THE CURE - The Cure


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Geffen Records

Das 1982 erschienene CURE-Album „Pornography“ begann mit den Worten „It doesn´matter if we all die..“ und endete mit „I must fight this sickness...find a cure“, ein Ausbund an Verzweiflung, Depression und Nihilismus. Das am 28. Juni 2004 erschienene Album „The Cure“ beginnt mit „I can´t find myself...“ und endet mit „I´m going nowhere...could be, I´m already there?“ Dazu gibt es im Booklet den Hinweis „We know you should turn down the lights & turn up the sounds for your optimum listening pleasure“, was man nur unterstreichen kann, denn das Album ist wirklich hervorragend produziert, druckvoll, kraftvoll, monumental.

Viele Leute haben durch den Wechsel zu Geffen Records und den Produzenten (gemeinsam mit Robert Smith) Ross Robinson befürchtet, dass der alte, viel geliebte CURE-Sound bei diesem Album verloren gehen würde, aber schon nach wenigen Sekunden kann man eindeutig sagen: dies ist ein echtes CURE-Album, das die mit „Bloodflowers“ zurück gewonnenen Fans nicht wieder vergrault. Seit vor einigen Monaten dieses Album, die Selbstbetitelung zeigt wohl einen Neubeginn bei der neuen Plattenfirma an, angekündigt wurde, waren die feuchten Finger der Fans kaum noch trocken zu kriegen. Erste Hörproben im Internet brachten vor allem die eingängige Singleauskopplung „The End Of The World“ auf den Plan. Eingängig, aber mit härteren Gitarren versehen und nicht zu poppig...die Fans waren begeistert. Nun liegt das komplette Album vor und ist wirklich ein Meisterwerk geworden.

Der Opener „Lost“ ist schleppend, schräg und irgendwie ein typischer CURE-Song an dieser Albumposition. Viel versprechend, mit diesem Song werden „echte“ Liebhaber der Gruppe angesprochen und weniger die Leute, die CURE hauptsächlich wegen „Friday I´m In Love“ mögen. Mit „Labyrinth“ geht es dunkel weiter. Der Song schließt an (Live-) Klassiker wie „Fascination Street“ und „Shake Dog Shake“ an, ein Stil den THE CURE mit „Pornography“ erstmals produziert haben und so erinnert hier auch vor allem das Schlagzeug an das wohl legendärste CURE-Album. Zur Entspannung folgt dann „Before Three“, ein Lied mit eingängiger Schrammelgitarre und Ohrwurmqualitäten. Könnte in seiner leichten Hymnenhaftigkeit auch fast vom „Wish“-Album stammen, definitiv ein Anwärter für eine Singleauskopplung. Soweit hat es „The End Of The World“ schon geschafft, eine recht typische CURE-Single, eingängig, aber trotzdem nicht oberflächlich und mit Ecken und Kanten versehen. Ruhiger und dunkel, fast psychedelisch ist im Folgenden „Anniversary“, bevor mit „Us And Them“ eine großartige CURE-Hymne folgt, monumental, düster, rockig, versehen mit dröhnendem Bass. Das klingt, auch textlich, fast wie eine langsamere Version von „Give Me It“ oder „Shiver And Shake“. Da hat Mister Smith eine Menge Wut hinein gesteckt, definitiv ein Höhepunkt des Albums und mit Sicherheit ein kommender Liveklassiker der Engländer. „Alt.End“ zeigt dann erstmals auf „The Cure“, dass CURE auch offen für „andere“ Klänge sind. Das klingt schon fast nach dem im Vorfeld befürchteten Alternative-Rock und ist zudem noch überraschend glatt produziert, bis hierher der schwächste Song des Albums, aber das ist noch entschuldbar. Schön poppig im Stil der „Wild Mood Swings“ CD ist dann wieder „(I Don´t Know What´s Going) On“, auch hier ist eine Auskopplung nicht unwahrscheinlich. Irgendwo zwischen den Hits „Just Like Heaven“ und „High“ ist „Taking Off“ angesiedelt, das dürfte wohl die zweite Single nach „The End Of The World“ werden, wieder einmal ein echter THE CURE-Pop-Ohrwurm. „Never“ ist wieder eher rockig und braucht einige Durchläufe, um sich durchzusetzen. Wenn da nicht Robert´s Stimme wäre, würde man das kaum als CURE-Song erkennen. „The Promise“ ist ein über 10-minütiges, finsteres Epos, das klar an „Watching Me Fall“ anschließt. Nach rund 55 Minuten klingt das Album dann mit „Going Nowhere“ aus, einem Track ganz im Stile von Songs wie „Untitled“ oder „Homesick“ vom „Disintegration“-Album. Damit ein großartiges Album viel zu schnell wieder zu ende und man hört es gleich noch einmal durch, und noch einmal, und noch einmal...

Sehr schön gelungen ist auch das Artwork, das aus Kinderzeichnungen besteht. Was auf den ersten Blick vielleicht etwas dilettantisch aussieht, erscheint beim zweiten dann doch sehr passend und stimmig.

Neben der normalen CD-Fassung gibt es auch noch eine Doppel-LP, die drei zusätzliche Tracks enthält, sowie die CD-Deluxe-Edition, die als Bonus eine rund 20minütige DVD enthält, auf der die Band bei der Produktion des Albums beobachtet werden kann. Dabei gibt es weitere, nicht auf dem Album vertretene Songs zu hören. Für Fans definitiv eine mehr als schöne Zugabe. Zudem offenbart die CD, in den PC eingeschoben, einen Link, der zu einer „geheimen“ CURE-Website führt, die zusätzliche Infos und einiges mehr enthält. Rundum also eine gelungene Veröffentlichung, die wohl alle alten Fans begeistern dürfte. CURE bleiben weiterhin eine feste Größe, ohne sich zu verkaufen. 2 x Rock, 4 x Cure-Pop und viele „echte“ Cure Songs, von denen einige Klassiker-Potential haben. „The Cure“ gehört für mich schon jetzt zu den fünf, sechs besten CURE-Alben. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com


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