THE DRY HALLEYS - Crash-Landing Chemistry


Erstveröffentlichung: CD / Dark Star

Heute kennt wohl kaum noch jemand die DRY HALLEYS, die Ende der 80er, Anfang der 90er einige tolle Platten veröffentlicht haben. Die Musik der Gruppe war extrem vielseitig, von experimentell bis poppig und wahrscheinlich hat genau die Nichtfestlegung der Musiker auf einen bestimmten Stil den breiteren Durchbruch verhindert. Schade eigentlich, denn besonders das Album „Crash-Landing Chemistry“ ist wirklich großartig. Fast scheint es, als wenn die Band die ersten beiden Zillo-Sampler in sich aufgesogen und daraus ihre eigene Mixtur gebraut hätte. Klingt irgendwie wie eine Mischung aus Pink Turns Blue, Girls Under Glass, Deine Lakaien, Glatze Des Willens und vielen anderen Bands dieser Zeit, ohne jedoch eine davon einfach zu kopieren. Mit dem Titelstück „Crash-Landing Chemistry“ ist ein unsterblicher New Wave-Hit vertreten, den leider viel zu wenige Leute noch kennen, obwohl er auf den Tanzflächen des Undergrounds eigentlich gut ankommen müsste. „Internationale“ könnte direkt von Laibach stammen und „Geliebte“ zeigt deutliche Einflüsse der Einstürzenden Neubauten. Textlich wird bei diesem Titel bereits damals vorweg genommen, was seit dem Zusammenwachsen der Darkwave- und der „Fetisch/S-M-Szene heute Gang und Gäbe ist. Wave, Gothic, Industrial, Electro, hier findet sich alles in einer unvergleichlichen Mischung wieder. Wem das „Lied Des Kerkermeisters“ zu schräg und Früh-NDWig ist, der mag vielleicht den Text von „Sex“, und wem dieser zu politisch ist, der findet dann Gefallen an den Minimal-Wave-Klängen von „Innocent“ und so weiter. Das alles bedeutet nicht, dass die DRY HALLEYS unentschlossen klingen würden und keinen eigenen Stil hätten, im Gegenteil, sie ziehen aus allen möglichen Stilen das Beste heraus und machen ihr ganz eigenes Ding. 1987 erregte die Band bereits ein wenig Aufsehen, als sie eine schwarzmagische Performance durchführte und dadurch sofort in die Satanistenecke gesteckt wurde. Auch in einem Buch über Satanismus werden sie erwähnt. Ob da wirklich etwas dran ist, weiß ich nicht. Leider finden sich auch heute im Internet kaum brauchbare Infos über diese Gruppe. Sollte also zufällig jemand diese Kritik lesen, der jemanden kennt, der mit dem Onkel des Freundes der Tante eines Bandmitgliedes bekannt ist, so möge er sich bitte bei uns melden!

Für alle, die Vergleiche in einer Plattenkritik brauchen, seien hier die ebenfalls fast vergessenen Nagorny Karabach genannt, wer die auch nicht mehr kennt, muss wohl mit dem früher häufig benutzten Vergleich „Neubauten treffen Tuxedomoon“ Vorlieb nehmen, auch wenn das die DRY HALLEYS nur unzureichend beschreibt. (A.P.)



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