der Begriff Zauber(hafte)-Musik ein. Klänge, die Bilder vor dem geistigen Auge entstehen lassen...ich merke schon, dass ich fast überenthusiastisch bin, aber „Be The Enemy“ von AGE ETERNAL erzeugt bei mir diese Gedanken. Nach dem schönen Tape und der ersten Platte ist dieses Album eine echte Weiterentwicklung und sollte eigentlich mehr Aufsehen (beziehungsweise -lauschen) erzeugen, als es der Fall ist. Bisher unbedingt die Empfehlung des Jahres, wenn man auf Etheral-Gaze (Eigenbezeichnung) steht. (A.P.)

Webadresse der Band: facebook.com/eternalage/


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