THE CURE - 09.11.2002 – Hamburg, Color Line Arena


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2002

Endlich waren THE CURE wieder unterwegs, diesmal für nur drei Konzerte in Deutschland und eines in Belgien. Alle Auftritte sollten etwas Besonderes werden. Zweimal in Berlin und einmal in Belgien wurde das so genannte „Trilogy“ Programm angekündigt, das heißt, dort sollten die drei wohl wichtigsten CURE Alben „Pornography“, „Disintegration“ und „Bloodflowers“ komplett gespielt werden, wobei die Berliner Auftritte für eine zukünftige DVD-Veröffentlichung gefilmt wurden.

In Hamburg hingegen war das Konzept ein anderes. Aus Anlass der am Vortage neu eröffneten Color Line Arena spielten THE CURE eine Art Best Of/Greatest Hits Programm, erweitert durch viele Songs, die man sonst nur sehr selten live geboten bekommt. Äußerst gespannt machte ich mich also rechtzeitig in die neue Riesenhalle auf, traf gleich diverse Bekannte und begutachtete den Protzbau (angeblich Europas modernste Mehrzweckhalle). Sieht natürlich noch alles schön neu und wirklich modern aus, allerdings war der Einlass etwas zähflüssig organisiert und die vielen vielen Angestellten waren teilweise etwas übereifrig, aber wahrscheinlich hatten sie auch noch etwas Lampenfieber. Die Preise für das reichhaltige Speise- und Getränkeangebot waren happig, aber das durfte man wohl erwarten. Zudem waren die Pinkelbecken auf den Herren-Klos wahrscheinlich für Zwerge und Haiko gebaut. Da unsere kleine Gruppe bestehend aus Herrn Kü., Herrn He. und mir ja nun doch schon zur älteren Generation von CURE Fans gehört, hatten wir und den Luxus gegönnt und Sitzplatzkarten gekauft, was sich als gute Idee herausstellte, denn wir hatten einen sehr guten Blick auf die weit entfernte Bühne und mussten uns nicht in das Menschengewimmel im Innenraum begeben. Da wir auch noch in der Nähe des Ausgangs saßen, waren die Luft und die Temperatur zudem sehr erträglich. Die Halle war mit schätzungsweise 8000-9000 Menschen sehr gut gefüllt (die Oberränge waren nicht geöffnet), das Publikum war bunt gemischt, vom Schlabberhosen-Teenie mit Ben-Wollmütze, bis zum Anzugträger in gesetzterem Alter, allerdings war, wie schon bei den vergangenen Konzerten schwarz nicht die dominierende Farbe und auch schöne Frisuren gab es nur vereinzelt zu sehen. Dafür waren aber Menschen aus ganz Deutschland angereist, ebenso aus dem Ausland, so hörte ich viele englisch sprechende Leute, Franzosen, Dänen und andere Landsleute. Nun sollte aber kurz vor 20.30 Uhr das Konzert endlich beginnen, das Licht ging aus und ein gigantischer Jubelsturm brach los, als die Band die Bühne betrat und mit „Want“ das Set gelungen eröffnete. Es folgte „Shake Dog Shake“, das ich nach wie vor für einen brillanten Live Song halte. Danach gab es eine stimmige Mischung aus Songs aller CURE Phasen seit 1978, wobei die Alben „Kiss Me Kiss Me Kiss Me!!!“ und „The Head On The Door“ besonders stark vertreten waren. Lediglich die „Trilogy“-Alben wurden komplett ausgespart, wohl wegen der anstehenden Berlin Konzerte. Neben Bandklassikern wie „If Only Tonight We Could Sleep“, „A Night Like This“, „From The Edge Of The Deep Green Sea“ „Primary“, „In Between Days“, „Just Like Heaven“ und „Play For Today“ spielte die Gruppe tatsächlich einige selten oder noch nie live gehörte Songs wie „The Drowning Man“, „The Baby Screams“, „Torture“, „The Kiss“, „Push!“ (das ziemlich stadionrockig rüber kam, waren das die Simple Minds da vorne auf der Bühne?) und sogar „Grinding Halt“, was ein ums andere Mal Jubelstürme beim Publikum hervor rief. Viel zu schnell war das reguläre Konzert zu Ende, aber wer jemals bei einem CURE Konzert war, wusste, dass das noch nicht alles sein konnte. Dass die Band aber zu vier Zugabeblöcken mit insgesamt 13 Songs noch mal rauskommen würde, war dann doch „der Hammer schlechthin“. Klugerweise hatte man die einzelnen Zugabenblöcke stilistisch getrennt, d.h., in einem wurden Klassiker wie „M“ gespielt, in anderen die Popsongs wie „Why Can´t I Be You“, „Friday I´m In Love“, „Let´s Go To Bed“ und das unsterbliche „Boys Don´t Cry“. Natürlich wurde „A Forest“ gespielt, das in eine „Three“ Improvisation überging wie in alten Zeiten und jeder dachte, das wäre es nun gewesen. Aber einmal kam die Band noch auf die Bühne und spielte doch noch drei Songs der „Trilogy“-Alben, nämlich „One Hundred Years“, „Fascination Street“ und „Bloodflowers“. Danach verließen sie die Bühne endgültig und das Publikum zufrieden die Halle. Wie immer hatten THE CURE es ohne große Show (abgesehen von der Lightshow, die besonders bei „One Hundred Years“ gigantisch war und dem Gepose von Simon Gallup) geschafft, eine gute Mischung aus Hits und Klassikern zu bieten. Bei den Zugaben wie „Close To Me“ lief Herr Smith sogar singend über die Bühne, nachdem er vorher nur recht bewegungslos an seinem Mikro gestanden hatte. Es war sicherlich nicht das Beste CURE Konzert, bei dem ich war (das war 1989 auf der „Prayer“ Tour), aber doch ein sehr gutes mit einer Songmischung, die man so wohl nicht mehr allzu oft zu Gehör bekommen wird. Wie gewohnt, fast genau 3 Stunden große Musik! Ich freue mich schon auf das neue Album in 2003 und dann hoffentlich auch auf eine weitere Tour. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com


[ ZURUECK ]