DAF - Fünfzehn Neue DAF Lieder


Erstveröffentlichung: CD / Superstar Recordings / Universal

Ach ja, DEUTSCH AMERIKANISCHE FREUNDSCHAFT gehörten zu den weniger kommerziellen Stars der Neuen Deutschen Welle und waren trotzdem sehr erfolgreich. Zudem haben sie grundlegend die Musikrichtung Electronic Body Music mit geprägt. Bei ihrem ersten Comeback Mitte der 80er Jahre („First Step To Heaven“) waren sie eher enttäuschend und auch alle Neben- und Soloprojekte bis hin zu DAF DOS waren weder besonders spannend, noch erfolgreich. Nun ist aber die Zeit gekommen, alte Feindschaften zu begraben und einen weiteren Versuch zu starten. Ich bin guter Dinge, dass Gabi Delgado-Lopez und Robert Görl zumindest einiges an Aufmerksamkeit erregen werden, denn „15 Neue DAF Lieder“ hat alles, was die alten Fans hören wollen und biedert sich kein bisschen an die heutige Jugend an, indem üble Techno-Beats verwendet werden. Im Zuge des angeblichen 80er-Jahre/NDW-Revivals, dem Erfolg von Jürgen Teipel´s „Verschwende Deine Jugend“-Buches und der neuen Fehlfarben-Platte und –Tour dürfte die Aufmerksamkeit der Presse und der Öffentlichkeit sicher sein. Diese Platte ist Nostalgie pur und wird alle diejenigen, die meinen, Musik muss immer neu und innovativ klingen, zu vernichtenden Kritiken verleiten. DAF haben nichts anderes getan, als eine Platte aufzunehmen, die möglichst genauso klingt wie ihre Meisterwerke „Alles Ist Gut“, „Gold Und Liebe“ und „Für Immer“. Das ist den beiden Musikern größtenteils gelungen und fast alle neuen Songs würden auf den alten Platten nicht besonders auffallen. Wie gehabt gibt es relativ monotonen, minimalistischen Electrosound, der sehr rhythmisch und durch Endlosschleifen bestimmt ist. Dazu Texte, die immer noch zwischen politischen Aussagen und sexuellen Themen pendeln und häufig irgendwie „schwitzig“ sind. Tanzbar sind fast alle Songs sowieso. Dass diese Platte ohne Zweifel absolut „retro“ ist, kann man der Band nicht vorwerfen, denn genau das soll sie mit Sicherheit auch sein. Wenn dabei neben der Befriedigung der alten (immer noch zahlreichen) Fans auch noch ein paar €uro abfallen, ist das völlig in Ordnung. Besonders interessant wird es, wenn die Texte politisch sind, so bei „Der Sheriff“, das gleich als „Anti-amerikanisches Lied“ untertitelt ist. Punktgenauer kann man in Zeiten kurz vor dem dritten Golf-Krieg wohl nicht mit einer Platte auf den Markt kommen. In „Kinderzimmer“ wird die Faszination (wertungsfrei gemeint) der RAF-Terroristen in den 70ern thematisiert. Hier lautet die Erläuterung auf dem Cover „Heldenlied“ und so hat jeder einzelne Song eine Erklärung dabei, um was für eine Art von Song es sich handelt („Romantisches Lied“, „Tanzlied“, „Kriegslied“, „Liebeslied“ etc.). So wird jeder pseudo-intellektuellen Interpretation gleich der Wind aus den Segeln genommen, denn auch, wenn manche Leute es gerne tun, so kann man in die Texte von DAF wenig mehr hinein interpretieren, als was sie wörtlich aussagen. Genau das ist es, was die Gruppe immer ausgemacht hat und das ist auch gut so. Um das Nostalgie-Gefühl zu komplettieren, ist auch die Covergestaltung an die alten Platten angelehnt, fehlen eigentlich nur die englischen Übersetzungen der heutzutage längeren Texte. Nein, auch wenn diese Platte absolut nichts Neues bietet, so ist sie doch absolut klasse und wird vielen „älteren“ Leuten die eine oder andere Freudenträne ins Auge treiben. DAF zeigen, dass es heute nicht nur miese 80er-Pop-Techno-Coverversionen geben muss und dass sie ihren Epigonen immer noch um Lichtjahre voraus sind. Jeder, der diese Platte nieder macht, weil sie so klingt, wie vor 20 Jahren, hat einfach nicht verstanden, dass das gerade der Sinn von ihr ist. Und genau deshalb erscheint sie auch jetzt noch in der NDW-Rubrik. (A.P.)



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