THE CURE - Bloodflowers


Erstveröffentlichung: CD 2000 / Fiction Records / Polydor

Da ist es endlich, das neue Album von THE CURE. Nachdem Robert Smith ja schon seit elf Jahren androht, mit der Musik Schluß zu machen, weil er ja schon dreißig ist, hat er sich doch noch einmal aufgerafft und den Fans ein Album präsentiert. Für alle Fans, die seit der ersten Single („Love Cats“) Fans sind und auf „Friday I´m In Love“ stehen, ist das Album nichts, aber diese Leute dürfen sich eigentlich ja auch gar nicht Fan schimpfen. Für die andere Gruppe allerdings, für die „Pornography“ das größte Album aller Zeiten ist, dürfte „Bloodflowers“ genau recht sein, obwohl es eigentlich mehr an „Disintegration“ erinnert. Gerüchte besagen ja, daß die Plattenfirma aus den Songs, die allesamt keine Single-Songs sind, zähneknirschend drei Stücke als Auskopplung ausgesucht und Robert Smith hatte nichts besseres zu tun, als genau diese drei Songs rauszuschmeißen. Dies war eine Trotzreaktion auf das „Best Of“-Album „Galore“, welches eigentlich ein „Best Of“-Album sein sollte, aber dann nur ein „The Singles“-Album wurde. Wir wissen ja alle, daß die Cure-Singles nicht zu den besten Songs von THE CURE zählen und das weiß wohl auch Robert Smith. Fakt ist, auf dem neuen CURE-Album gibt es nur gute Stücke, aber keinen wirklich Knaller, der in die CURE-Geschichte eingehen wird. Aus diesem Grunde ist es schwer, nun einzelne Lieder hervorzuheben, ich tu´s bei zweien aber trotzdem: „Watching Me Fall“ ist ein 11-Minuten-Epos mit kreischenden Gitarren und „There Is No If...“ könnte der einzige Song sein, den man mit Ach und Krach auskoppeln könnte (nicht zuletzt wegen der Länge, das einzige Lied unter 5 Minuten).

Glückliche Umstände haben übrigens das Team vom BACK AGAIN in die Hamburger Markthalle getrieben, wo THE CURE das erste Warm-Up-Konzert der 2000er-Tour gespielt hat. Hier war schon, zwei Wochen vor CD-Veröffentlichung klar: Es geht wieder in die düsteren Gefilde. Alles freundliche wurde rausgeschmissen, kein „Friday I´m In Love“ mehr, kein „Just Like Heaven“ und ähnliche Songs, ja, nicht einmal mehr „Boys Don´t Cry“ und „Killing An Arab“. THE CURE haben sich inzwischen ihren epen-artigen Lieder verschrieben und gehen keine Kompromisse mehr ein.

Noch mehr glückliche Umstände haben die BACK AGAINs dann auf die After-Show-Party geführt, der obere Raum in der Markthallte, der geschmückt mit rotem Samt und Rosen sowie an die Wand geworfenen Dias von Robert in seiner vollen Pracht erstrahlte. Neben kostenlosen Getränken und Häppchen gab sich dann auch die komplette Band die Ehre. Während alle anderen mit 2-3-Minuten-Talks und Floskeln abgespeist wurden, hat es das BACK AGAIN-Team (nach wilden Diskussionen mit Bodyguards und von der Plattenfirma angestellten Fotografen) geschafft, den Meister, dem Idol unserer Jugend, 40 Minuten lang zu fesseln. Heraus kamen ein paar Tatsachen, die die Fans wirklich bewegen. Zuallererst sei gesagt, daß Robert Smith auch lachen kann und Humor besitzt. Hoffentlich haben wir damit jetzt nicht den Mythos um ihn herum zerstört (für die Detailfreudigen: Er raucht sogar!). So wurde uns von ihm mitgeteilt, daß er eigentlich nicht mit betrunkenen Personen redet, doch als wir ihn darauf aufmerksam machten, daß er nach seinen zehnten „White Russian“-Cocktails weitaus betrunkener sein müßte als wir, hat er eingesehen, daß er im Unrecht ist.

Zur Musik sagte Robert, daß auf der richtigen Tour noch ein paar andere Lieder im Programm sein werden, so kann die Pop-Fraktion vielleicht doch noch auf ein paar Radiohits hoffen. Die Playlist wird übrigens eine Stunde vor jedem Konzert von Robert erstellt und die Band hat keinerlei Mitspracherecht. Überhaupt hat die Band anscheinend wenig zu sagen, doch beteuert Robert, daß noch niemals ein Bandmitglied von ihm gefeuert wurde, alle seien freiwillig gegangen. Trotzdem ist er der Meinung, daß der Sänger in einer Band immer die entscheidene Person ist, auf die es ankommt. Im Falle von THE CURE ist das durchaus richtig.

Auf unsere Frage, warum er sich denn wieder der Lead-Guitar verschrieben hat, antwortete er uns, daß er es halt interessanter fände, die Gitarrensoli zu spielen, sonst hätte er ja nicht so viel zu tun auf der Bühne. Dazu sei von uns auch gleich verraten, daß die Show von THE CURE nicht gerade berauschend ist, vielleicht hätte Robert hier etwas mehr daran feilen können, anstatt sich an den Soli festzuhalten. Aber das sind wir ja auch nicht anders gewohnt, oder hat schon mal jemand erlebt, daß eine CURE-Show was für´s Auge war?

Die meisten Lieder komponiert unser guter Robert übrigens zu Hause am Klavier, wobei seine bessere Hälfte Mary immer etwas genervt ist, denn Robert ist nicht gerade Richard Clayderman.

An mehr Details kann sich das BACK AGAIN-Team nicht mehr erinnern, wie schon erwähnt, hat das etwas mit dem Alkoholspiegel der Redakteure zu tun und da die Zusammenkunft überraschend war, hatte auch niemand ein Aufzeichnungsgerät dabei und die Hirne waren zum Aufzeichnen schon etwas zu benebelt.

Abschließend bleibt aber noch zu erwähnen, daß Robert Smith vom BACK AGAIN-Team derart angetan war, daß er uns zum Hamburg-Konzert in der Alsterdorfer Sporthalle backstage zu einem Interview eingeladen hat. Zusätzlich sollen wir dazu noch eine CD unserer eigenen Band JOHNNY BETON mitbringen, vielleicht klappt es ja doch noch mit der Musikkarriere, als Vorband zu THE CURE, das wäre selbstredend der Höhepunkt im Leben.

Für die Fans sei hier noch das Rezept für den White Russian verraten:
3 cl Creme de Cacao
6 cl Wodka
2 Tl Sahne
Alles in einem Shaker kräftig schütteln und in ein Cocktailglas seihen. Ist superlecker.

Zuguterletzt dann noch ein Zitat des Meisters, welches wir einfach mal unkommentiert im Raum stehen lassen wollen:
„The best thing is always the first fuck“

So long.

Das BACK AGAIN TEAM (H.H.)

Endlich hatte das Warten ein Ende, nach dem 96er Album „Wild Mood Swings“ erschien, nur unterbrochen von der Singlescompilation „Galore“, das erste Cure Album seit fast vier Jahren. Die Vorankündigungen waren euphorisch, sollte „Bloodflowers“ doch dritter Teil einer imaginären Trilogie sein, die mit den Alben „Pornography“ und „Disintegration“ begonnen hatte. So klingt „Bloodflowers“ dann auch, nämlich genau wie eine Mischung aus diesen beiden 80er Jahre Klassikern, wobei auch noch ein Schuß „Wish“ dazukommt,der aber nicht besonders stört. Bezeichnenderweise sind diese drei Platten auch die einzigen, auf denen Robert Smiths Gesicht auf dem Cover ist (ausgenommen diverse Livealben und Singles/Maxis), so daß ein bißchen der Eindruck entsteht, daß dies die Alben sind, mit denen sich der Mann wirklich indentifizieren kann. Mit „Out of this world“ fängt das Album ganz in der Tradition von Alben wie „Kiss me...“ und „Disintegration“ an, ein Titel, der auch als Konzertopener hervorragend rüberkommt. Das endlos lange „Watching me fall“ zeigt danach deutlich die Parallelen zu den beiden obengenannten Platten. Eingängigster Track ist mit Sicherheit „Maybe someday“, in „39“ verarbeitet Robert Smith autobiographisches und der letzte Titel „Bloodflowers“ steht ganz in der dunkel-monumentalen Tradition vom Titelsong der „Disintegration“. Mit dieser Platte werden CURE viele ihrer mit „Wish“ und „Wild Mood Swings“ verprellten Fans wieder versöhnen können, für mich ist „Bloodflowers“ schon jetzt einer der ganz großen CURE-Klassiker! (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com


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