ASHTRAYHEAD - Ashtrayhead


Erstveröffentlichung: CD / Modern Music Records / SPV

Wer CUBANATE kennt, der kennt auch MARC HEAL. Der gute Mann ist mit seiner Band wohl nicht ausgelastet und deshalb macht er alleine ein paar Seitensprünge. So produziere er kürzlich die CD ""Slave"" von Static Icon (siehe letzte Ausgabe), wirkte beim Cyber-Tec Project mit und bereitet uns nun Freude mit dem neuen Projekt ASHTRAYHEAD. Wie immer natürlich elektronische Musik, recht melodisch, wieder einmal sehr treibend und tanzbar und dadurch discotheken- bzw. sogar hitverdächtig ist. Auch moderne Dancebeats á la Techno, House, Jungle schrecken Heal nicht mehr ab und so entsteht dieses Album, das in meinen Augen wirklich recht modern ist und der breiten Öffentlichkeit Freude schenken wird. (H.H.)

THE CURE - Pornography


Erstveröffentlichung: CD 1982 / Fiction / Polydor

Wenn man sich unter den (älteren) CURE-Fans nach dem besten Album der Band umhört, werden die meisten wohl „Pornography“ nennen. Nicht zu unrecht, denn diese vierte LP der Band von 1982 ist wohl eins der intensivsten Stücke Musik, die je auf Vinyl oder CD gebrannt wurden. Monotone Drums, jaulende Gitarren, wummernder Bass und die leidende Stimme Robert Smith´s, der von Einsamkeit, Bitterkeit und Verfall singt machen „Pornography“ zu einer ultimativen Selbstmordplatte, wobei die Düsternis vor allem aus der Monotonie und Aggressivität entsteht, die jeder einzelne Song ausstrahlt. Anfangen tut die Platte mit dem Live-Klassiker „One Hundred Years“, der bei vielen Fans zu den absoluten Lieblingsstücken gehört, gefolgt von „A Short Term Effect“ und der etwas eingängigeren Singleauskopplung „The Hanging Garden“ und dem morbiden „Siamese Twins“. Mit „The Figurehead“, „Cold“ (selten verdiente ein Lied seinen Titel mehr) und dem Titelstück „Pornography“ wird die Atmosphäre gekonnt beibehalten. Mein Lieblingsstück ist aber „A Strange Day“, nicht nur auf dieser Platte, sondern bei THE CURE überhaupt (abgesehen vielleicht von „Plainsong“). Nach der Vermischung aus Pop und Punk auf „Three Imaginary Boys“, dem New Wave von „Seventeen Seconds“ und der Trauer und Hilflosigkeit auf „Faith“ hat die Gruppe mit „Pornography“ ein Album produziert, das als einziges zumindest ein bißchen der Gothic-Schublade zugeordnet werden kann. In jedem Ton hört man schon die bandinternen Probleme, die schon bei den Aufnahmen bestanden und am Ende der anschließenden Tour zur vorübergehenden Auflösung der Gruppe führten, bevor sich Robert Smith und Lol Tolhurst etwas später ohne Simon Gallup mit den Popsingles „Let´s Go To Bed“, „The Walk“ und „The Lovecats“ zurückmeldeten, die wohl auch so etwas wie eine Therapie von den düsteren, selbstzerstörerischen Zeiten waren. Nie zuvor und nie danach waren THE CURE so genial und so düster, wie auf „Pornography“. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

THE CURE - Faith

Wiederveröffentlichung: CD 1981
Erstveröffentlichung: LP 1981 / Fiction / Metronome

Grau...das ist wohl das beste Wort, um diese Platte treffend zu beschreiben.

Schon das Cover bietet nur ein verschwommenes, graues Etwas, das ein Gebäude sein könnte. Bandname und Albumtitel stehen schmucklos in der oberen linken Ecke. Der erste Song „The Holy Hour“ eröffnet die Platte mit einer monotonen Basslinie und dann eine minimalistische Gitarre und Robert Smith´s erste Worte „I kneel and wait in Silence as one by one the people slip away...“. Trostloser kann man eine Platte wohl kaum anfangen. War „Seventeen Seconds“ noch purer New Wave, der häufig auch gut im Ohr blieb, so dürfte „Faith“ das Massenpublikum beim Erscheinen zunächst schockiert haben, schon, weil die Vorabsingle „Primary“ zwar nicht gerade fröhlich, aber doch treibend und relativ tanzbar war. In dem Stil bietet „Faith“ nur einen weiteren Song, nämlich „Doubt“, der schon ein wenig die Richtung, die ein Jahr später mit „Pornography“ eingeschlagen wurde, aufzeigt. Bei „Other Voices“ dominiert wieder der durchdringende Basslauf. Die Ähnlichkeit zu „The Holy Hour“ ist unverkennbar, doch lassen sich durchaus auch Verbindungen zu Joy Division ziehen. Hätte eine weitere Single ausgekoppelt werden sollen, wäre „Other Voices“ wohl der Favorit gewesen. Danach „All Cats Are Grey“, ein Lieblingslied vieler Fans über die Jahre und einfach nur todtraurig. Mit „The Funeral Party“ folgt eines meiner Lieblingslieder und, zumindest musikalisch, vielleicht der Ursprung von „Plainsong“. „The Funeral Party“ ist wohl die ultimative Selbstmordhymne, ein monumentales Lied und eine gigantische Komposition, die man nicht hören sollte wenn man nach dem Ende einer großen Liebe im Hochhaus am offenen Fenster steht und sich grämt. „Two pale figures ache in silence, timeless in the quiet ground, side by side in age and sadness...“

„The Drowning Man“ kommt dann wieder im Stile von „Other Voices“ und „The Holy Hour“ und wird von der Band bis heute gelegentlich live gespielt, was stets Gänsehaut bei Tausenden von „älteren“ Leuten im Publikum erzeugt. Ausklingen tut die Platte dann schon wieder mit dem Titelsong „Faith“, einem weiteren Fan-Favoriten und weit weniger positiv, als der Titel verspricht. Auch dieser Song gehört zu den ganz großen Monumenten in der CURE-Geschichte. Damit ist eines der traurigsten Alben aller Zeiten auch schon wieder beendet und man bleibt desillusioniert zurück. Vergleichbar ist „Faith“ höchstens mit Joy Division´s Meisterwerk und Vermächtnis „Closer“. Nicht nur, weil dies eine der ersten CURE-Platten war, die ich kannte, gehört „Faith“ sicher zu den Top 3 der Band. Selten wurde Trost- und Ratlosigkeit so perfekt eingefangen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

THE CURE - Seventeen Seconds


Erstveröffentlichung: CD 1980 / Fiction / Metronome

Mit dem zweiten Album „Seventeen Seconds“ fanden THE CURE nach dem eher aus unabhängig voneinander bestehenden Popsongs von „Three Imaginary Boys“ zu ihrem eigenen Stil, wohl auch durch den neuen Bassisten Simon Gallup, der der Band mit einer dreijährigen Unterbrechung bis heute treu geblieben ist. „Seventeen Seconds“ kennt man heute vor allem durch „A Forest“, einem der bekanntesten CURE-Songs überhaupt. Beliebt unter Fans sind aber auch immer noch die Live-Hits „Play For Today“ und „M“, doch auch alle anderen Lieder können den hohen Standard halten. Stilistisch ist dies wohl das „wavigste“ Album der Gruppe. Um 1980 war die große Punkexplosion vorbei und man konnte wieder Popmusik machen, die allerdings aufgrund der „Angst“ vor den bevorstehenden 80er Jahren (ich sage nur Helmut Kohl, Maggie Thatcher, Ronald Reagan...) eher dunkel, teilweise düster oder zumindest melancholisch angelegt war und mit dem Beat der 60er oder dem Schweinerock der 70er nichts mehr gemein hatte. New Wave wurde von einer Generation junger Leute gespielt, die sich an die Existenzialisten der 50er und 60er Jahre anlehnten, Vorbilder dürften wohl Gruppen wie Velvet Underground und die Doors gewesen sein. THE CURE waren nicht die erste Gruppe, die diesen Stil spielte, aber mit Abstand die erfolgreichste und sicherlich auch eine der einflußreichsten. Schon das Frontcover spiegelte die Stimmung der Songs wieder, bestand es doch aus dem verschwommenen Foto eines herbstlich-kahlen Waldes.. Die Musik ist noch nicht so morbide, wie auf dem Nachfolger „Faith“, der Sommerpop von „Three Imaginary Boys“ ist aber schon Lichtjahre entfernt. „Seventeen Seconds“ ist sicherlich eines der homogensten CURE-Alben und eines meiner liebsten. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

THE CURE - Three Imaginary Boys


Erstveröffentlichung: CD 1979 / Fiction / Polydor

Mit diesem Album fing alles an, THE CURE traten erstmals in eine breitere Öffentlichkeit und konnten mit dem Coverkonzept (nur drei Haushaltsgeräte auf dem Frontcover, schwer zu findende Titelangaben) gleich überraschen, was einiges an Presse sicherstellte.

Eröffnet wird das Album vom immer noch genialen, minimalistischen ""10:15 Saturday Night"", das einer der großen CURE-Klassiker ist. Es folgen einige Popsongs, die ein wenig vom Punk beeinflußt sind wie ""Accuracy"", ""Object"", ""Fire In Cairo"" und ""It´s Not You"". Zu meinen Lieblingsliedern gehört ""Grinding Halt"", einer der ersten CURE-Songs, die ich überhaupt kannte. Mit ""Foxy Lady"" ist ein Jimi Hendrix Cover vertreten, dazu ""Another Day"", ""So What"", ""Meat Hook"" und das bis heute immer noch geniale ""Subway Song"". Mit dem Titelsong ""Three Imaginary Boys"" zeigten THE CURE bereits hier, wohin die Reise auf den nächsten Alben ""Seventeen Seconds"" und ""Faith"" gehen sollte. Unter all den Pop-Songs sticht dieser Titel hier noch ein wenig raus, ist aber wohl gerade deshalb ein fast unverzichtbarer Titel bei Konzerten geworden. Nicht erwähnt und eigentlich auch unnötig ist der Instrumentaltitel ""The Weedy Burton"", der wohl eher als Witz zu verstehen ist und sich an den eigentlich letzten Titel ""Three Imaginary Boys"" anschließt und somit ein frühes Beispiel der heute weitverbreiteten Unart des ""Hidden Track"" ist.

Mit diesem Debut zeigen THE CURE, daß sie zwar von Pop und Punk beeinflußt, aber doch gewillt waren, einen eigenen Weg zu gehen, der bereits mit dem Nachfolger ""Seventeen Seconds"" eindrucksvoll aufgezeigt wurde. (A.P.)



Hier nur noch ein paar Infos zu den einzelnen Songs, die aus der Cure-Biographie ""Never Enough"" zusammengesammelt wurden:

""10:15 Saturday Night"": Neben ""Killing An Arab"" das beliebteste Lied aus der Frühphase der Band, sowohl damals als auch heute. War zudem die B-Seite der ersten 7"" ""Killing An Arab"", wobei es sich eigentlich eher um eine Doppel-A-Seiten-Single handelte.

""Accuracy"": Laut der Cure-Biographie ""Never Enough"" ein ""weiterer Ausdruck von Post-Punk-Verzweiflung"", bei dem das Lied knochentrocken rüberkommt und bei dem Robert Smith seinem Gesangsstil (nämlich halb gesprochen) gut rüberbringt.

""Grinding Halt"": Stammte ursprünglich von Lol Tolhurst, Smith hat es aber bearbeitet. Abgehackte Rhythmusgitarre, abgehacktes New-Wave-Schlagzeug, erinnert an das Album ""Drums And Wires"" von XTC.

""Another Day"": Weist den Weg zu späteren, düstereren Alben wie ""Faith"" oder ""Pornography"". Ein Lied über Eintönigkeit und Langeweile.

""Object"": Smiths Stimme wird hier teilweise ordentlich mit Effekten bearbeitet. Laut Smith eine ""Persiflage auf einen sexistischen Song"".

""Subway Song"": Laut Autor Jeff Apter ""versucht sich die Band auf mittelmäßige Weise am ´Rock´n Roll Noir´"". Planlos, wie er schreibt. Robert Smith erzählte zu dieser Zeit immer wieder, dass er eine Geschichte gehört hätte über jemanden, der in der U-Bahn ermordet wurde.

""Foxy Lady"": Nun geht es mit dem Album bergab, so der Autor. Muss ich allerdings bestätigen. Diese Jimmy-Hendrix-Coverversion ist unschön. Hier singt auch nicht Robert Smith, der ein Riesen-Hendrix-Fan ist, sondern sein Bandkollege Mal Dempsey.

""Meathoook"": Ebenso kein allzu gelungenes Stück, hier ""scheinen The Cure rapide die Ideen auszugehen"", während Smith irgendwas von einem Besuch beim Metzger erzählt. Der Refrain allerdings ist schon recht gelungen, wie ich sagen muss.

""So What"": Neben ""Foxy Lady"" der Tiefpunkt der Platte, der ""Text"" stammt angeblich zum Teil von einer Zuckerpackung, von der Smith irgendwas über Kuchen ablas. Am Ende hört man, wie Smith die Zuckerpackung zusammenknüllt. Das Stück soll übrigens besoffen eingesungen worden sein.

""Fire In Cairo"": Scheint an ""Killing An Arab"" anzuschließen, zumindest was das Geographische angeht. Sehr nettes Stück.

""It´s Not You"": Gehört in die Tradition von ""Meathook"", ist aber auch eher ein schwaches Lied, das es wohl nur auf das Album geschafft hat, weil es live beim Publikum gut ankam.

""Three Imaginary Boys"": Hier gibt es wieder einen Ausblick auf das, was noch kommen sollte, Musik, die auf ""Faith"" und ""Seventeen Seconds"" hindeutet, wunderbar.

Insgesamt ein Album, das nicht zu meinen Favoriten gehört. Erstaunlich ist, dass man ""Killing An Arab"" nicht mit auf das Album genommen hat, denn zu dieser Zeit war das Stück (neben ""10:15 Saturday Night"") der große Hit der Band. (H.H.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

THE CURE - Boys Don´t Cry

Wiederveröffentlichung: CD 1986 / Fiction / Polydor
Erstveröffentlichung: LP 1979 / Fiction / Polydor

Nach dem Debut ""Three Imaginary Boys"" wurde hauptsächlich für den amerikanischen Markt das Album ""Boys Don´t Cry"" nachgeschoben, das auf der LP neben 8 Tracks des ersten Albums auch noch die drei ersten Singles enthielt, sowie mit ""World War"" einen bis dahin unveröffentlichten Titel. Bei der CD Veröffentlichung 1986 war die Titelliste bei einer frühen Pressung identisch mit der LP, bei späteren Pressungen wurden jedoch die Songs ""Object"" und ""World War"" gestrichen, dafür kam ""So What"" hinzu. Musikalisch gibt es wie gesagt außer ""World War"" auf der LP nichts unbekanntes zu hören, die Songs sind wie bekannt recht eingängiger Pop mit vielen Wave-Klängen und ein wenig Punk. (A.P.)

Webadresse der Band: www.thecure.com

SEEDCAKE - Everything´s Not Right


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Solaris Music

Mal wieder eine weitgehend unbekannte Band, die in Eigenregie ihre neue CD unters Volk wirft. Selbst bezeichnet die Gruppe ihre Musik als „druckvolle, melancholische Rockmusik aus Göttingen“ und das kann man so weit unterschreiben. Wobei ich die Melancholie nicht so in den Vordergrund stellen würde, aber ROCK stimmt definitiv, vielleicht noch mit einem „Alternative“ davor gesetzt. Die Melancholie ergibt sich meist aus den hier und da eingesetzten Synthies, die mit einigen Schweine-Rock-Soli zusammentreffen. SEEDCAKE spielen definitiv keinen Metal, aber es würde mich nicht wundern, wenn das eine oder andere Bandmitglied einige solche Platten im Schrank stehen hätte. In den besten Momenten erinnern die Melodien ein wenig an New Model Army und beim Gesang geht es durchaus auch mal in die Placebo-Richtung, aber an beide Bands kommen SEEDCAKE nie richtig heran. Vielleicht kann man´s auch als Mischung aus Liquido und Reamonn bezeichnen und ich hoffe, ich trete SEEDCAKE damit nicht zu nahe. Ordentliche CD für Alternative-Rock-Fans, aber letztlich nicht so richtig mein Fall. Live in einem kleinen Club dürfte die Band deutlich mehr Spaß machen. (A.P.)

Webadresse der Band: www.seedcake.de

KüNSTLER TREU - Treutronics 81


Erstveröffentlichung: 7 Inch EP 2005 / Institut Zur Freundlichen Nutzung Von Kernkrach / Krach 012

KÜNSTLER TREU (Achim Treu) hat jahrelang bei dem Projekt DAUERFISCH hauptsächlich in der Tapeszene gewerkelt, aber auch unter eigenem Namen diverse Platten veröffentlicht und ist seit einiger Zeit Mitmacher bei Der Plan. Kann man im Leben mehr erreichen? Kaum, aber dennoch geht es, indem man nämlich eine Platte mit ganz frühen Aufnahmen bei Kernkrach veröffentlicht, dem Label, das liebevoll verpackte Schallplatten mit ganz frühen, eigentlich längst vergessenen Underground Sounds, hauptsächlich in deutscher Sprache und minimal-elektronisch einzuordnen, veröffentlicht. So hat Herr Treu in seinem Archiv gekramt und vier kleine Musikstücke von 1981 ausgegraben, die man nun auf durchsichtig-grünem Vinyl mit einer leeren Tonbandspule als Verpackung erwerben kann.
Die Musik ist minimal, schräg und irgendwie gar nicht eingängig, was aber wohl gewollt ist. Interessant ist, dass KÜNSTLER TREU bereits 1981 seinen Kommentar zur „Noie(n) Doitschen Welle“ abgegeben hat, bevor diese also komplett verkommerzialisiert wurde.
Sicherlich ist hier nicht der der typische, eingängige Minimal-Electro-Sound zu hören, wie man ihn sonst häufig von Kernkrach geboten bekommt, aber ein Zeitdokument ist die Single trotzdem und sicher nicht nur für Plan-Fans und –sammler ein Kleinod. Limitiert auf verbraucherfreundliche 500 Exemplare dürfte diese Kernkrach Veröffentlichung endlich mal nicht am Erscheinungstag ausverkauft gewesen sein und sollte hier und da noch zu fairen Preisen zu finden sein. (A.P.)

Webadresse der Band: www.kernkrach.de

DER MUßIKANT - Distanz


Erstveröffentlichung: CD 2005 / Genetic Music / GEN 023

Der Künftige Musikant, Der Lustige Musikant, Der Zünftige Musikant, Der Ewige Musikant...alles Namen von oder für den selben Musiker, der auch als Heute aktiv war/ist und sich nun einfach nur noch DER MUßIKANT nennt und von dem auf Genetic Music nun eine CD vorliegt. Wer kennt sie nicht, diese genialen, minimalistischen Electrosongs, die Anfang der 80er Jahre auf Korg MS20, MS10, Minimoog und preiswerten Casio-Synthies entstanden. Meist eher aufgrund der beschränkten musikalischen und technischen Möglichkeiten so minimal, aber mit viel Liebe und Enthusiasmus auf den ersten bezahlbaren Mehrspurrecordern aufgenommen und meist auf Cassetten im engeren Freundeskreis verbreitet? Jahrzehntelang vergessen und dann von experimentierfreudigen DJs und findigen Labels ausgegraben und so zum Kult geworden. Die Originaltapes und die wenigen damaligen Plattenveröffentlichungen sind heute gesuchte Sammlerstücke, die nicht zuletzt durch die Ebay-Plattform Schwindel erregende Preise erreichen.
Eines dieser Kult-Projekte war eben Der Künftige Musikant, vor allem durch die rare „Veitstanz“ 7“, die genau wie die noch selteneren Tapes seit Jahren als schlechte Cassetten-Kopie, beziehungsweise jetzt als CD-R-Kopie in der Szene immer weiter gegeben wurde. Nachdem vor einiger Zeit eine Bootleg-CD in Miniauflage kursierte, gibt es nun eine Zusammenstellung von altem Material offiziell von Genetic Music. Dabei ist, neben jeder Menge Tracks von diversen Tapes, auch die komplette „Veitstanz“ EP und das alles in guter Soundqualität. 29 Tracks in knapp 56 Minuten, das ist schon hier und da etwas anstrengend, aber natürlich überwiegt der positive Eindruck, denn einige Stücke sind echte kleine Hits, während andere wohl eher Experimente oder aufgenommene, aber vielleicht nicht endgültig ausgearbeitete Ideen sind. Minimaler geht es teilweise kaum noch, aber es wurde halt alles, was den Geräten entlockt werden konnte auch aufgenommen und benutzt. Wenn man überhaupt Vergleiche anstellen muss, dann würde ich sagen, die unerhörten Klänge sind irgendwo zwischen Der Plan und den frühen DAF anzusiedeln, aber das ist auch nur eine grobe Richtung. Auf jeden Fall ist „Distanz“ wieder ein liebenswertes Puzzleteil bei der Aufarbeitung früher unabhängiger Musik aus Deutschland. (A.P.)

Webadresse der Band: www.geneticmusic.de

CURIOUS - The Intimate Stranger


Erstveröffentlichung: CD 2004 / Genetic Music / SX Distribution

Nach den Südhessen Cold hat nun auch CURIOUS als weitere ehemalige The Cure-Coverband ein eigenes Album mit selbst geschriebenem Material aufgenommen und auf die Hörer losgelassen. Dass das bei Genetic erscheint, überrascht zunächst ein bisschen, denn irgendwie verbindet man das Label immer mit purem Minimal-Electro-Sound, wenn man genauer hinschaut, beziehungsweise –hört, ist es aber eigentlich ein New Wave-Label, dass nur zufällig bisher hauptsächlich elektronische Sachen veröffentlicht hat. Dabei gibt es aber mit V-sor;X beispielsweise sehr guten Wave-Sound und mit Silvia sogar ein NDW-Album (wofür Rhona mich jetzt sicher verprügeln möchte...). Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass Rhona und Rainer von Genetic mit dem Begriff „(New) Wave“ für ihr Label mehr anfangen können, als mit „Minimal-Electro“, weil er weniger musikalisch einschränkend ist. Aber hier soll es ja um CURIOUS gehen...die Band kommt aus der Bielefelder Gegend, womit es diese Band eigentlich gar nicht geben dürfte (googelt mal nach der „Bielefeld-Lüge“...)...die Verschwörung setzt sich also fort. Das soll uns aber hier nicht weiter beschäftigen.

In welche musikalische Richtung es geht, dürfte beim Bandnamen und der Vergangenheit als Cure-Coverband von vorneherein klar sein, hier wird „gewavet“, was die Verstärker hergeben und die guten alten 80er Jahre sind plötzlich wieder präsent. Für alte Säcke wie Haiko und mich ist das natürlich Balsam für die Ohren, denn der ganze heutige „Future-Pop“- und Gothic-Metal“-Dreck geht einem doch schnell auf die Nerven. Stattdessen präsentieren sich CURIOUS als richtige Band, mit Schlagzeug, Gitarren, Bass und Keyboards und natürlich dem smithigen Gesang. Das Tempo ist meist mittelschnell, die Melodien gehen sofort ins Ohr, die Stimmung ist melancholisch und die Songs klingen wie aus einem Guss, so dass es schwer ist, einzelne hervor zu heben. „The Intimate Stranger“, übrigens mit einem sehr schönen Cover versehen, lässt sich einfach gut in einem Stück durchhören, wieder und wieder. Für mich klingt das Album zudem weniger nach The Cure, sondern eher nach The Essence und Sad Lovers And Giants (und nun behaupte bloß niemand, dass The Essence nur eine Cure-Kopie sind!), oder nach den leider längst vergessenen Spät80er/Früh 90er Bands Cy Shem und Screaming Fools aus Hamburg. Und dass man mit dieser Art von Gitarren-Wave mit flächigen Keyboards und zuckersüßen Melodien auch heute noch die Hörer erreichen kann, haben Whispers In The Shadow, Escape With Romeo und eben Cold bewiesen. Vielleicht hätte man bei der Produktion noch etwas mehr rausholen können, wenn man, statt es selbst zu machen, jemanden mit etwas mehr Erfahrung an die Regler gelassen hätte. Es ist doch immer von Vorteil, wenn jemand von außerhalb der Band beim Abmischen dabei ist, aber das ist wirklich nur als klitzekleiner Kritikpunkt gemeint. Bis es sich mal ergibt, die Band live zu erleben, was bestimmt sehr unterhaltsam ist, da sich jeweils drei Männlein und Weiblein auf der Bühne tummeln, wird die CD bei mir mit Sicherheit regelmäßig laufen. (A.P.)

CURVE - Horror Head (Remix)


Erstveröffentlichung: Maxi-CD / Anxious Records

Zu CURVE muß man wohl sowieso nichts sagen, sie legen mit ""Horror Head"" ein weiteres tolles Lied in der eigenen Tradition vor mit den superguten, geflangten Gitarren und schönem Damengesang, der schöne Melodien intoniert. THE CURVE sind wirklich eine richtig geile Band, von denen ich mir wohl mal ein bißchen mehr zulegen sollte. (H.H.)



[ ZURUECK ]