DAF - 09.04.2003 – Hamburg, Große Freiheit 36


Erstveröffentlichung: Konzert/Veranstaltung 2003

Erst SOFT CELL, dann FEHLFARBEN und jetzt DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT...da fange ich beinahe an, an das oft beschworene 80er Jahre Revival zu glauben, das sich sonst fast nur an grottenschlechten Coverversionen festmachen lässt.

Alle drei Bands haben jedoch in der jeweiligen Originalbesetzung wirklich gute neue Alben veröffentlicht, die zwar vor allem Fans aus den frühen 80er Jahren glücklich gemacht haben dürften, aber trotzdem nicht nach einfacher Selbstkopie und Geldmacherei klingen.

Im April sollten Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl also mal wieder die Bühnen der Republik unsicher machen und für Haiko und mich war es Ehrensache, dass wir zumindest in Hamburg bei der Darbietung anwesend sein mussten.

Karten besorgt, Texte geübt und eines Mittwochabends vor der Großen Freiheit verabredet, wo zu Einlassbeginn noch nicht viel los war, was mich dann doch ein bisschen verunsichert hat. Sollten DAF tatsächlich nur so wenige Leute anziehen?

Nun, nach einigen Bierchen und einer Stunde hatte sich der Laden einigermaßen gefüllt, war aber bei weitem nicht ausverkauft. So blieb aber wenigstens genug Luft zum atmen und wir hatten von einem gemütlichen Stehtisch aus einen guten Blick auf die Bühne. Dort machte schon lange vor Konzertbeginn ein DJ auf sich aufmerksam, indem er seine Reggae- und Dub-Vinylplatten auflegte und dabei schlechte Übergänge fabrizierte. Nun kann ich dieser Musik grundsätzlich einiges abgewinnen, aber zum einen passte sie nicht in den Rahmen des Abends und zum zweiten fand der Mann kein Ende und ließ sich auch von den immer häufiger aufkommenden Unmutsbekundungen des Publikums nicht aus der Ruhe bringen. Irgendwann hörte er dann doch auf und sein DJ-Pult wurde unter Applaus von der Bühne gefahren.

Weiter umgebaut werden musste nichts, denn auf der Bühne standen bereits ein komplettes Schlagzeug und eine Keyboardburg. So verdunkelte sich der Saal bald und ein Intro vom Band erklang, wenn ich mich recht erinnere „Absolute Körperkontrolle“. Dann kamen drei Leute auf die Bühne, Robert Görl stellte sich hinter die Keyboards, ein Mann namens Andrew setzte sich ans Schlagzeug und Gabi-Delgado-Lopez stellte sich an den Mikroständer. Die ersten Klänge von „Sato Sato“ erklangen und ein gut 90minütiges Konzert startete, das wohl genau die Erwartungen der anwesenden Zuschauer und Zuhörer erfüllte, denn mal ganz ehrlich: wer möchte, dass DAF anders klingen, als 1982/83? Nach dem guten Start, die Soundprobleme bekam der Mischer schnell in den Griff, folgten „Der Sheriff (Schnelle Version)“ und „Der Mussolini“, das Lied, an dem DAF wohl bis in alle Ewigkeit gemessen werden. Dieser grandiose Start tat der Stimmung, die durch den DJ zuvor gesunken war, sehr gut und vor der Bühne war eine Masse von Menschen in ständiger Bewegung. Die Mischung aus alten und neuen Liedern war perfekt und beinahe alle Hits wurden gespielt. „Verschwende Deine Jugend“ (die Hymne einer Generation), „Kinderzimmer“, „Alle Gegen Alle“, „Alles Wird Gut“, „Der Räuber Und Der Prinz“ und und und, die Zahl der DAF Klassiker ist groß und so ist es kein Wunder, dass wohl jeder den einen oder anderen Song vermisst hat, wie ich zum Beispiel „Sex Unter Wasser“ und „Was Ziehst Du An Heute Nacht“. Im Zugabenblock wurde noch einmal „Der Mussolini“ gespielt, was ich für völlig legitim halte. Nur zu „Kebap Träume“ ließen sich die Musiker nicht hinreißen. Außer dem Schlachtruf „Deutschland, Deutschland, alles ist vorbei“ wurde der Song außen vor gelassen. Was eigentlich Sinn macht, denn es ist ursprünglich ja ein Mittagspause-Lied und keines von DAF, trotzdem hätte es einem tollen Konzert die Krone aufgesetzt, aber man kann nicht alles haben.

Was bleibt ist ein Auftritt, der den Erwartungen entsprochen hat und deshalb völlig überzeugend war. Showelemente waren lediglich die Langstreckenläufe von Gabi Delgado-Lopez auf der Bühne und eine minimalistische Dia-Show, die hauptsächlich aus Schlagwörtern bestand, die auf 5 sich drehende Leinwände im Bühnenhintergrund projiziert wurden, wobei die Dia-Bedienerin nicht immer ganz auf der Höhe der Texte war. DAF haben es geschafft, beinahe ohne musikalische Veränderung nach rund 20 Jahren immer noch frisch und unverbraucht zu klingen, was will man mehr? (A.P.)



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