AVISHAI COHEN - Big Vicious

2020 / ECM

Vor sechs Jahren gründete der charismatische Trompeter Avishai Cohen seine Band "Big Vicious", nachdem er aus der USA zurück in seine Heimat Israel gezogen war. Die Ambition war es, Mitspieler zu finden für ein Projekt das in erster Linie nach Jazz klingt, und darin Nuancen von Ambient, Electronica, Psychodelic und seinen Groove aus moderner Rhytmik aus dem Pop Bereich besitzt. Stücke die alleine von ihrer Intensität leben können. Alle Musiker seiner Band kommen auch aus dem Jazz und bringen jeder für sich ihren eigenen musikalischen Hintergrund mit ein, wodurch ein ungemein vielfältiger Klangkosmos ensteht. Da wird gejazzt und gegroovt, wobei die Kombinationen aus Trompete, Gitarren, Synthesizer und Schlagzeug eine unerwartete Tiefe erzeugt und warme emotionale Klangbilder erschafft. Wozu Gesang, wenn doch der Klang alleine einen auf die Reise schickt. Die Kompositionsarbeiten für das Album fanden in Tel Aviv statt zusammen mit Yuvi Havkin. Diese Art der Arbeit war für Cohen neu, denn bis dato hatte er noch nicht mit anderen Musikern komponiert. Diesen Unterschied spürt der Hörer, denn dadurch, das alle Musiker in den Enstehungsprozess einbezogen waren, konnte der Klang eines Stückes bis ins kleinste Detail ausgefeilt werden. Yuvi Havkin war stets dabei und Teil des Prozesses. Er brachte sich ebenso mit ein. So kam die Idee eine indische Tonleiter als Grundlage für die Melodie von "Fractals" zu nehmen von ihm, oder etwa "Teno Neno" geht auf eine Anmerkung von ihm zurück.

Wenn man sehr genau hinhört erkennt man Coverversionen in der Stückfolge. So stammt "Teardrop" von der Band Massive Attack, wobei die Trompete den Part des Leadsängers einnimmt. Trompete ist tragendes Element, wenngleich sie sich nicht exponiert, sondern die anderen Instrumente einlädt sie zu begleiten.

Der intensiven Studioarbeit ging eine Auswertung von Live-Aufnahmen voraus, was dazu führte das man die Musik feiner abstimmen konnte, kleine Details fand die man ausbauen wollte, oder aber Verbesserungen machen konnte und Arrangements umgestaltete. Somit entstand ein Album, dass durch seine emotionale Vielfalt beeindruckt - nur alleine durch die Klangfarben der Instrumente.

Scheinbar mühelos grooven die Musiker hier und trotz der leichten Melancholie, die Jazz nun einmal zu eigen ist, ist das Album mitreißend und schwungvoll. Das mag daran liegen, dass die Musiker die Stimmung eingefangen haben an den 3 Aufnahmetagen und wirklich Alles an Emotionen gegeben haben. Der Hörer bekommt Atmosphäre, Qualität und Zeit zur inneren Ruhe geliefert.

Das Album sollte im Zuge einer ausgedehnten internationalen Tournee veröffentlicht werden. Nun jedoch kann ich es in einer Welt die aus den Angeln gehoben wurde in der Zeit der Veröffentlichung, Euch als ein Album zur Entspannung und zum Träumen anempfehlen! (MN)



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