PETER HOOK - Substance - Inside New Order


Erstveröffentlichung: Buch 2016 / Dey St./Harper Collins Publishing / ISBN 978-0-06-230797-2

Wer mich ein bisschen kennt weiß, dass NEW ORDER meine absolute Lieblings-Band ist. So habe ich im Laufe der Zeit zahlreiche Bücher über die Band gelesen - und natürlich über Joy Division. HOOKs "Unknown Pleasures" war schon großartig und sein "Hacienda"-Buch liegt schon bereit. Zuvor hatte ich schon Bernard Sumners Autobiografie gelesen, insofern ist der direkte Vergleich der Sichtweisen der alten Freunde und Feinde sehr spannend.

Während Sumner eher eine Autobiografie geschrieben hat, in der die Bandgeschichte eine untergeordnete Rolle spielt, schafft HOOK es, eine gute Mischung aus eigener Autobiografie und Band-Biografie zu liefern. Wer also was über die Band wissen will, ist mit "Substance - Inside New Order" besser bedient.

Der Schreibstil ist gewohnt umgangssprachlich, nicht geschliffen und so, wie man es von einem eher „grobschlächtigen“ Mancunian erwartet. Das macht das Lesen aber gerade sehr unterhaltsam, ich denke, da ist nach dem Niederschreiben nicht noch ewig überarbeitet und glattgeschliffen worden.

Die Geschichte ist voller Anekdoten, Hintergrundinfos, ungeschönten Drogenexzessen und auch den wachsenden Hass zwischen ihm und Sumner spätestens seit Ende der 80er Jahre. Das alles ist spannend, interessant, lustig, dramatisch, zum Kopfschütteln und auch mal traurig. Vor allem aber unterhaltsam. Auch sich selbst nimmt Hook bei der Kritik nicht aus, er stellt sich vor allem in seiner harten Drogen/Alkohol-Zeit als übles Arschloch dar und wenn man mal davon ausgeht, dass er die eine oder andere besonders heftige Begebenheit ausgespart hat, muss es ziemlich hart gewesen sein.

Wie immer bei Autobiografien weiß man nicht, was alles wahr ist, was im Nebel der Zeit falsch erinnert wurde, was hinzugedichtet und was einfach falsch. Zu vielen konkreten Dingen hat Sumner eine andere Sichtweise...schön, dass man nun beide nachlesen kann, um sich eine eigene Meinung zu bilden.

Der Mehrwert für den Fan ist, dass hier sehr akribisch die Geschichte von New Order aufgearbeitet wurde, inklusive Kalendarien mit wohl fast allen Auftritten der Band und der HOOK-Soloprojekte und anderer wichtiger Ereignisse der Geschichte. jede Veröffentlichung (zumindest die englischen Originale) wird mit wichtigen Daten genannt, man erfährt jede Menge über die Studioarbeit und natürlich über Partys, Partys und Partys.

New Order und Joy Division-Fans kommen an dem Buch nicht vorbei, aber auch, wer sich für Musikgeschichte der (hauptsächlich) 80er Jahre interessiert, erfährt hier Aufregendes. Eine deutschsprachige Ausgabe gibt es meines Wissens noch nicht, aber HOOK schreibt nicht allzu hochgestochen, so dass solides Schulenglisch zum Verständnis ausreichen sollte. Einige Slangbegriffe muss man sich dann halt aus dem Zusammenhang erklären.

PETER HOOK hat zudem einige sehr schöne Bilder aus seinem privaten Fotoalbum hervorgekramt, von denen man viele noch nie gesehen hat.

Absolute Empfehlung also!

Natürlich werde ich zur Vervollständigung auch noch bald die Erinnerungen von Schlagzeuger Stephen Morris lesen. Deborah Curtis' Biografie über das Leben ihres viel zu früh aus dem Leben geschiedenen Mannes Ian habe ich natürlich auch schon hinter mir, ebenso die empfehlenswerten Filme "24 Hour Party People" von Michael Winterbottom und "Control" von Anton Corbjin. Zusammen mitder Musik von Joy Division und New Order und der dieses Jahr von Jon Savage zusammengestellten "Oral History" über Joy Division kann man sich ein sehr gutes Bild über zwei wegweisende Bands machen. (A.P.)



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